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Syrien : Italien und Türkei verstärken Militärpräsenz

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Ein türkischer Posten an der Grenze zu Syrien. Bild: AP

An der Grenze zu Syrien treffen die Staaten Vorkehrungen für die Folgen eines möglichen Militärschlags der Amerikaner gegen das Assad-Regime. In Europa steht derweil ein Verhandlungsmarathon zur Lage in Syrien bevor.

          Angesichts eines zunehmend wahrscheinlicher werdenden Luftschlags der Amerikaner gegen das Assad-Regime haben Italien und die Türkei militärische Einheiten vor die Levante und an die syrische Grenze in Marsch gesetzt.

          Wie italienische Medien am Donnerstag berichteten, haben zwei Kriegsschiffe der Marina Militare Kurs Richtung Levante genommen. Der Zerstörer „Andrea Doria“ und die Fregatte „Maestrale“ sollen italienische Soldaten schützen, die im Libanon stationiert sind. Das Land stellt dort mit 1174 Soldaten das größte Kontingent der Interimstruppe der Vereinten Nationen (Unifil). Rom, heißt es, befürchte Vergeltungsangriffe der mit Assad verbündeten Hizbullah, die im Stationierungsgebiet der Unifil im Süden des Landes als mächtigster Akteur gilt.

          Bundeswehr sieht keinen Handlungsbedarf

          Nördlich der syrischen Grenze zieht derweil auch die Türkei Truppen zusammen, um sich auf eine mögliche Eskalation der Gewalt vorzubereiten. Der Fernsehsender NTV berichtete am Donnerstag, die türkische Armee verlege zusätzliche Einheiten mit gepanzerten Fahrzeugen an zwei Abschnitte bei Kilis und Yayladag, nördlich und westlich der umkämpften syrischen Städte Aleppo und Idlib. Bereits in den vergangenen Tagen hatte die türkische Armee ihre Verteidigungsstellungen an der 900 Kilometer langen Grenze mit Syrien verstärkt. Unter anderem wurden Flugabwehrsysteme in  Stellung gebracht. 

          Das Verteidigungsministerium in Berlin sieht trotz der angespannten Sicherheitslage bislang keinen Grund dafür, Anpassungen für die in der Region stationierten Bundeswehreinheiten vorzunehmen. Ein Ministeriums sagte dieser Zeitung, die Einheiten befänden sich rund um die Uhr im Einsatz. Knapp 300 Soldaten sind augenblicklich im Rahmen der Luftabwehr-Mission Actice Fence im türkischen Kahramanmaras eingesetzt . Sie sollen die Region um die Stadt vor möglichen Raketenangriffen aus Syrien schützen. Weitere 150 Soldaten beteiligen sich am maritimen Anteil der Unifil. Nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam befänden sich augenblicklich die meisten Soldaten des deutschen Kontingents auf Zypern. Kaum eine Handvoll sei im Land verblieben, heißt es, um die Angehörigen der libanesischen Soldaten weiter zu schulen. Das Risiko für sie gilt als gering, da die sich überwiegend im Hafen von Beirut und der nördlich gelegenen christlich-maronitisch dominierten Stadt Jounieh bewegen.

          Gespräche in Sankt Petersburg und Vilnius

          In Europa stehen zur Syrien-Krise in den kommenden Tagen an mehreren Orten Gespräche zur Syrien-Krise bevor. Auf dem an diesem Donnerstagnachmittag beginnenden G-20-Gipfel in Sankt Petersburg ist die Lage in der Region zwar kein offizielles Thema, es wird jedoch erwartet, dass der Konflikt die Agenda der bilateralen Gespräche bestimmen wird. Am Freitag werden die 28 EU-Außenminister in Vilnius zusammentreffen, um nach einer gemeinsamen Linie im Syrien-Konflikt zu suchen.

          Die Diskussion soll am Samstag fortgesetzt werden. Dann soll auch der amerikanische Außenminister John Kerry zum Treffen seiner EU-Amtskollegen in der litauischen Hauptstadt hinzustoßen.  Frankreich hat den Vereinigten Staaten bereits Unterstützung für einen Militäreinsatz zugesagt. Die britische Regierung, ebenfalls zu militärischem Eingreifen bereit, wurde vom Unterhaus gestoppt. Die meisten anderen EU-Regierungen haben bisher erklärt, sie wollten keine Militäraktion und hofften weiterhin auf eine politische Lösung.

          Nach jüngsten Zahlen des ZDF-Politbarometers, die am Donnerstag veröffentlicht wurden, sind in Deutschland 70 Prozent der Befragten gegen einen Militäreinsatz; 22 Prozent befürworten eine militärische Antwort. Acht Prozent sind unentschlossen. Gleichzeitig erwarten aber 65 Prozent aller Befragten, dass es demnächst zu einem Eingreifen Amerikas in Syrien kommen wird.

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