https://www.faz.net/-gq5-8i5wo

Blick in die Familie : Wie sich der Vater des Attentäters inszeniert

  • -Aktualisiert am

Der Vater des Orlando-Attentäters Seddique Mateen in einem Video, in dem er seine Kandidatur als Präsident Afghanistans bekanntgibt. Bild: Durand Jirga Show/Payam-e-Afghan

Seddique Mateen kommt aus Afghanistan und nennt sich auf Facebook Afghanistans „provisorische Regierung“. Der Mann, dessen Sohn auf mehr als 100 Menschen geschossen und 49 von ihnen ermordet hat, bietet ein bizarres Bild.

          3 Min.

          Er trägt Militärkleidung, eine Mütze und Jacke im Camouflage-Muster. Ein dicker Schnauzer im Gesicht, die Falten sind tief. Seddique Mateen ist nicht mehr der Jüngste, das sieht man auf den Bildern und Videos in seinem Facebook-Profil. Er hat mehrere Kinder, eines davon hat in der Nacht zum Sonntag auf mehr als 100 Menschen geschossen. Die Tat tut Seddique Mateen leid, sagt er, und entschuldigt sich im Gespräch mit dem amerikanischen Nachrichtensender „NBC News“ für das, was sein 29 Jahre alter Sohn Omar angerichtet hat.

          Wer ist der Vater des Attentäters? Seddique Mateen kommt ursprünglich aus Afghanistan, genau wie seine Frau. Wann er in die Vereinigten Staaten gekommen ist, steht nicht fest. Sein Sohn Omar kam in New York auf die Welt, kurz darauf zog die Familie nach Florida, wo sie heute noch gemeldet ist. Vor zwei Monaten soll er nach Informationen der Lokalzeitung „Orlando Sentinel“ eine Nonprofit-Organisation unter dem Namen „provisorische Regierung von Afghanistan“ registriert haben.

          Arbeitgeber: „die provisorische Regierung von Afghanistan“

          Auf Facebook hat Seddique Mateen als Arbeitstitel Politiker angegeben, angestellt bei der „provisorischen Regierung von Afghanistan“. 345 Leuten gefällt das. Auf YouTube lädt er Videos von sich im Anzug hoch, wie er in einem Nachrichtenstudio sitzt und Polit-Talk macht. Während die Videos laufen, wird eine Adresse in Fort Pierce eingeblendet – die Stadt, in der die Familie wohnt, und in der auch Omar Mateen gelebt hat.

          Die Videos werden auch auf einem afghanisch-amerikanischen TV-Sender, der in Kalifornien seinen Sitz hat, ausgestrahlt. Payam-e-Afghan heißt der Sender, „Durand Jirga“ die Sendung Mateens.

          Omar Mateen soll 50 Menschen getötet haben. Sein Vater will von den Plänen nichts gewusst haben.

          Der Name bezieht sich auf die umstrittene Grenze zwischen Pakistan und Afghanistan, die Durand-Linie, 1893 willkürlich von den Briten als Grenze gezogen. Auf pakistanischer Seite der Grenze leben einige Pathanstämme, die, so zumindest die Argumentation von afghanischer Seite, ethnisch zu den Pathans in Afghanistan gehören würden. Noch immer ist die Grenzlinie umstritten und Grund andauernder Dispute zwischen den beiden Ländern.

          Hetze gegen den pakistanischen Geheimdienst

          Omar Khatab, der Besitzer des Senders, bei dem die Show ausgestrahlt wird, sagt im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters, dass sich Seddique Mateen gelegentlich Sendezeiten kauft. Drei bis vier Mal im Jahr reise Mateen nach Kalifornien, um eine neue Sendung aufzuzeichnen. Seit drei Jahren produziert Mateen die Show bereits, zwischen 2012 und 2015 wurden auf dem YouTube Kanal unter seinem Namen zahlreiche Videos hochgeladen, es handelt sich um mehrere dutzend Stunden Filmmaterial.

          Während der Sendung redet Mateen auf Dari, einer Sprache, die ihren Ursprung im Persischen hat und in Afghanistan gesprochen wird. Manchmal blendet er englische Texte ein. Darauf wird der Geheimdienst der pakistanischen Regierung als „Feind der Welt“ und „Ursprung von Al Quaida und internationalem Terrorismus“ bezeichnet. Der Geheimdienst sei eine „Tötungsmaschine“, Obama solle deren Finanzierung beenden, fordert Mateen.

