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Amerika : Wieder tödliche Polizeigewalt gegen Schwarze

  • Aktualisiert am

Bild: AP

Im amerikanischen Bundesstaat Ohio ist ein Schwarzer bei einer Kontrolle von einem weißen Polizisten erschossen worden. Kurz zuvor starb eine schwarze Frau unter ungeklärten Umständen in Untersuchungshaft in Texas.

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          In Amerika ist es abermals zu unklaren Todesfällen von Schwarzen in Polizeigewahrsam beziehungsweise bei Polizeikontrollen gekommen: In Ohio wurde ein 43 Jahre alter Schwarzer von einem weißen Polizisten erschossen, nachdem er bei der Kontrolle mit dem Beamten des Sicherheitsdiensts der University of Cincinnati in einen Streit geraten war. Der Vater von 13 Kindern war offenbar angetrunken in einem Auto ohne vorderes Nummernschild unterwegs gewesen, als er angehalten wurde. Als der Polizist ihn aufforderte, aus dem Auto auszusteigen, kam es laut einem Bericht des Senders CNN vom Mittwoch zu einem Handgemenge. Der Polizist griff zur Waffe und schoss den offenbar unbewaffneten Mann in den Kopf. Die Polizei in Cincinnati nahm Ermittlungen auf.

          In Hempstead im texanischen Houston starb eine 28 Jahre alte Schwarze nach einer umstrittenen Festnahme unter ungeklärten Umständen in ihrer Zelle. Die Behörden veröffentlichten ein Polizeivideo der Verkehrskontrolle, bei der sie festgenommen worden war, weil sie beim Spurwechseln nicht geblinkt haben soll. In den Aufnahmen ist zu sehen, wie ein weißer Polizist und die schwarze Frau in einen lauten Streit geraten. Er fragt nach ihrem Führerschein, überprüft ihn an seinem Wagen, geht zurück zur Fahrerin.

          Als er sie auffordert, ihre Zigarette zu löschen, wird der Ton zwischen beiden schärfer. „Ich bin in meinem Auto. Warum muss ich meine Zigarette ausmachen?“, fragt Bland. Als sie sich weigert, ihr Auto zu verlassen, nimmt er einen Elektroschocker, holt sie aus dem Wagen und legt ihr Handschellen an. Sandra Bland fragt mehrmals nach dem Anlass ihrer Festnahme. Bland sei „aggressiv“ geworden, beschrieb der Polizist den Berichten zufolge später die Situation.

          Angehörige verlangen Autopsie

          In anderen Videobildern ist die Zelle zu sehen, in der sie dann einsaß. Gefängnismitarbeiter hatten sie dort in der vergangenen Woche erhängt aufgefunden. Die Polizei vermutet einen Suizid und beruft sich auf eine medizinische Untersuchung. Die Familie und deren Anwalt bezweifelten, dass Sandra Bland sich selbst getötet hat. Sie verlangen eine unabhängige Autopsie. Sie sei nach Texas gekommen, um an der Prairie View A&M Universität einen neuen Job zu beginnen. Das spreche gegen Suizidabsichten. Der zuständige Staatsanwalt kündigte an, die Untersuchung „so intensiv wie eine Mordermittlung“ zu führen.

          Polizeigewalt gegen unbewaffnete Afroamerikaner ist in den Vereinigten Staaten seit Monaten ein großes Thema. Im Internet wurde der Fall viel kommentiert – auch mit Blick auf die Frage, ob die Hautfarbe eine Rolle spielte. Die neuen Videobilder stammen von der sogenannten Dashcam im Polizeiauto. Ein Senator im Bundesstaat Texas, Royce West, bestätigte den Einsatz des Elektroschockers. Andere Teile der Festnahme, bei der angeblich auch andere Gewalt dabei war, sind nicht im Blick der Kamera.

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