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Streit um Impfung : Mit Masern in den amerikanischen Wahlkampf

  • -Aktualisiert am

Eine amerikanische Kinderärztin impft einen vierjähriges Mädchen im Miami gegen Masern Bild: AFP

Der Masernausbruch hat dem amerikanischen Vorwahlkampf ein scheinbar bizarres Thema beschert. Während Präsident Obama Eltern zum Impfen ihrer Kinder aufruft, schüren Republikaner Ängste.

          Über große politische Richtungsfragen wird dieser Tage in Washington in diskutiert, seit Präsident Barack Obama die Republikaner mit einem Vier-Billionen-Dollar-Etatentwurf voller Umverteilungsideen herausgefordert hat. Doch die spektakulärsten politischen Manöver vollzogen zwei mutmaßliche Präsidentschaftskandidaten der Republikaner auf einem vermeintlichen Nebenschauplatz.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          New Jerseys Gouverneur Chris Christie mischte die Debatte über den Masernausbruch, der im kalifornischen Disneyland begonnen hat, mit dem Satz auf, dass „Eltern ein gewisses Maß an Wahl“ haben müssten, wenn es um Impfungen gehe. Rasch schob das Büro des Gouverneurs eine Erklärung nach, in der es hieß, dass Kinder „gegen Krankheiten wie Masern ohne Frage geimpft werden sollten“.

          Kaum hatten die Kommentatoren begonnen, sich den Kopf zu zerbrechen, ob Christies Äußerung unüberlegt oder - als Wink an den erzkonservativen, staatsskeptischen Teil der Parteibasis - taktisch motiviert war, stahl ihm ein Rivale mit einer noch halsbrecherischen Kurve die Show.

          Rand Paul, der Wert darauf legt, nicht nur ein ehrgeiziger Senator, sondern auch praktizierender Augenarzt zu sein, sang am Montag ebenfalls ein Loblied auf die Entscheidungshoheit der Eltern und fügte an: „Ich habe von vielen tragischen Fällen gehört, wo laufende, sprechende, normale Kinder nach Impfungen plötzlich tiefgreifende geistige Störungen haben.“

          Wie Christie hatte sich auch Paul grundsätzlich für Impfungen ausgesprochen, aber nach heftiger Kritik musste auch er seine Position am Dienstagabend räumen: Nie habe er gesagt, dass Impfungen Störungen verursachten, behauptete er nun. Er habe nur darauf hingewiesen, dass davon zeitweise die Rede gewesen sei.

          Impfskepsis weit verbreitet

          Es ist nicht das erste Mal, dass aufstrebende Politiker Mühe haben, zwischen dem Rat der Ärzte, der zunehmenden Medizin-Skepsis im linksliberalen Milieu und der Abneigung konservativer Amerikaner gegen staatliche Bevormundung ihren Weg zu finden. Schon im Wahlkampf 2008 hatten sich sowohl Barack Obama als auch der Republikaner John McCain die Zweifel der Impfskeptiker zu eigen gemacht.

          Zwei Jahre später widerrief aber eine medizinische Fachzeitschrift ihren 1998 veröffentlichten, längst diskreditierten Bericht über einen angeblichen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus; der Autor verlor seine ärztliche Zulassung.

          Obama hat als Präsident die Zweifel für beseitigt erklärt. Seine mutmaßliche Möchtegernnachfolgerin Hillary Clinton kommentierte die republikanische Rückruderregatta hämisch auf Twitter: „Die Wissenschaft sagt eindeutig: Die Erde ist rund, der Himmel ist blau, und Impfen funktioniert.“

          Darüber herrschte am Mittwoch, als 102 Fälle von Masern in 14 Bundesstaaten gezählt wurden, politische Einigkeit. Ein prominenter Republikaner nach dem anderen bekannte sich zum Impfen. Die Partei hat kein Interesse, ihren Kandidaten das Navigieren zwischen wissenschaftlichen Fakten und den konservativen „Wahrheiten“ einer nicht unbedeutenden Wählergruppe noch komplizierter zu machen.

          Erst vor wenigen Tagen hat die „New York Times“ eine Studie veröffentlicht, laut der auch die meisten Republikaner-Anhänger Schritte gegen den Klimawandel erwarteten und nichts von Politikern hielten, die jeden Zusammenhang zwischen dem CO2-Ausstoß und der Erderwärmung für unbewiesen erklären - doch das gehört bei vielen Republikaner-Kandidaten zum Repertoire. Auch der Streit, wie Schülern die Evolution gelehrt wird, bringt manchen konservativen Kandidaten in Nöte.

          In allen Bundesstaaten sind Impfungen gegen Krankheiten wie Masern spätestens für Kindergartenkinder Pflicht. Fast überall aber können Eltern unter Berufung auf religiöse Überzeugungen ihre Kinder ungeimpft lassen; viele Staaten erkennen auch „philosophische Einwände“ an.

          In seltener Einigkeit appellierten am Dienstag sowohl das Weiße Haus als auch die republikanischen Kongressführer an den „gesunden Menschenverstand“ der Amerikaner, wollten aber kein neues Gesetz - dass ein solches die skeptischen Amerikaner zum Umdenken bringen könnte, glaubt niemand.

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