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Vereinigte Staaten : Obama will nach Massaker schärfere Waffengesetze

  • Aktualisiert am

Barack Obama Bild: Reuters

Neun Menschen soll der inzwischen gefasste Dylann R. in einer Kirche in South Carolina erschossen haben. Präsident Barack Obama stellt die Frage, warum „diese Form der Gewalt in anderen entwickelten Ländern nicht vorkommt“.

          3 Min.

          Nach dem Massaker mit neun Toten in einer afroamerikanischen Kirche in Charleston hat der amerikanische Präsident Barack Obama eine Verschärfung der Waffengesetze gefordert. „Abermals sind unschuldige Menschen getötet worden, unter anderem weil jemand, der Schaden anrichten wollte, keine Schwierigkeiten hatte, eine Schusswaffe in die Hand zu bekommen“, sagte Obama im Weißen Haus. Die Vereinigten Staaten müssten sich ernsthaft damit auseinandersetzen, dass „diese Form der massenhaften Gewalt in anderen entwickelten Ländern nicht vorkommt“.

          Inzwischen hat die amerikanische Polizei den mutmaßlichen Schützen gefasst. Der 21 Jahre alte Dylann R. sei rund 20 Stunden nach der Tat in der Kleinstadt Shelby im Bundesstaat North Carolina bei einer Verkehrskontrolle festgenommen worden, sagte Charlestons Polizeichef Greg Mullen. Shelby liegt ungefähr 400 Kilometer vom Tatort entfernt.

          Der weiße, knapp 1,80 Meter große Angreifer soll am Mittwochabend in der Emanuel African Methodist Episcopal Church in Charleston im Bundesstaat South Carolina das Feuer auf Gläubige eröffnet haben. Die Polizei geht von einem rassistischen Verbrechen aus. Das Justizministerium und die Bundespolizei FBI haben Ermittlungen wegen eines sogenannten Hassverbrechens eingeleitet.

          Charleston in South Carolina : Mutmaßlicher Schütze nach Massaker in Kirche gefasst

          Die Schüsse während des Bibelunterrichts seien ein „tragisches, abscheuliches Verbrechen“, sagte Polizeichef Mullen. Charlestons Bürgermeister Joe Riley nannte den mutmaßlichen Schützen bei der Pressekonferenz einen „schrecklichen Menschen“, der Gläubige in einem Gotteshaus beim Gebet ermordet habe. „Nun ist er in Haft, wo er für immer bleiben wird“, sagte Riley. Die republikanische Gouverneurin von South Carolina, Nikki Haley, sagte, das Verbrechen habe „das Herz und die Seele“ ihres Bundesstaates gebrochen. „Das ist ein sehr, sehr trauriger Tag für South Carolina“, sagte sie mit Tränen in den Augen.

          Ein Mann, der zuvor wegen seiner Ähnlichkeit mit dem Schützen von der Polizei befragt worden war, wurde wieder freigelassen. Wie der Fotograf Austin Rich berichtete, habe er in der Nähe des Tatorts mit Zeugen gesprochen, als die Beamten ihn mitnahmen. Sie hätten ihn wegen seines grauen T-Shirts, seiner schwarzen Hose und seiner Schuhe in ein Hotel mitgenommen und dort befragt. Auf dem Sozialen Netzwerk Facebook teilte er danach mit, dass die Polizisten ihn ordentlich behandelt hätten und er verstehe, dass sie nur ihre Arbeit getan hätten.

          Fahndungsfoto aus einer Überwachungskamera: Es zeigt den mutmaßlichen Täter. Bilderstrecke
          Fahndungsfoto aus einer Überwachungskamera: Es zeigt den mutmaßlichen Täter. :

          Der Schütze hatte am Mittwochabend in der Emanuel African Methodist Episcopal Church in Charleston ein Massaker angerichtet. Die Polizei teilte mit, der Täter habe offenbar eine Stunde lang den Gottesdienst verfolgt, bevor er anfing zu schießen. Eine Überlebende des Massakers berichtete, der Mann sei aufgestanden und habe das Feuer eröffnet. Zu ihr habe er gesagt, er lasse sie am Leben, damit sie anschließend erzählen könne, was geschehen sei.

          „Ein Verbrechen aus Hass“

          Acht Personen starben noch am Tatort, ein Frau im Krankenhaus. Ein weiteres Opfer liege schwer verletzt im Hospital, sagte der Polizeichef. „Dies ist eine Tragödie, die keine Kommune erleiden sollte. Es war bisher unvorstellbar, dass jemand in einer Kirche eine solche Tat verüben könnte“, sagte Mullen weiter.

          Ähnlich äußerte sich Charlestons Bürgermeister Joseph P. Riley: „Der einzige Grund dafür, dass jemand in eine Kirche geht und Leute erschießt, ist Hass.“ Riley nannte die Tat unfassbar und herzzerbrechend. Drei der Toten seien Männer, sechs Frauen. Weitere Einzelheiten zu den Opfern wurden zunächst nicht bekannt. Nach Berichten von Augenzeugen soll aber auch der Pfarrer der Gemeinde und Regionalparlamentsabgeordnete Clementa Pinckney unter den Todesopfern sein. Pinckney war 1996 ins Repräsentantenhaus von South Carolina gewählt worden und war seit 2000 Senator. Nach Angaben in seinem Online-Profil war Pinckney der jüngste schwarze Amerikaner, der je in die Legislative von South Carolina gewählt worden war. Bei seiner Wahl zum Abgeordneten war er erst 23 Jahre alt.

          Die Afrikanisch-methodistische Episkopalkirche in Charleston ist die älteste ihrer Konfession in den Südstaaten. In der 130.000 Einwohner zählenden Stadt in South Carolina ist sie als „Mutter Emanuel“ bekannt. Die Kirche hat ihre Ursprünge in der örtlichen Methodistenbewegung des späten 18. Jahrhunderts und wird hauptsächlich von schwarzen Gläubigen besucht.

          Die Tat fügt der zuletzt in den Vereinigten Staaten ohnehin intensiv geführten Rassismusdebatte einen weiteren, besonders schweren Fall von Gewalt gegen Schwarze hinzu. South Carolinas Gouverneurin Nikki Haley sagte nach dem Angriff, sie bete für die Opfer dieser „unfassbaren  Tat“. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Jeb Bush schrieb beim Kurznachrichtendienst Twitter, seine „Gedanken und Gebete“ seien bei den Opfern und Hinterbliebenen in Charleston. Ähnlich und ebenfalls bei Twitter äußerte sich die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, die den Menschen in Charleston ebenfalls ihre „Gedanken und Gebete“ zukommen ließ.

          Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den tödlichen Angriff scharf. Der Generalsekretär drücke den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und hoffe, dass die Verantwortlichen für den „hasserfüllten Gewaltakt“ schnell zur Rechenschaft gezogen würden.

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