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Muslime in Amerika : Nach Orlando wächst die Angst

Im Vergleich zu Muslimen in Frankreich, Deutschland oder Großbritannien gelten die Muslime in den Vereinigten Staaten als besser integriert. Klassische muslimisch geprägte Gettos sind hier selten. Bisher galt die Tatsache, dass die Muslime in einem Land mit vielen anderen Religionsgemeinschaften leben, als Faktor, der die Integration erleichtert. Knapp 48 Prozent der hiesigen Muslime haben laut einer Pew-Studie nur muslimische Freunde. Verglichen mit den Resultaten aus 39 Ländern, die Pew untersucht hat, ist das ein sehr niedriger Wert. Im Mittel sagen nämlich 95 Prozent der Muslime, sie hätten nur muslimische Freunde.

Doch die Integrationserfolge sind so divers wie die muslimischen Einwanderer- und Flüchtlingsgruppen. Viele zehntausend iranischstämmige Muslime haben sich in Kalifornien und speziell im Großraum Los Angeles niedergelassen und sind dort heimisch geworden. Als Erfolg gilt auch die Integration der Bosnier, die vor allem im Großraum von St. Louis eine neue Heimat gefunden haben. Gemischt ist das Urteil über die Somalier, die es nach Minneapolis verschlagen hat.

Regelmäßig Angriffe auf Muslime

Gemessen an der gesamten Bevölkerungszahl allerdings, handelt es sich um eine kleine Gruppe. Rund 2,75 Millionen Muslime leben in dem 330-Millionen-Einwohner-Land. Im Jahr 2050 werden Muslime nach Schätzungen des Pew-Instituts 2,1 Prozent der amerikanischen Bevölkerung ausmachen und damit den jüdischen Bevölkerungsanteil überschreiten.

Die von Islamisten verübten Attentate der vergangenen Jahre haben den Argwohn in der amerikanischen Bevölkerung gegenüber ihren muslimischen Mitbürgern verstärkt. Das jüngste Massaker in dem Schwulenclub „Pulse“ mit 49 Toten dürfte diese Entwicklung beschleunigen. Schon jetzt gibt es regelmäßig Angriffe auf Muslime.

Das Bridge-Zentrum an der Georgetown University in Washington registrierte von Ende März 2015 bis Ende März dieses Jahres 180 antimuslimische Attacken. Darunter sind Drohungen und Beleidigungen, Vandalismus in Moscheen und Friedhöfen, physische Gewalttaten, Schießereien, Bombenattentate und Morde gefasst. Fast ein Drittel dieser Anschläge (55) ereignete sich nach Angaben der Einrichtung im Dezember nach dem Attentat auf eine Weihnachtsfeier im kalifornischen San Bernardino.

Proteste gegen Moscheen

Lokale Spannungen entladen sich immer häufiger, wenn muslimische Gemeinden irgendwo in Amerika Immobilien kaufen und zu Moscheen umwidmen wollen. Sobald solche Pläne bekanntwerden, bilden sich Facebook-Gruppen mit Namen wie „Stop the Mosque“ (Stoppt die Moschee), und es kommt zu lokalen Protesten. Im texanischen Dallas tauchen vor einer Moschee der Black Muslims regelmäßig Protestgruppen auf, einige der Demonstranten tragen Waffen.

Die von der Verfassung verbürgte Religionsfreiheit gewährt den Bau von Moscheen grundsätzlich, wenn nicht schwerwiegende Gründe dagegen stehen. Tatsächlich spielen Moscheen zunehmend eine wichtige Rolle dabei, vor allem junge Männer vor der Radikalisierung zu bewahren. Sie organisieren nicht nur Solidaritätsveranstaltungen mit den Attentatsopfern von Orlando und San Bernardino, sie sprechen sich auch gegen die „gottlosen“ Terrororganisationen aus. Das FBI hat einigen exponierten Imamen inzwischen Polizeischutz angeboten, weil sie vom IS in Videobotschaften bedroht wurden.

Nach dem Massaker von Orlando wird aber auch immer häufiger danach gefragt, wie die muslimischen Prediger zur Homosexualität stehen. Nach einer Pew-Studie von 2011 ist eine Mehrheit der Muslime in den Vereinigten Staaten dagegen, dass Homosexuelle ihre Sexualität ausleben.

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