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Tötung Bin Ladins : Der mysteriöse Überläufer

Zunächst sah es also so aus, als würde aus der Enthüllung über die Umstände der Tötung Usama Bin Ladins eher die Geschichte über einen alternden Enthüllungsjournalisten, der den Bezug zur Realität verloren hatte. Bekräftigt wurde dieser Eindruck noch von einem Interview Hershs mit dem Online-Magazin „Slate“, in dem er neben der häufigen Verwendung des F-Wortes vor allem zu sagen schien, dass sein Name ausreiche, um der Geschichte Glaubwürdigkeit zu verleihen.

In einem zentralen Aspekt bekam Hersh dann am Mittwoch aber doch Rückendeckung von gut informierter Seite: Carlotta Gall, langjährige Reporterin der „New York Times“ für Pakistan und Afghanistan, schrieb, dass auch sie von glaubwürdiger Seite erfahren habe, „dass es tatsächlich ein pakistanischer Armeeoffizier war... der der CIA sagte, wo sich Bin Ladin versteckte“. Diese Information habe sie aber bislang nicht veröffentlicht, weil sie kaum zu überprüfen gewesen sei, so Gall. Hersh hatte geschrieben, ein Überläufer aus dem pakistanischen Geheimdienst habe sich im August 2010 in der amerikanischen Botschaft in Islamabad gemeldet und gegen ein Kopfgeld in Millionenhöhe und eine neue Identität in Washington den Aufenthaltsort Bin Ladins preisgegeben. Damit widersprach er der offiziellen Darstellung Washingtons, wonach die CIA Bin Ladin in jahrelanger mühevoller Geheimdienstarbeit aufgespürt hatte.

Was wusste der pakistanische Geheimdienst?

Neben Carlotta Gall berichteten nun weitere Medien über die Existenz eines pakistanischen Überläufers. Im Sender NBC hieß es zunächst, zwei Geheimdienstquellen hätten bestätigt, dass er die CIA zu dem Haus in Abbottabad geführt habe – korrigierte sich aber später dahingehend, dass der Überläufer nur eine von vielen Quellen gewesen sei, die Washington auf die Spur des Al-Qaida-Führers gebracht hätten. Die pakistanische Zeitung „The News“ gab sogar den Namen des vermeintlichen Überläufers an: Usman Khalid.

Sollte dies stimmen, dann würde dies auch belegen, dass zumindest Teile des pakistanischen Geheimdienstes über den Aufenthaltsort Bin Ladins Bescheid wussten. Das ist zwar oft vermutet worden, zumal es merkwürdig schien, dass Bin Ladin sich nur einen Kilometer von der wichtigsten Militärakademie des Landes einquartieren sollte. Beweise gab es dafür aber bislang nicht. Carlotta Gall berichtet in ihrem Buch „The Wrong Enemy“, eine pakistanische Quelle habe ihr erzählt, Amerika lägen Beweise – vermutlich Telefonmitschnitte – vor, dass Geheimdienstchef Pasha gewusst habe, wo sich Bin Ladin aufhalte. Zudem habe es im ISI eine geheime Sondereinheit gegeben, die für das Versteck Bin Ladins zuständig gewesen sei. Mit Blick auf Hershs Informationen über einen Überläufer schrieb sie nun von einer „extrem wichtigen Entwicklung“.

Auch wenn ein Großteil der Thesen Hershs sich kaum nachprüfen lässt und wenig glaubwürdig erscheint, so hat er doch die größte Debatte über die Umstände der Tötung Bin Ladins seit 2011 in Gang gesetzt. Das liegt wohl auch daran, dass Washington und Islamabad es vermieden haben, Widersprüche und Lücken in der Darstellung dieser Umstände aufzuklären. Neue Recherchen über den pakistanischen Überläufer könnten nun weitere Informationen zutage fördern.

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