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Secret Service : Eine Frau im geheimen Dienst

  • -Aktualisiert am

Julia Pierson bei ihrer Ernennung zur Direktorin des Secret Service Bild: AP

Seit der Gründung des „Secret Service“ steht zum ersten Mal eine Frau an dessen Spitze. Julia Pierson ist schon lange die ranghöchste Frau im Dienst zum Schutz des amerikanischen Präsidenten.

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          Die Ernennung von Julia Pierson zur Direktorin des „Secret Service“ dürfte eine der besten Personalentscheidungen sein, die Präsident Obama in seiner zweiten Amtszeit bisher getroffen hat. Im Kongress wurde der Schritt einhellig begrüßt, und auch in der Öffentlichkeit ist nur Zustimmung zu hören. Der Dienst wurde 1865 von Präsident Abraham Lincoln kurz vor dessen Ermordung zum Kampf gegen die im Bürgerkrieg florierende Geldfälscherei gegründet. Seit dem Attentat auf Präsident William McKinley 1901 sind die Agenten des „Secret Service“ vor allem für den Schutz des Staatsoberhauptes zuständig. Dass erstmals eine Frau an der Spitze steht, ist überfällig gewesen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Zu den wichtigsten Aufgaben der neuen Direktorin, deren Nominierung nicht vom Senat bestätigt werden muss, gehört die Überwindung der Macho-Kultur im „Secret Service“. Dass die überwiegend männlichen Leibwächter meist gut trainiert sind und selbst bei Regenwetter Sonnenbrillen tragen, ist nicht das Problem. Wenn sie sich aber - wie beim Sex-Skandal vor dem Amerika-Gipfel in Cartagena in Kolumbien vom April 2012 - beim Einsatz im Ausland mit Prostituierten und zu viel Alkohol vergnügen, dann gefährden sie die Sicherheit der höchsten Volksvertreter der Vereinigten Staaten - statt sie zu garantieren. Mehrere Agenten wurden wegen schweren Fehlverhaltens in Cartagena entlassen.

          „Vorzüglich qualifiziert“

          Neben dem Personenschutz für den Präsidenten und dessen Familie, für weitere ranghohe Politiker sowie für Staatsgäste gehört nach wie vor der Kampf gegen Geldfälscher zu den Aufgaben des „Secret Service“. Frau Pierson wird an der Spitze einer Behörde mit 7000 Mitarbeitern, 150 Büros im ganzen Land und einem Jahresbudget von zuletzt 1,7 Milliarden Dollar stehen. Sie sei nach 30 Jahren Zugehörigkeit zum Dienst „vorzüglich qualifiziert“, die Führung des „Secret Service“ zu übernehmen, sagte Obama bei der Vorstellung seiner Kandidatin.

          Julia Pierson ist 53 Jahre alt und stammt aus Orlando in Zentralflorida. Als Schülerin verdiente sie sich ihr erstes Geld als Parkplatzanweiserin und im Kostüm von Zeichentrickfilm-Figuren bei „Disney World“. Nach dem Abschluss ihres Studiums arbeitete sie zunächst bei der Polizei ihrer Heimatstadt. 1983 stieß sie zum „Secret Service“, war in den Büros des Dienstes in Miami und in Orlando tätig. Nach ihrem Wechsel nach Washington war sie als Personenschützerin für die Präsidenten George H. W. Bush, Bill Clinton und George W. Bush im Einsatz. 2008 wurde sie zur Stabschefin von Direktor Mark Sullivan ernannt, dessen Nachfolge sie jetzt antritt. Schon in dieser Position war sie die ranghöchste Frau beim „Secret Service“. Sullivan überstand den Skandal von Cartagena im vergangenen Jahr zwar, ging aber im Februar frühzeitig in den Ruhestand. In einem Interview sagte Frau Pierson 2007, der „Secret Service“ brauche „Persönlichkeiten oberster Güte“, die unter Zeitdruck gleichzeitig verschiedenste Aufgaben bewältigen müssen. Kaum jemand könne sich vorstellen, wie viel Aufwand und Vorbereitung etwa ein Präsidentenbesuch im Ausland erfordere: „Wir sind ein kleiner Dienst mit einer großen Mission.“

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