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Usama Bin Ladins Tod : Hat Washington die Welt belogen?

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Barack Obama verfolgt am 2. Mai 2011 gemeinsam mit ranghohen Kabinettsmitgliedern die Tötung Usama bin Ladins. Bild: dpa

Der Tod Usama Bin Ladins ist einer der größten Erfolge Barack Obamas. Doch die Darstellung, der amerikanische Geheimdienst habe Bin Ladin ohne fremde Hilfe aufgespürt, soll eine Lüge sein.

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          Es war wahrscheinlich Barack Obamas größter Erfolg während seiner ersten Amtszeit. Am 2. Mai 2011 verfolgte der amerikanische Präsident im Situation Room gemeinsam mit ranghohen Kabinettsmitgliedern wie ein Team Navy Seals in einer Nachtaktion ein ummauertes Anwesen in Abbottabad in Pakistan stürmte. Ihr Ziel: Usama Bin Ladin. Wenige Minuten später war der damals meistgesuchte Terrorist der Welt tot. Einer der Seals hatte ihm in den Kopf geschossen. All das soll unter völliger Geheimhaltung geschehen sein. Nicht einmal die pakistanische Armee oder der Geheimdienst sollen davon gewusst haben.

          Der amerikanische Enthüllungsjournalist Seymour M. Hersh bringt diese Version erheblich ins Wanken. In einem Beitrag in der „London Review of Books“ schreibt er, dass der pakistanische Geheimdienst und die Armee seit 2006 gewusst haben sollen, wo Bin Ladin sich aufhält. Die Information sollte den Vereinigten Staaten so lange vorenthalten werden, bis der richtige Zeitpunkt zur Enthüllung gefunden war. Letztendlich habe der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA einem ehemaligen pakistanischen Geheimdienstmitarbeiter 25 Millionen Dollar gezahlt. Im Gegenzug erhielten sie den genauen Aufenthaltsort Bin Ladins.

          Entgegen der amerikanischen Darstellung seien ranghohe pakistanische Militärs über die bevorstehende Aktion informiert gewesen. Hersh stützt sich dabei auf Rechercheergebnisse, die ihm ein ehemaliger General der pakistanischen Armee sowie ein ehemaliger amerikanischer Geheimdienstmitarbeiter bestätigt haben.

          In der von Washington verbreiteten Version hatte es geheißen, die CIA habe bin Ladin aufgespürt, indem sie seine Kuriere überwachte. Für Hersh ist diese Darstellung eine „unverschämte Lüge“.

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