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Venezolanischer Präsident : Maduros geheime Kuba-Mission

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Besuch beim Mentor: Venezuelas Präsident Maduro bestaunt mit Fidel Castro ein altes Dokument aus dem 19. Jahrhundert Bild: AP

Venezuelas Präsident Maduro hat den Castro-Brüdern einen Besuch abgestattet. Angeblich waren sie es, die den ehemaligen Busfahrer als Nachfolger von Hugo Chávez durchsetzten.

          Wenige Tage vor Weihnachten hat Venezuelas Präsident Nicolás Maduro in Kuba heimlich die Castro-Brüder besucht. Erst hinterher berichtete er über seinen Kurztrip. Seinen Schilderungen nach war es ein idyllisches Treffen, bei dem er Fidel Castro verschiedene Geschenke überreicht hat. „Offizieller“ Anlass war der 19. Jahrestag der ersten Begegnung zwischen dem kubanischen Revolutionsveteranen und dem inzwischen verstorbenen früheren venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez am 19. Dezember 1994. Kurz zuvor war damals der nach seinem gescheiterten Staatsstreich 1992 zu einer Gefängnisstrafe verurteilte und unehrenhaft aus dem Militär entlassene Oberstleutnant Chávez aus der Haft entlassen worden.

          Fidel Castro habe ihm in einem „langen Gespräch“ viel über Chávez erzählt, schwärmte Maduro und ließ von dem Treffen ein Foto veröffentlichen. Es zeigt die beiden, wie sie ein historisches Dokument betrachten, das bei der für die Unabhängigkeit Venezuelas entscheidenden Schlacht von Carabobo (1821) eine Rolle gespielt haben soll. Es ist kaum anzunehmen, dass die geheime Mission Maduros lediglich der verklärenden Erinnerung an Chávez und den lateinamerikanischen Befreiungshelden Simón Bolívar diente. Vor allem bei den Gesprächen mit Fidels jüngerem Bruder Raúl, der die Regierungsgeschäfte führt, dürften handfeste wirtschaftliche und auch militärische Fragen eine entscheidende Rolle gespielt haben.

          Maduro selbst bezeichnete zuletzt das vergangene Jahr als „sehr hart und komplex“, vor allem wegen des Todes von Chávez am 5. März, aber auch wegen des angeblich von dem privaten Unternehmertum angezettelten „Wirtschaftskriegs“, in dem er glaubt, sich als Feldherr bewährt zu haben. Denn erstaunlicherweise sank die Inflationsrate von November auf Dezember nach Angaben der Zentralbank von 4,8 auf 2,2 Prozent. Allerdings hat Maduro zugegeben, dass die jährliche Inflationsrate 56,2 Prozent betragen hatte. In Lateinamerika war das der höchste Wert, weltweit gehörte Venezuela 2013 im Verein mit afrikanischen Staaten zu den Spitzenreitern.

          Maduro enttäuschte die Castros nicht

          Seinen vorgeblichen Erfolg in dem „Wirtschaftskrieg“, einen Pyrrhussieg, hat Maduro mit dem brutalen Niederknüppeln von Preisen vor allem für Haushaltsgeräte, Autoteile und Eisenwaren erzielt. Zu seinen taktischen Manövern gehörten die offene Aufforderung zur Plünderung von Geschäften, die angeblich überhöhte Preise genommen hatten, die Entsendung von Soldaten in einzelne Geschäfte und die Festnahme von Unternehmern unter dem Vorwurf der Wucherei.

          Ohne den „Wirtschaftskrieg“ hätte Venezuela eine der niedrigsten Inflationsraten in den vergangenen hundert Jahren zu verzeichnen gehabt, orakelte Maduro, ohne mit einem Wort darauf einzugehen, dass der desaströse Zustand der venezolanischen Wirtschaft auf eine Vielzahl von Fehlentwicklungen und Fehlentscheidungen schon in der Regierungszeit seines Vorgängers und Idols Chávez zurückzuführen ist. Als Chávez Anfang Dezember 2012 zu seiner letzten Operation nach Kuba flog und Maduro als seinen Nachfolger empfahl, entsprach er damit einem Wunsch der Castro-Brüder. Sie sahen in dem früheren Außenminister, den Chávez zu seinem Vizepräsidenten ernannt hatte, den geeigneten Nachfolger – aus reinem Eigennutz.

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