https://www.faz.net/-gq5-77gg0

Tod von Hugo Chávez : Das Ende eines selbstinszenierten Mythos

  • -Aktualisiert am

Wangenmal eines religionsartigen Kultes: Eine Anhängerin des verstorbenen „Commandante“ Bild: AFP

Hugo Chávez hat sein Land autokratisch regiert und geführt. Doch seine politischen Erben sind zerstritten. Die Zukunft Venezuelas ist nach seinem Tod mehr als ungewiss.

          6 Min.

          Es war eine gespenstische Stimmung, als der geschäftsführende venezolanische Vizepräsident Nicolás Maduro vor dem fast vollständigen Kabinett und Mitgliedern der Streitkräfte eine lange Rede hielt, in der er mehrfach von einer feindlichen „Verschwörung gegen das Vaterland“ sprach und wie zum Beweis dafür ankündigte, dass zwei Attachés der amerikanischen Botschaft ausgewiesen würden, weil sie Pläne zur Destabilisierung des Landes gehegt hätten. Mit versteinerten Mienen vernahmen seine Zuhörer aus seinem Mund auch noch die These, dass die schwere Krebserkrankung, an der Präsident Hugo Chávez seit Mitte 2011 litt, ihm von fremden Mächten „eingeimpft“ worden sei. Zu diesem Zeitpunkt musste Maduro darüber informiert gewesen sein, dass Chávez nur noch kurze Zeit zu leben hatte. Drei Stunden später trat er wieder vor die Fernsehkameras und gab das Ableben des Präsidenten bekannt.

          Aus den Mutmaßungen Maduros sprach die ganze Hilflosigkeit der Hinterbliebenen, die nun das „bolivarische Erbe“ verwalten sollen. In schwierigen Situationen hatte auch Chávez immer wieder Komplotte und die Gefahr einer Intervention von außen beschworen, um seine Gefolgschaft zu einen und bei der Stange zu halten. Maduro und die anderen Regierungsmitglieder hatten die Illusion aufrechterhalten, dass Chávez das Land bis zuletzt vom Sterbebett aus regiert habe. Nun lässt sich nicht mehr vertuschen, dass die chavistische Erbengemeinschaft, allen Einigungsappellen zum Trotz, zerstritten ist. Sie muss auch ihre Anhängerschaft vor dem Auseinanderfallen bewahren. Nichts ist dabei nützlicher als ein klares Feindbild. Nur so lässt sich der Auftritt Maduros in der Todesstunde des Präsidenten erklären.

          Schillerndste und einflussreichste politische Gestalt

          Chávez hat zwar, kurz bevor er im Dezember zu seiner vierten Krebsoperation nach Kuba flog, Maduro als seinen Wunschkandidaten bei Neuwahlen empfohlen. Doch hat er weder ihn noch andere zu Lebzeiten als Nachfolger aufgebaut. „El Comandante“ hatte in den 13 Jahren, in denen er Venezuela regierte, seine Herrschaft zu einem autokratischen System ausgebaut, in dem kein Platz für andere war. „Es gibt nur einen Comandante“, hatten seine Vasallen auch dann noch gebetsmühlenartig wiederholt, als Chávez durch die Krankheit seiner wichtigsten Gabe beraubt war: seiner mitreißenden Redekraft.

          An den Kondolenzbotschaften der Präsidenten aus allen Weltteilen ist abzulesen, wie groß die Lücke ist, welche die schillerndste und einflussreichste politische Gestalt Lateinamerikas hinterlässt. Dies spüren nicht nur die Profiteure seiner Politik, sondern auch diejenigen, die sich an ihm abgearbeitet haben. Chávez hinterlasse „eine Leere im Herzen, in der Geschichte und in den Kämpfen in der Region“, schrieb die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff. Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos, mit dem Chávez anfänglich verfeindet war, sich später aber mit ihm aussöhnte, rühmte seine „Hingabe und seinen grenzenlosen Einsatz“ im Friedensprozess Kolumbiens mit der Guerrilla.

          Weitere Themen

          Mundschutzpflicht in Supermärkten nicht nötig Video-Seite öffnen

          Robert Koch Institut : Mundschutzpflicht in Supermärkten nicht nötig

          Lothar Wieler sieht derzeit keine Notwendigkeit für eine Mundschutzpflicht beim Einkaufen. Eine solche Pflicht existiert bereits in Österreich. Für Infizierte könne ein Mundschutz dagegen sinnvoll sein, so der RKI-Präsident.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.