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Morde in Baton Rouge : „Nichts rechtfertigt Gewalt gegen die Polizei“

Präsident Barack Obama: „Es hängt von uns ab, Angst und Misstrauen zu überwinden“ Bild: Reuters

Im amerikanischen Bundesstaat Louisiana sind Polizisten in einen Hinterhalt gelockt worden. Drei Beamte wurden erschossen, ein weiterer schwebt in Lebensgefahr. Präsident Obama ruft die Amerikaner zu Einigkeit auf.

          3 Min.

          Eineinhalb Wochen nach der tödlichen Attacke auf Polizisten in Dallas sind in den Vereinigten Staaten ein weiteres Mal Polizisten durch Schüsse getötet worden. In der Hauptstadt des amerikanischen Bundesstaates Louisiana, Baton Rouge, lockte ein Schütze die Polizisten in einen Hinterhalt und erschoss drei von ihnen. Drei weitere Polizisten sind verletzt, einer schwebt noch in in Lebensgefahr.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Polizeisprecher Jean McKneely sagte, der Täter sei von Einsatzkräften getötet worden. Er soll mit einem Sturmgewehr auf die Polizisten geschossen haben. Ursprünglich war die Polizei davon ausgegangen, dass der Angreifer wahrscheinlich zwei Komplizen hatte. Auf einer Pressekonferenz erklärte der Chef der Staatspolizei, Mike Edmonson, später aber: „Wir glauben, dass die Person, die auf die Polizisten geschossen und sie getötet hat, tot ist.“ Die Bevölkerung müsse nicht fürchten, dass es derzeit noch „aktive Schützen“ gebe. Das Alter der getöteten Polizisten gab er mit 32, 41 und 45 Jahren an.

          Präsident Barack Obama hat die Amerikaner in einer Reaktion auf die Tat zur Einigkeit aufgerufen. „Das ist schon zu oft geschehen“, sagte er am Sonntag. Das Motiv des Täters sei noch nicht klar, sagte Obama. „Wir als Nation müssen klar und deutlich sagen, dass nichts Gewalt gegen die Polizei rechtfertigt“. Zugleich rief er angesichts der vor den Nominierungsparteitagen der Republikaner und Demokraten aufgeheizten Stimmung im Land zur Mäßigung auf. „Es hängt von uns ab, Angst und Misstrauen zu überwinden“, betonte Obama.

          Anrufer meldeten martialisch gekleidete Bewaffnete

          Die Einsatzkräfte in Baton Rouge waren am Sonntag gegen neun Uhr morgens von Bürgern alarmiert worden. Diese hatten einen schwer bewaffneten, martialisch gekleideten Mann auf einer abgelegenen Straße gemeldet.

          Medienberichten zufolge stammte der mutmaßliche Täter aus Kansas City (Missouri) und beging die Tat genau an seinem 29. Geburtstag. Es soll sich um den 29 Jahre alten afroamerikanischen Irak-Veteranen Gavin Long handeln. Wie es weiter hieß, war Long früher in der Marineinfanterie und wurde 2010 ehrenhaft aus dem Militär entlassen. Nach Angaben des Senders CNN soll er Interesse an Verschwörungstheorien gezeigt haben. Darauf deuteten Internet-Aktivitäten des Mannes hin.

          Polizisten sperren die Straße in Baton Rouge, nachdem dort mindestens drei Beamte erschossen wurden.

          Das Attentat von Baton Rouge ist das jüngste Ereignis eines Monats voller Gewalt und neu ausgebrochener Rassenkonflikte in den Vereinigten Staaten. In dem rund eine Autostunde von New Orleans entfernten Baton Rouge wurde seit Wochen gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstriert. Am 5. Juli hatten weiße Polizisten dort den Afroamerikaner Alton Sterling erschossen. Ein Video scheint zu belegen, dass der Mann zum Zeitpunkt der Schüsse reglos am Boden lag. Die Bevölkerung von Baton Rouge ist mehrheitlich afroamerikanisch.

          Sterlings Tod und andere Fälle hatten am 7. Juli Tausende Sympathisanten der Bewegung „Black Lives Matter“ in Dallas zu einem Protestmarsch inspiriert. Dabei eröffnete ein schwarzer Armeeveteran das Feuer auf mehrere weiße Polizisten. Er tötete fünf und verletzte elf weitere Personen und soll als Motiv einen Hass auf weiße Polizisten angegeben haben.

          Den Scharfschützen von Dallas hatte die Polizei nach unergiebigen Verhandlungen mit einer Roboterbombe getötet. Der Angriff auf die Polizisten hatte in Amerika eine Diskussion darüber angeregt, ob Präsident Barack Obama die Anliegen schwarzer Bürgerrechtler wichtiger nehme als die Sicherheit der Polizei.

          Einsatzkräfte sichern nach dem Schusswechsel eine Straße in Baton Rouge

          Obama lässt sich über die Vorfälle in Baton Rouge auf dem Laufenden halten und hat der Stadt alle nötige Unterstützung zugesagt. Er erklärte, Gewalt gegen Polizisten sei „durch nichts zu rechtfertigen“ und verurteilte den Angriff. „Wir kennen die Motive für diese Attacke noch nicht, aber ich will klarstellen: Es gibt keine Rechtfertigung für Gewalt gegen die Behörden. Keine“, sagte Obama. Mit Verweis auf den Heckenschützen von Dallas fügte er hinzu, zum zweiten Mal binnen zwei Wochen seien „Polizisten, die jeden Tag ihr Leben aufs Spiel setzen, um unseres zu schützen, in einem feigen und verwerflichen Angriff getötet worden, als sie ihre Arbeit taten“.

          Trump: „Unser Land ist außer Kontrolle“

          Der voraussichtliche Spitzenkandidat der Republikanische Partei, Donald Trump, reagierte auf das Attentat, indem er seine Forderung nach Recht und Ordnung unterstrich. Wie viele Polizeibeamten müssten noch sterben wegen des Mangels an politischer Führung, fragte Trump. „Jetzt erschießen unsere Bürger unsere eigenen Polizisten. Unser Land ist geteilt und außer Kontrolle“, twitterte der Politiker. Trumps Widersacherin Hillary Clinton hatte zunächst keine Stellungnahme abgegeben.               

          Der erneute Angriff auf Polizisten löst auch deshalb besondere Besorgnis aus, weil am Montag in Cleveland (Bundesstaat Ohio) der Parteitag der Republikaner beginnt. Dazu werden über 50.000 Menschen erwartet. Am Rande des Parteitages wird es wahrscheinlich zahlreiche Demonstrationen geben, daher soll die "Convention" unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden.

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