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Strategie des IS : „Monat der Leiden für die Ungläubigen“

Der Nachtclub Pulse war Ort der schlimmsten Attacke auf amerikanischem Boden seit dem elften September. Bild: AP

Die neue Strategie des „Islamischen Staats“ scheint in Orlando und Paris auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Die Terrormiliz will nicht mehr, dass Kämpfer nach Syrien reisen, sondern im Westen Anschläge begehen und sich auf ihn berufen.

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          Omar Mateen war der amerikanischen Bundespolizei FBI schon 2013 als islamistischer Extremist aufgefallen, als der „Islamische Staat“ (IS) noch nicht mit seinen Eroberungszügen im Irak und in Syrien Aufsehen erregt hatte. Der Anführer der Dschihadisten, Abu Bakr al Bagdadi, ernannte sich erst 2014 zum Kalifen. Dennoch wurde Mateen in einem IS-Radiosender nun als „Soldat des Kalifats“ glorifiziert, und auch er selbst hatte sich gegenüber der Polizei als IS-Anhänger bezeichnet. Dass der Schütze von Orlando ein glühender Verehrer Bagdadis war, gilt als gesichert. Und das Blutbad dürfte die Befürchtungen nähren, die Terrorfahnder und Dschihadismusfachleute schon länger hegen: dass sich durch die jüngsten Aufrufe und Anschläge des IS ein Ermächtigungsgefühl ausbreitet, das immer mehr Extremisten zu Terrorakten verleitet – auch Einzeltäter.

          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Der IS-Sprecher Abu Muhammad al Adnani hatte Anhänger der Terrororganisation Ende Mai in einer Propagandabotschaft aufgerufen, „überall“ Anschläge zu verüben. Der islamische Fastenmonat Ramadan, der vergangene Woche begonnen hat, solle zu einem „Monat der Leiden für die Ungläubigen“ werden. „Wir wenden uns insbesondere an Soldaten und Unterstützer des Kalifats in Europa und Amerika“, sagte er und fuhr fort: „Die kleinste Tat, die ihr in ihren Ländern verübt, ist besser und bleibender für uns als das, was ihr tätet, wenn ihr hier bei uns wärt.“

          Adnanis Aufruf scheint auch eine Reaktion auf den zunehmenden militärischen Druck zu sein, mit dem der IS in seinem Herrschaftsgebiet konfrontiert ist. Die Luftangriffe der amerikanisch geführten Koalition und die Verbündeten Washingtons am Boden setzen dem IS in Syrien und dem Irak zu. Seine Geldreserven schrumpfen, ebenso das Terrain, das er kontrolliert. Mit dem schwindenden Sold und den Niederlagen auf dem Schlachtfeld scheint auch die Moral der IS-Kämpfer abzunehmen. Es mehren sich die Berichte über Desertionen ausländischer IS-Kämpfer in Syrien.

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