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Geheime Dokumente : Bin Ladins Deutschlandstrategie

  • -Aktualisiert am

Jetzt veröffentlicht: Dokumente aus dem Versteck von Usama bin Ladin. Bild: AFP

Aus den Abschriften der Dokumente aus dem Versteck von Bin Ladin geht hervor, dass sein Terrornetz Al Qaida eine genaue Strategie für Deutschland hatte. Es gab konkrete Anweisungen, wie die deutschen Truppen aus Afghanistan vertrieben werden sollten.


          In einem der nun veröffentlichten Dokumente, die im Versteck von Usama Bin Ladin gefunden wurden, wird auch auf Deutschland Bezug genommen. Es wird eine Strategie formuliert, wie sein Terrornetz Al Qaida Aufmerksamkeit in Deutschland erlangen könnte für das Ziel, die deutschen Truppen aus Afghanistan zurückzudrängen. Am besten gelinge dies durch eine Verängstigung der deutschen Presse. „Wenn die Medien verängstigt sind, ist deren Glaubwürdigkeit erschüttert. Wenn Journalisten Angst haben, werden sie Texte schreiben, die die Bürger dazu ermutigen, für einen Abzug der Truppen zu stimmen“.

          Wer die Dokumente verfasst hat und an wen sie gerichtet sind, ist nicht bekannt. Ebenso ist unklar, in welcher Sprache die auf Englisch vorliegenden Papiere im Original verfasst wurden. Sie enthalten neben diesem konkreten Ratschlag auch Details zur politischen und wirtschaftlichen Lage Deutschlands.

          Vier Jahre nach der Tötung von Usama Bin Ladin haben die amerikanischen Geheimdienste am Mittwoch mehr als 100 Dokumente des damals meistgesuchten Terroristen der Welt veröffentlicht. Die Soldaten der Eliteeinheit Navy Seals hatten das Material bei der Jagd auf Bin Ladin in der pakistanischen Stadt Abbottabad im Mai 2011 in dessen Versteck eingesammelt. Die nun von der Aufsichtsbehörde für die amerikanischen Geheimdienste (DNI) ins Internet gestellten Dokumente – in englischer Übersetzung – offenbaren einen Blick in die Denkweise des damaligen Chefs der Terrororganisation Al Qaida.

          Von großer Bedeutung in den Deutschland-Passagen der Dokumente waren die dänischen Mohammed-Karikaturen, in deren Zusammenhang der Einfluss des damaligen Innenminister Wolfgang Schäuble erwähnt wird. „Nach der Veröffentlichung der beleidigenden Karikaturen des Propheten Mohammed in Dänemark rief der deutsche Innenminister (Wolfgang Schäuble (CDU) im Jahr 2008) alle europäischen Zeitungen zu deren Nachdruck auf. Dies hat Gewicht, weil (...) er der Innenminister des Landes mit dem größten Verlag in Europa, dem Axel-Springer-Verlag, ist. “

          Nicht über den Nahost-Konflikt sprechen

          Abgeraten wurde in dem Dokument, mit Deutschen über den Nahost-Konflikt zu sprechen: „Vermeiden Sie es, mit Deutschen über die Juden und Palästina zu reden. Dies ist in Deutschland ein sehr sensibles Thema und wird unserem Ziel abträglich sein. Ich glaube, wenn wir angeben, dass wir an Deutschlands Seite stehen und nur im Sinn haben, sie aus Afghanistan herauszubekommen, werden sie unsere Position verstehen, so Gott will.“

          Auch zur Frage, wie man Deutschland wirtschaftlich schaden könne, gab es Aussagen: „Ein Boykott der deutschen Autoindustrie schadet dieser selbst und weiteren Firmen wie etwa BASF, dem weltgrößten Chemiekonzern, oder dem Stahlsektor, die beide wichtige Branchen in Deutschland sind. Ein Boykott der deutschen Autoindustrie wird zum Verlust von Arbeitsplätzen, sinkenden Steuern und anderen Schäden führen. (...) Ein Dominoeffekt.“

          Deutschland habe zudem unter der Wirtschaftskrise gelitten, die Verkäufe im Ausland seien zurückgegangen. „Sie hoffen auf Kompensation im arabischen Markt und konzentrieren sich auf einige Länder, die große Summen investieren wollen – wie Algerien mit 150 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2014, Saudi-Arabien mit 100 Milliarden Dollar und auch Libyen.“

          Die Lektüre von Bin Ladin

          Außerdem zeigen Bücherlisten, mit welcher Art von Literatur der Terror-Chef sich in seinen letzten Stunden umgab: Bin Ladin besaß ein Buch über Verschwörungstheorien rund um die Anschläge vom 11. September 2001 sowie über die Illuminaten. Er besaß aber auch ein Buch von „Washington Post“-Reporter Bob Woodward über die Kriege von Präsident Barack Obama sowie ein Werk des Sprachphilosophen und Begründers der modernen Linguistik, Noam Chomsky.

          Selbst ein Handbuch zum 2009 erschienen Videospiel „Delta Force Extreme 2“, eine Anleitung für Siebdruck-Techniken, ein Guinness-Buch der Rekorde für Kinder und ein Handbuch für arabische Kalligraphie fanden die Soldaten. Nicht endgültig geklärt ist aber, ob diese Werke eventuell von anderen Bewohnern des Gebäudes in Pakistan und nicht von Bin Ladin selbst genutzt wurden.

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