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Jeb Bush : Im Namen der Liebe

Familienbande: George W., George H.W. und Jeb Bush in der Präsidentschaftswahlnacht in Austin, Texas, im Jahr 2000 Bild: STEPHEN CROWLEY/The New York Tim

Jeb Bush, jüngster Spross der Bush-Dynastie, „prüft“ eine Präsidentschaftskandidatur. Aber kann sich unter den von der Tea Party aufgepeitschten Republikanern ein Moderater wie er durchsetzen?

          Jeb Bush sollte sagen, wo er ideologisch stehe. Er sei „a head-banging conservative“, antwortete der jüngere Bruder von George W. Bush: ein echter Hardcore-Konservativer. Das ist zwanzig Jahre her. Anderthalb Jahre zuvor hatte der Demokrat Bill Clinton Bushs Vater aus dem Weißen Haus vertrieben. Ein paar Monate danach konnte dieser es kaum fassen, dass Jeb, der Hoffnungsträger der Dynastie, die Gouverneurswahl in Florida verlor – am selben Abend, an dem sein älterer Bruder in Texas gewann. Doch beim zweiten Anlauf, 1998, wurde auch Jeb Bush Gouverneur.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Acht Jahre lang regierte er Florida. Fragen nach seiner ideologischen Verortung erübrigten sich rasch. Bushs Steuersenkungen kamen vor allem Wohlhabenden zugute. Er ließ das Strafmaß für Wiederholungstäter erhöhen und setzte ein (später vom Verfassungsgericht verworfenes) Gesetz durch, das verurteilten Todeskandidaten die Möglichkeiten zur Anfechtung beschnitt. Er sprach sich gegen Abtreibung und gegen die Homosexuellenehe aus. Zur Freude der Waffenlobby NRA unterschrieb Bush das „Stand your ground“-Gesetz, das die Bürger nicht mehr zum Rückzug verpflichtet, bevor sie sich mit Waffengewalt verteidigen.

          Verheiratet mit einer Mexikanerin

          Jeb Bush hat seine Haltung in diesen Fragen nicht verändert. Aber seit der Republikaner am Dienstag auf Facebook verkündete, dass er eine Kandidatur für die Präsidentschaft „aktiv prüfe“, beschäftigt viele Amerikaner vor allem eine Frage: Kann sich in der von der Tea Party aufgepeitschten Partei ein Moderater wie er die Nominierung sichern?

          Drei Dinge machen den belesensten der Bushs heute zu einem Kandidaten, dessen konservativer Leumund in Frage steht. Erstens hat er seiner Partei vorgeworfen, zu oft die Konfrontation mit den Demokraten und zu wenig nach Lösungen für Amerikas Probleme zu suchen. Zweitens hat Bush sich in jüngster Zeit für nichts so sehr eingesetzt wie für standardisierte Bildungstests, die für gleichwertige Abschlüsse an den Schulen aller fünfzig Staaten sorgen sollen. Parteirechte sehen darin Washingtons nächsten Versuch, den Bundesstaaten mit zentralstaatlichen Vorgaben die Luft abzuschnüren. Der dritte Grund ist der wichtigste: Für Jeb Bush erschöpft sich Einwanderungspolitik nicht in einem Wettbewerb, wer an der Grenze zu Mexiko den höchsten Zaun bauen lässt. Jeb Bush ist mit einer Mexikanerin verheiratet. Bis heute spricht Columba Bush nur holpriges Englisch. Die drei Kinder des Paars – von ihrem Großvater, dem 41. Präsidenten der Vereinigten Staaten, früher „die kleinen Braunen“ genannt – sprachen mit beiden Eltern zu Hause Spanisch.

          Jeb Bush war wahrlich nicht der einzige, der seiner Partei 2012 vorrechnete, dass die Republikaner dringend auf die sogenannten Hispanics zugehen müssten. Schon einige Wochen vor der Niederlage von Mitt Romney gegen den unpopulären Präsidenten Barack Obama sagte Jeb Bush, das sei eine „mathematische Frage“: „In vier Jahren wird Texas ein sogenannter blauer (demokratischer) Staat sein. Wenn Texas blau ist, wie schwer wird es uns dann fallen, den Präsidenten zu stellen?“ Dieser Analyse stimmen selbst viele jener Republikaner zu, die im Kongress jede Einwanderungsreform vereitelt haben. Doch auch diejenigen, die einer Kandidatur Jeb Bushs einiges abgewinnen können, erschraken heftig, als sie ihn im Frühjahr reden hörten. Der Grenzübertritt ohne Papiere sei zwar „illegal“, sagte der frühere Gouverneur da, aber nach seiner Meinung „keine Straftat“, sondern eher „ein Akt der Liebe“: Es kämen Menschen, die besser für ihre Familie sorgen wollten.

          Konkurrenz aus der moderaten Ecke

          Bushs Facebook-Eintrag ist noch nicht die Ankündigung einer Kandidatur. Es ist vor allem eine Botschaft an die Großspender, dass sie ihr Geld beisammen halten und nicht auf das falsche Pferd setzen sollen. Von den je nach Zählung zwölf bis zwanzig anderen Republikanern, die ihren Hut in den Ring zu werfen erwägen, geraten dadurch vor allem zwei Ehrgeizige unter Druck. Der mit 43 Jahren fast zwei Jahrzehnte jüngere Senator Marco Rubio, der auch dank Jeb Bushs Unterstützung 2010 zu Floridas Juniorsenator gewählt wurde, könnte es nun wesentlich schwerer haben, an Geld zu kommen. Rubio verlässt sich weitgehend auf dieselben Mäzene wie Bush. Zugleich bedeutete dessen Bewerbung, dass der kubanischstämmige Rubio nicht der Einzige wäre, der die Herzen der Latinos für die Konservativen gewinnen könnte.

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