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Truppenabzug aus Afghanistan : Amerikas Jahrzehnt der Kriege geht zu Ende

  • -Aktualisiert am

Bild: AP

Bei seinem Afghanistan-Besuch hielt er noch still - nun hat Barack Obama seine wahren Pläne offengelegt: Der Präsident will einen Komplettabzug der amerikanischen Truppen bis Ende 2016. Bedeutet dies auch das Ende der deutschen Präsenz am Hindukusch?

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          Präsident Barack Obama hat angekündigt, bis zum Ende seiner Amtszeit im Januar 2017 sämtliche Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Amerika wolle nach Beendigung des Kampfeinsatzes im Dezember zunächst 9800 Amerikaner am Hindukusch stationiert lassen, sofern der künftige afghanische Präsident das Bilaterale Sicherheitsabkommen unterzeichnet. Sie sollen auf verschiedenen Stützpunkten afghanische Sicherheitskräfte ausbilden und diese bei Operationen „gegen die Überreste von Al Qaida unterstützen“, sagte Obama am Dienstag. Bisher wurde grob kalkuliert, dass Deutschland und andere Verbündete für die neue Nato-Mission zusammen etwa halb so viele Soldaten stellen wie die Amerikaner.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Obama will Amerikas Truppenkontingent schon im kommenden Jahr halbieren. Ende 2015 werden die Amerikaner daher nur noch in Kabul und dem nahe gelegenen Bagram präsent sein; Ende 2016 wollen sie „wie im Irak“ nur noch eine „normale Botschaftspräsenz“ mit einem „Sicherheitsbüro“ unterhalten. Obama informierte am Montag Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie die Regierungschefs in London und Rom über seinen Beschluss; beim scheidenden afghanischen Präsidenten Karzai rief er erst am Dienstag an. Einzelheiten sollen auf dem Treffen der Nato-Verteidigungsminister beredet werden; Mitte Juni soll die gesamte Truppenstärke feststehen. Obama versicherte den Afghanen langfristige finanzielle und „diplomatische“ Unterstützung über den Truppenabzug hinaus.

          In einem nicht befriedeten Land: Ein amerikanischer Soldat in Paktika

          Wenn Obama im Januar 2017 das Weiße Haus verlässt, dann will er der Präsident sein, der beide großen Kriege beendet hat. Ob andere Nato-Staaten ohne amerikanische Unterstützung noch bereit wären, in den einzelnen afghanischen Regionen Flagge zu zeigen, blieb zunächst unklar. Alle Planungen in der Nato für die neue „Operation Resolute Support“ ruhten monatelang, weil die Amerikaner ihre Pläne zunächst nicht beziffern wollten.

          Das irakische Modell einer großen Botschaft mit angeschlossenem „Sicherheitsbüro“ hatte in Washington zuvor eher als abschreckendes Szenario gegolten. Obama hatte es nicht vermocht, die Führung in Bagdad zur Unterzeichnung eines Sicherheitsabkommens mit Immunitätsversprechen zu bewegen und deshalb den Totalabzug befohlen. Heute sehen Amerikas Geheimdienste wieder mit großen Sorgen auf die Bedrohungen, die aus dem Irak erwachsen. Doch Obama könnte darauf bauen, dass der Großteil der Bevölkerung nur Augen für die gute Nachricht hat: Nach dem verlustreichen Irakkrieg endet auch der Afghanistan-Einsatz – der längste Krieg, den die Vereinigten Staaten je gekämpft haben.

          Am Mittwoch will der Präsident an der Militärakademie West Point eine Grundsatzrede zur Außenpolitik halten. Nach der Ankündigung vom Dienstag ist noch klarer, was seine Botschaft sein soll. Obama wird bekunden, wie er in vielen einzelnen, maßgeschneiderten Operationen rund um die Welt für Amerikas Sicherheit sorge. Aber das überlange Jahrzehnt der großen Kriege will er beenden.

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