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Republikaner Rick Santorum : Anwalt der Arbeiter

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Enkel eines Grubenarbeiters: Bei der Ankündigung seiner Präsidentschaftskandidatur verwies Rick Santorum mit einem Stück Kohle in der Hand auf seine Wurzeln. Bild: Reuters

Beim letzten Mal landete er hinter Mitt Romney, nun bewirbt sich Rick Santorum wieder um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner. Er positioniert sich als Vertreter der kleinen Leute - und setzt darauf, dass sich ein Muster aus früheren Wahlen wiederholt.

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          In der einen Hand hielt er ein Stück Kohle, in der anderen die amerikanische Flagge. Als Rick Santorum am Mittwoch in einer alten Fabrikhalle im ländlichen Pennsylvania ankündigte, Präsident werden zu wollen, gab er zu verstehen, auf welche Wähler er zielt: die einfachen Arbeiter. Santorum stammt aus einer Familie von italienischen Einwanderern, sein Großvater arbeitete in Italien in einer Kohlemine – etwas, das Santorum während seiner politischen Karriere in Pennsylvania, dem „Coal State“ schlechthin, immer wieder erwähnte. Santorum arbeitete als Anwalt und Berater, bevor er 1990 in das Repräsentantenhaus und 1994 in den Senat gewählt wurde. 2006 schaffte er die Wiederwahl nicht.

          Schon bei der letzten Präsidentenwahl hatte sich Santorum für die republikanische Nominierung beworben. Er galt zu Beginn als Außenseiter, schlug sich aber überraschend gut und landete hinter Mitt Romney auf dem zweiten Platz. Daraus schöpft der frühere Senator Hoffnung: In der Geschichte der republikanischen Partei kam es schon öfter vor, dass sich der Zweitplatzierte im Nominierungskampf beim nächsten Anlauf durchsetzt. John McCain verlor 2000 das Rennen gegen George W. Bush, setzte sich aber 2008 durch. Romney, der damals gegen McCain unterlag, wurde 2012 nominiert.

          Es waren schon 2012 die Arbeiter und die Konservativen unter den Republikanern, bei denen Santorum besonders viele Stimmen holte. Auch am Mittwoch, bei der Ankündigung seiner Kandidatur, gab er sich als Anwalt der kleinen Leute. „Die arbeitenden Familien brauchen nicht noch einen Präsidenten, der sich der großen Regierung und dem großen Geld verbunden fühlt“, sagte er. Es war eine Kritik an Hillary Clinton, der Favoritin der Demokraten, aber es war auch eine Abgrenzung gegenüber seinen republikanischen Mitbewerbern, die ihm an Spendengeldern deutlich überlegen sein dürften.

          Die außenpolitische Strategie von Präsident Barack Obama kritisierte Santorum als zu lasch. Die Vereinigten Staaten müssten gegen die im Irak und in Syrien erfolgreiche Dschihadistenorganisation „Islamischer Staat“ viel härter vorgehen. „Wenn diese Typen eine Islam-Version des siebten Jahrhunderts zurückbringen wollen, dann ist meine Empfehlung, lasst uns unsere Bomber laden und sie ins siebte Jahrhundert zurückbomben.“

          Gerangel um sozialkonservative Wähler

          Sozialpolitisch gibt sich Santorum, der mit seiner Frau sieben Kinder hat, betont konservativ. Er hat sich öffentlich schon wiederholt gegen Homosexualität und Abtreibung ausgesprochen. „Als Präsident werde ich für den Grundsatz einstehen, dass jedes Leben zählt: das der Armen, der Behinderten und der Ungeborenen“, sagte er am Mittwoch. Bei den evangelikalen Christen war der 57 Jahre alte Katholik 2012 beliebt. Weiße Evangelikale stellen laut dem „Public Religion Research Institute“ 36 Prozent der Republikaner. In Iowa, dem so wichtigen ersten Vorwahlstaat, machten Evangelikale zuletzt rund 60 Prozent der Teilnehmer aus.

          Gerade auf diesem Feld ist die Konkurrenz unter den Republikanern aber groß. Bewerber wie Ted Cruz, Senator aus Texas, haben sich bereits früh als sozialkonservative Anwärter für die Nominierung inszeniert. In den Umfragen liegt Santorum abgeschlagen zurück, seine Werte schwanken zwischen zwei und drei Prozent. Aber Außenseiter, das war er schon 2012.

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