          Schauspieler Dwayne Johnson (44): „Es ist lange überfällig, aber die Zeit ist reif, um zu handeln. Ich glaube an das Recht, Waffen zu tragen und seine Familien zu beschützen. Aber ich glaube auch an strengere Waffenkontrollen ... Als Folge dieser Terrorattacke werden wir vereint, beharrlicher und gestärkt zurückkommen. Zusammen. Sie können nicht etwas kaputtmachen, was sie nicht aufgebaut haben.“ Bilderstrecke

          In demselben Video kündigt Mateen auch seine Kandidatur für die afghanische Präsidentschaftswahl an – die im Jahr zuvor bereits stattgefunden hat. Er gibt sich als afghanischer Nationalist, redet wirr und springt von Thema zu Thema.

          Ein wirrer Nationalist

          Laut „Washington Post“ äußert er sich in einem Video, ausgestrahlt vor etwa einem Jahr, dankbar gegenüber den Taliban, während er die pakistanische Regierung stark angreift. „Unsere Brüder in Wasiristan, unsere Kriegsbrüder bei der Taliban-Bewegung und national afghanische Taliban erheben sich. Inshallah, der Konflikt um die Durand-Linie wird bald beendet sein,“ soll er sagen. Im Februar, so berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, verurteilte Mateen die Taliban-Mitglieder in einem Video auf Facebook dagegen als „Diener“ des pakistanischen Geheimdienstes.

          Seit dem Attentat seines Sohnes hat er auf Facebook wieder zahlreiche Videos hochgeladen, in denen er vor einer afghanischen Flagge in Militärkluft sitzt und sich politisch äußert. Mateen gibt sich auf seinen Internetplattformen und in seiner Sendung nicht als radikaler Islamist, auch äußert er sich kritisch gegenüber Terrororganisationen und verurteilt sie. Er sitzt bei seinen Ansprachen nicht vor einer Flagge der Taliban, sondern vor der Afghanistans. Ein wirrer Nationalist – dieses Bild ergibt sich von Seddique Mateen durch seine Internetpräsenz.

          Dem Sender „NBC News“ sagt Mateen am Sonntag, das Attentat seines Sohnes habe nichts mit Religion zu tun gehabt. Er wisse weder, was seinen Sohn Omar zu der Tat motiviert habe, noch, dass er den Massenmord geplant habe.

          Sein Sohn habe sich in der Vergangenheit allerdings schwulenfeindlich geäußert, sagt Seddique Mateen, und zitiert ein Beispiel, als die Familie am Strand zwei sich küssende Männer gesehen habe. Daraufhin sei sein Sohn sehr wütend geworden. Er selbst sagt von sich, dass er wie das ganze Land schockiert sei über das von seinem Sohn begangene Verbrechen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Christine Lagarde auf der Pressekonferenz in Frankfurt

          EZB-Präsidentin Lagarde : Zinsentscheid mit einem Lächeln

          Die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, stellt sich erstmals nach einer Ratssitzung der Presse. Den Zinssatz lässt sie unverändert, doch ihr Stil unterscheidet sich deutlich von dem ihres Vorgängers Draghi.

          Europa League im Liveticker : 2:1 – Frankfurt dreht das Spiel

          Guimarães geht gegen die Eintracht mit einem umstrittenen Tor in Führung, dann aber profitieren die Frankfurter erst von einem Patzer, ehe sie ein zweites Mal treffen. Wer setzt sich am Ende durch? Verfolgen Sie das Spiel im Liveticker.
          Das nächste „große Ding“? Auch IBM forscht im Bundesstaat New York an Quantencomputern.

          Bahnbrechende Technologie : Im Quantenfieber

          Unternehmen treiben die Quantentechnologie voran – nicht nur mit Computern, die Unglaubliches leisten. Thales aus Frankreich will Vorreiter sein.

          Pipeline : Nord Stream 2 muss jetzt schnell fertig werden

          Amerika belegt Unternehmen, die sich am Bau der Pipeline beteiligen mit Sanktionen. Was hat das für Folgen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.