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Kuba und Amerika : Von Spionen und Helden

  • Aktualisiert am

„Ich bin frei“: Alan Gross (blaues Hemd) bei seiner Ankunft in Maryland. Bild: Reuters

Amerika feiert die Freilassung des seit fünf Jahren in Havanna inhaftierten Alan Gross, Kuba die Rückkehr der letzten drei der sogenannten „Cuban Five“. Doch wer ist der unbekannte „Top-Spion“, der ebenfalls vom Gefangenenaustausch profitiert hat?

          Als der Pilot am Mittwochmorgen um 8.45 Uhr bekanntgibt, dass man soeben den kubanischen Luftraum verlassen habe, steht Alan Gross aus seinem Sitz auf und hebt die Arme. Die fünf Jahre im Gefängnis in Havanna haben ihn gezeichnet. Er hat Gewicht verloren und fünf Zähne. Chronische Schmerzen und Depressionen sollen ihm zuletzt stark zugesetzt haben.

          Dann ruft der 65 Jahre alte Gross seine Töchter in Israel und Oregon an. „Ich bin frei“, sind seine ersten Worte, so jedenfalls wird es später sein Sprecher erzählen. Auf dem Fernseher im Flugzeug verkündet CNN derweil „Breaking News“: Präsident Barack Obama werde eine neue Kubapolitik verkünden. Eine historische Annäherung, die eng mit dem Schicksal von Alan Gross verbunden ist.

          Im Dezember 2009 war Gross auf dem Flughafen von Havanna festgenommen worden. Im März 2011 verurteilte ihn ein kubanisches Gericht wegen „staatsfeindlicher Tätigkeit“ zu 15 Jahren Haft.

          Fünfmal war Gross zuvor für ein Unternehmen im Auftrag der amerikanischen Entwicklungsbehörde USAID mit einem Touristenvisum nach Kuba gereist. Mit dabei hatte er unter anderem Satellitentechnik. Nach Angaben der amerikanischen Regierung war diese für die jüdische Gemeinde in Havanna bestimmt - um ihr einen von den staatlichen kubanischen Behörden unzensierten Zugang zum Internet zu ermöglichen.

          Während des Flugs von Kuba in die Freiheit telefonierte Alan Gross auch mit Präsident Barack Obama (Foto: Weißes Haus): Bilderstrecke

          Dass die Entwicklungsbehörde USAID mit ihren Programmen durchaus auch den Regimewechsel in Havanna vorantreiben wollte und sollte, zeigte sich durch mehrere Enthüllungen in jüngster Zeit. So entwickelten Firmen in ihrem Auftrag heimlich eine Plattform nach Art von Twitter für kubanische Handynutzer. Auch die regimekritische Rapszene versuchte USAID für ihre Ziele einzuspannen.

          Die Inhaftierung Gross´ belastete bis zuletzt die amerikanisch-kubanischen Beziehungen. Zwar lockerte Obama in den vergangenen Jahren bereits einige Restriktionen, etwa bei Reisen und Geldtransfers von in den Vereinigten Staaten lebenden Exil-Kubanern in ihr Heimatland, wirkliche politische Annäherungsversuche aber scheiterten am Fall Gross.

          Im April dieses Jahres trat Gross in einen Hungerstreik. Sein gesundheitlicher und psychischer Zustand soll sich stark verschlechtert haben. Seine Freilassung - über die unter anderem unter der Vermittlung von Papst Franziskus im Geheimen intensiv verhandelt wurde - begründete Kuba nun mit „humanitären Gründen“. Und auch Obama betonte in seiner Ansprache: Es habe keinen direkten Austausch von Gefangenen gegeben.

          „Sie kehrten zurück!“

          Doch auch die Amerikaner ließen nun prominente Häftlinge frei - drei der sogenannten „Cuban Five“. Die fünf Kubaner waren 1998 in Miami verhaftet worden. Die Gruppe soll dort Militäreinrichtungen ausgekundschaftet und kubanische Exilantengruppen infiltriert haben. Alle wurden zu langen Haftstrafen verurteilt.

          In Kuba wurden die Verurteilten als die „Fünf Helden“ oder nur „Die Fünf“ zu Märtyrern stilisiert. Überall im Land hängen Plakate mit ihren Fotos; regelmäßig gab es große Demonstrationen, die ihre Freilassung forderten. Auch Menschenrechtsgruppen aus aller Welt setzten sich für sie ein. Zwei der fünf wurden nach mehr als 13 Jahren wegen guter Führung vor Ablauf ihrer Haftstrafe entlassen.

          Nun folgten die verbliebenen drei: Antonio Guerrero, Ramon Labanino und Fernando Gonzalez. In Havanna wurden sie von Staatschef Raúl Castro empfangen. Auf den Straßen der Hauptstadt kam es zu Freudenkundgebungen und hupenden Autokorsos für die „Helden des kubanischen Volkes“. „Sie kehrten zurück!“, schrieb das Regierungsportal Cubadebate in Anlehnung an Worte von  Revolutionsführer Fidel Castro.

          Etwa zur selben Zeit landete Alan Gross auf der „Andrews Air Force Base“ in Maryland - wo er vom amerikanischen Außenminister John Kerry mit einer langen Umarmung empfangen wurde. In einer Pressekonferenz bedankte sich Gross bei allen, die sich für seine Freilassung eingesetzt hatten. „Es ist gut, daheim zu sein“, sagte er.

          „Eine wichtige amerikanische Geheimdienstquelle“

          Ganz ohne Öffentlichkeit fand derweil die Freilassung eines weiteren Gefangenen statt, von dem zunächst nur bekannt war, dass er mehr als 20 Jahre in Kuba inhaftiert gewesen sein soll. Eine „wichtige amerikanische Geheimdienstquelle“, hieß es zunächst nur. Dann sickerten weitere Informationen durch.

          Unter Berufung auf einen amerikanischen Geheimdienstmitarbeiter und weitere Quellen berichtet „Newsweek“, dass es sich um Rolando Sarraff Trujillo handle, einen früheren kubanischen Geheimdienstmitarbeiter. Der Verschlüsslungs-Experte soll von der CIA angeworben worden sein und für die Amerikaner spioniert haben, bis er in den neunziger Jahren aufflog. Der Schaden, den er bis dahin dem kubanischen Geheimdienst zugefügt habe, sei so groß gewesen, zitiert „Newsweek“ einen früheren Geheimdienstmitarbeiter, dass ihn nur eine Tatsache vor der Hinrichtung bewahrt habe: Seine Eltern seien beide pensionierte Geheimdienstler gewesen. Trujillo wurde zu 25 Jahren Haft verurteilt.

          Weder die kubanische noch die amerikanische Regierung wollten die Berichte bestätigen.

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