Tote bei Anschlägen in Boston : Obama: Wir werden sie zur Rechenschaft ziehen
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US-Präsident Obama und andere haben sich nach dem Anschalg auf den Boston-Marathon bestürzt gezeigt. Bild: AFP
Bei Bombenanschlägen in Boston während des Marathonlaufs sind mindestens drei Menschen getötet und mehr als hundert verletzt worden. Präsident Obama kündigte an, die Verantwortlichen zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen.
Bei Bombenanschlägen während des Marathonlaufs in Boston sind am Montag mindestens drei Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden. Unter den Toten ist auch ein acht Jahre alter Junge. Das Weiße Haus geht von einem Terroranschlag aus. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Nach derzeitigen Erkenntnissen des Auswärtigen Amts wurden keine Deutschen getötet oder verletzt.
Der Angriff war offenbar sorgfältig geplant, die Sprengsätze aber waren nicht sehr ausgeklügelt gewesen. Ansonsten hätte es weitaus mehr Todesopfer gegeben, so die einhellige Meinung der Fachleute. „Jeder Vorfall mit mehreren Sprengsätzen - wie es in diesem Fall erscheint - ist klar ein Terrorakt und wird als Terrorakt behandelt“, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses. Allerdings sei bisher unklar, wer die Attacke ausgeführt habe.
Im Zuge einer gründlichen Untersuchung müsse geklärt werden, ob der Angriff auf das Konto von ausländischen oder einheimischen Terroristen gehe. Bostons Polizeichef Ed Davis lehnte detaillierte Angaben zu den laufenden Untersuchungen ab. Er wies aber Berichte zurück, nach denen ein Tatverdächtiger gefasst worden sei. Es würden mehrere Menschen vernommen, bestätigte Davis lediglich. Der Polizeichef und Vertreter der Bundespolizei FBI wollten sich auch nicht zu Berichten äußern, nach denen bis zu fünf weitere nicht explodierte Sprengsätze entdeckt worden seien.
Der amerikanische Präsident Barack Obama kündigte an, die Verantwortlichen zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen. Es handelte sich um die ersten tödlichen Bombenanschläge in den Vereinigten Staaten seit den Terrorangriffen vom 11. September 2001. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte die „sinnlose Gewalt“ des Attentats. Auch Nato-Generalsekretär Rasmussen und der britische Premierminister Cameron reagierten schockiert. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte die Anschläge. „Nichts rechtfertigt einen so heimtückischen Angriff auf Menschen, die sich zu einer friedlichen Sportveranstaltung zusammengefunden hatten“, sagte Merkel am Dienstag in Berlin. „Ich hoffe, dass der oder die Schuldigen dafür bald zur
Rechenschaft gezogen werden können.“
Obama: Eine Tragödie
Präsident Obama sprach in seiner kurzen Rede von einer „Tragödie“. „Wir finden heraus, wer das war. Wir werden sie zur Rechenschaft ziehen“, sagte er im Weißen Haus in Washington. Die Explosionen ereigneten binnen 12 Sekunden in der Nähe der Ziellinie. Die amerikanischen Fernsehsender zeigten Bilder von Rauchsäulen und fliehenden Menschen. Rettungskräfte brachten Verletzte auf Tragen zu Krankenwagen. Kliniksprecher berichteten von Opfern, denen durch die Explosionen Gliedmaßen abgerissen worden seien. Auch in den Krankenhäusern hätten Amputationen vorgenommen werden müssen.
Die Angaben über die Zahl der Verletzten gingen auseinander. Während offiziell nur vage von über 100 die Rede war, berichtet der Sender CNN von mindestens 144 Verletzten, 17 davon in Lebensgefahr. Nach Berichten mehrerer mehrere Medien wurden auch mindestens acht Kinder verletzt. Kurz nach den Explosionen schalteten die Sicherheitskräfte vorübergehend das Mobilfunknetz in Boston ab, um mögliche Fernzündungen weiterer Sprengsätze zu verhindern. Auch der Luftraum über der 625.000 Einwohner-Stadt wurde zwischenzeitlich aus Sicherheitsgründen gesperrt.
Als sich die Explosionen ereigneten, hatten die ersten Läufer bereits Stunden zuvor die Ziellinie überquert. „Ich hörte zwei sehr laute Explosionen“, berichtete ein Augenzeuge. „Ich sah auch sehr, sehr schwere Verletzungen.“ Auf Fotos vom Tatort waren blutende Verletzte zu sehen. „Es war das reine Chaos“, sagte Chad Wells dem Sender CNN. Er hatte mit seinem Sohn den Zieleinlauf seiner Frau verfolgt, als die Bomben explodierten.
Nach den Anschlägen wurden die Sicherheitsvorkehrungen an „strategisch wichtigen“ Orten in anderen größeren amerikansichen Städten verstärkt. Wie der Sender MSNBC berichtete, wurde in der Hauptstadt Washington der Abschnitt der Pennsylvania Avenue vor dem Weißen Haus für Fußgänger gesperrt. Auch in New York gebe es verstärkte Schutz- und Kontrollmaßnahmen, etwa für U-Bahn-Stationen.
Zudem wurden auch auf den amerikanischen Flughäfen die Kontrollen verschärft. Das gelte insbesondere für internationale Flüge, hieß es. Die amerikanischen Flaggen über dem Kongressgebäude in Washington wehten nach dem Anschlag auf halbmast. Das ordnete Parlamentspräsident John Boehner an. „Das ist ein schrecklicher Tag für alle Amerikaner“, schrieb er in einer Mitteilung.
Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 finden Marathonläufe und andere große Sportveranstaltungen in den Vereinigten Staaten unter strengsten Sicherheitsmaßnahmen statt. Der Boston Marathon gehört zu den populärsten Rennen an der amerikanischen Ostküste. Jedes Jahr nehmen daran tausende Menschen teil.
In diesem Jahr war die letzte Meile des Boston-Marathons den Opfern des Amoklaufs von Newtown gewidmet. Das hatten die Veranstalter amerikanischen Medienberichten zufolge vor dem Marathon bekanntgegeben. Angehörige der Opfer aus Newtown (Connecticut), wo im Dezember in einer Grundschule 20 Kinder und 6 ihrer Betreuer erschossen worden waren, sollen an dieser Stelle unter den Zuschauern gewesen sein. Ob auch sie verletzt wurden, war zunächst nicht bekannt.
Die deutsche Marathonläuferin Sabrina Mockenhaupt aus dem Siegerland sagte: „Unglaublich. Unfassbar. Ich bin total geschockt.“ Sie sei schon nach dem Rennen im Hotel 200 Meter vom Explosionsort entfernt unter der Dusche gewesen. „Als ich wieder zurück in die Hotellobby kam, war plötzlich alles anders“, sagte die 32 Jahre alte Läferin der „WAZ-Mediengruppe“. „Ich sehe nur sehr viele Verletzte, dazu Polizei und viel Helfer. Wir müssen hier im Hotel bleiben.“