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Treffen mit Obama : Gauck erfüllt sich einen Lebenstraum

  • -Aktualisiert am

Bester Stimmung: Joachim Gauck (links) bei seinem Besuch bei Barack Obama im Weißen Haus Bild: Reuters

Ein Bundespräsident reist viel, aber ein Besuch im Weißen Haus ist etwas Besonderes. Joachim Gauck nannte das Treffen mit Präsident Obama vorab sogar einen Lebenstraum. Der revanchiert sich mit viel Lob.

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          Für Joachim Gauck war die Begegnung mit Barack Obama ein voller Erfolg. Doppelt so lange wie vorgesehen, gut eine Stunde, saß der Bundespräsident im Oval Office. Auch Vizepräsident Joe Biden, Außenminister John Kerry und die Nationale Sicherheitsberaterin Susan Rice nahmen an dem Treffen teil. Es ging vor allem um Syrien und die Flüchtlingskrise, aber auch um die Ukraine und um den Spionagestreit rund um die NSA.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Er sei sehr dankbar, sagte Gauck später, für die „hohe Anerkennung“, die die amerikanische Regierung Deutschland entgegenbringe. Schon in seinen einleitenden Worten hatte Obama die Rolle Berlins etwa bei den Iran-Gesprächen und bei der Aufnahme von Flüchtlingen hervorgehoben. „Der Präsident“, sagte Obama über Gauck, „hat seine Stimme klar erhoben, um Deutschland zu helfen, den Gang der Welt zu beeinflussen und als unglaublich wichtiger Partner für uns zu dienen.“ Gauck vergaß nachher vor der Presse nicht zu würdigen, dass Obama auch für ihn persönlich Worte der Anerkennung gefunden habe.

          Gauck gewann den Eindruck, dass Obama „teilweise“ die Aufregung verstehe, die in Deutschland über die NSA herrsche. Allerdings halte der amerikanische Präsident das Thema für medial aufgebauscht. Das ist für Obama nach Gaucks Worten daran zu erkennen, dass die Vereinigten Staaten in der deutschen Debatte als größte Schurken gälten, obwohl andere Mächte die Deutschen im Zweifel intensiver ausspionierten.

          Gauck sagte, diese Sichtweise könne er nachvollziehen. Obama habe darauf verwiesen, dass Frankreich zuletzt Sicherheitsgesetze verabschiedet habe, die den Behörden wesentlich umfassendere Befugnisse verliehen. Obama ist nach den Worten von Gauck sichtlich darauf vorbereitet gewesen, in dem Gespräch mit Kritik an der NSA konfrontiert zu werden.

          Die beiden Präsidenten bekundeten laut Gauck beide Sorgen, dass die Masseneinwanderung nach Deutschland Fremdenfeindlichkeit verursachen und damit die „politische Stabilität“ gefährden könnte. Obama brachte zum Ausdruck, dass Europa mit den Flüchtlingen nicht allein gelassen werden dürfe. Doch machte Obama offenbar keine konkreten Angaben darüber, wie Amerika zur Linderung der Krise beitragen könnte. Gauck sagte, Amerika erwarte mit Blick auf Syrien von Deutschland, weiterhin eine positive Rolle bei der Annäherung an Iran zu spielen. Obama erschien Gauck als „großer Analytiker, kenntnisreicher Mann und nüchterner Politiker“. Schon vor dem Treffen hatte der Bundespräsident gesagt, mit dem Besuch im Weiße Haus gehe für ihn ein „Lebenstraum“ in Erfüllung.

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