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Sexuelle Übergriffe beim Militär : Kommando Schuldspruch

  • -Aktualisiert am

Brigadegeneral Jeffrey Sinclair verlässt in Begleitung seiner Anwälte das Gerichtsgebäude Bild: REUTERS

Sexuelle Gewalt macht Amerikas Streitkräften zu schaffen. Der Prozess gegen einen Brigadegeneral sollte eine Wende bringen, doch er gerät zur Posse. Von Vergewaltigung ist auf einmal nicht mehr die Rede.

          Die Anwälte des Brigadegenerals halten eine Haftstrafe für übertrieben. Drei Jahre lang, so viel ist unbestritten, hatte Jeffrey Sinclair eine Affäre mit einer ihm unterstellten Soldatin geführt. „Ich machte sie glauben, dass ich meine Frau verlassen und wir eines Tages zusammen sein würden“, gab der 51 Jahre alte Familienvater am Montag auf dem Heeresstützpunkt Fort Bragg in North Carolina vor Gericht zu. „Das war nicht wahr.“ Er habe die heute 34 Jahre alte Soldatin dadurch schlecht behandelt und ihrem „Gemütszustand geschadet“. Doch seine Anwälte fordern Milde. Schließlich, so sagten sie am Dienstag, seien derlei Fehltritte im zivilen Leben gar nicht strafbar. Eine unehrenhafte Entlassung in niedrigerem Rang, also mit deutlich verminderten Pensionsansprüchen, sei Strafe genug.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Oberst James Pohl, der zuständige Richter, muss dieser Argumentation nicht folgen. Immerhin hat sich Sinclair jetzt in weiteren Anklagepunkten schuldig bekannt: Er missachtete die Anordnung eines Kommandeurs, mit der Soldatin gar nicht mehr zu sprechen. Er äußerte sich abschätzig über Frauen in den Streitkräften. Und er benutzte seine dienstliche Kreditkarte für Privates. Doch wie sich der Richter auch entscheiden mag – vom ersten Vergewaltigungsverfahren gegen einen General ist wenig übriggeblieben. Das gellende Signal der Entschlossenheit, das sich Politiker und Militärs bis hoch zu Oberbefehlshaber Obama aus Fort Bragg zu erhoffen schienen, verkümmert zu einem krächzenden Seufzer. Denn das Opfer hat sich in Widersprüche verwickelt.

          Sinclairs langjährige Geliebte bleibt bei ihrer Version: Im Verlauf der Affäre, die im Irak begann und sich in Afghanistan fortsetzte, habe der General sie „für Sex benutzt“. In Deutschland sei er in einem parkenden Auto über sie hergefallen, in Arizona auf dem offen einsehbaren Balkon eines Hotels. Zweimal habe er sie zum Oralsex gezwungen. „Ich weiß, dass ich mich dem nicht zu entwinden versucht habe“, sagte sie aus, „aber ich wollte es nicht machen.“ Sinclair habe außerdem gedroht, sie und ihre Familie umzubringen, sollte sie Kontakt zu seiner Ehefrau aufnehmen. Die Ankläger glaubten der Soldatin, die im Rang eines Hauptmanns steht. Die E-Mails und Tagebucheinträge, in denen sie sich verliebt in den General zeigte, hinderten den Kommandeur von Fort Bragg nicht daran, ein Militärtribunal einzuberufen. Erst später legte die Zeugin der Anklage auch noch ein Mobiltelefon mit einschlägigen Kurznachrichten vor und sagte aus, sie habe es gerade erst wiedergefunden. Sinclairs Anwälte, die der General für viel Geld zusätzlich zu dem ihm zur Seite gestellten Militärjuristen engagiert hatte, leisteten ganze Arbeit. Eine von ihnen erwirkte Überprüfung ergab, dass das angeblich verschollene Telefon schon Wochen vor dem Tag bedient worden war, an dem die Zeugin es wiedergefunden haben wollte. Sie war nicht mehr glaubwürdig.

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