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Prozess gegen Bradley Manning : Ein Leck fürs Leben

  • -Aktualisiert am

Bradley Manning wird in den Gerichtssaal geführt Bild: AP

Nach dem Schuldspruch von Wikileaks-Informant Bradley Manning fordern dessen Ankläger 60 Jahre Gefängnis, um Nachahmer abzuschrecken. Vorige Woche hat Manning seine Taten öffentlich bereut.

          Bradley Mannings Verteidiger hatte historische Fotos mitgebracht. Indem er an Dinge erinnerte, die seit 40 Jahren Weltgeschichte sind, wollte er veranschaulichen, was eine jahrzehntelange Haftstrafe bedeutet. Doch der Jurist hätte bis in die fünfziger Jahre zurückgehen müssen: 60 Jahre Gefängnis haben die Ankläger am Montag für den Heeresgefreiten Manning gefordert, der Anfang 2010 Hunderttausende als geheim klassifizierte Dokumente an die Internetplattform Wikileaks weitergab.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          „Sprechen Sie ein Urteil, das ihm ein Leben lässt“, appellierte der Anwalt David Combs an die Militärrichterin. Doch Oberst Denise Lind könnte noch über die Forderung der Anklage hinausgehen. Die Höchststrafe für die 20 Vergehen, deren Manning schuldig gesprochen worden ist, beträgt 90 Jahre Haft. Am meisten ins Gewicht fällt dabei die Verletzung von sechs Bestimmungen des Spionagegesetzes von 1917. Weil die Regierung aber darauf verzichtete, Manning der Kollaboration mit dem Feind zu bezichtigen, bleibt ihm die Todesstrafe auf jeden Fall erspart.

          Die Anklage beharrt allerdings darauf, dass eine harte Strafe schon deshalb für Manning angemessen sei, um Nachahmer abzuschrecken. „Abschreckung hat einen Wert“, sagte Hauptmann Joe Morrow. Das Gericht müsse ein „starkes Signal“ an alle Soldaten aussenden, die vielleicht erwägen, unbefugt Geheiminformationen weiterzugeben, von denen Amerikas nationale Sicherheit abhänge. Manning habe seinen Eid gebrochen, den Vereinigten Staaten zu dienen und sie zu beschützen. Das sei ein „ernstes Verbrechen“, bekräftigte der Militärstaatsanwalt und fügte hinzu: „Er hat die Vereinigten Staaten betrogen, und für diesen Betrug verdient er, den Großteil seiner verbleibenden Lebenszeit in Haft zu verbringen.“

          Ein idealistischer „Humanist“

          Manning hatte vorige Woche öffentlich Reue gezeigt für seine Taten. Er begreife selbst nicht, wie er habe glauben können, besser als die zuständigen Instanzen beurteilen zu können, wie die Welt zu verbessern sei, sagte er. Seine Verteidigung verfolgte drei Ziele: die Absichten des heute 25 Jahre alten Soldaten als lauter, die negativen Folgen für die nationale Sicherheit als gering und Mannings Persönlichkeit als gestört darzustellen.

          Der Gefreite war vor und nach seiner Verlegung in den Irak mehrmals auffällig geworden. Über seine gestörte sexuelle Identität setzte der Gefreite seinen Vorgesetzten schriftlich in Kenntnis. „In einer idealen Welt“, sagte dieser vor Gericht aus, hätte er den Gefreiten, der in einer Analyseeinheit am Computer arbeitete, womöglich zurückgeschickt. Angesichts der Personalengpässe im Irak wäre das aber nicht zu verantworten gewesen. „Nicht die Armee hat den Gefreiten Manning betrogen, der Gefreite Manning hat die Armee betrogen“, bekräftigte Ankläger Morrow. In vollem Bewusstsein seines Tuns habe er ein „unvollkommenes System ausgenutzt“, sagte der Hauptmann in Anspielung auf die Vielfalt der Dokumente, die der Gefreite unbemerkt auf Datenträgern speichern konnte.

          Kaum ins Detail gingen die Zeugen der Anklage, die aussagten, dass die Veröffentlichung vor allem von diplomatischen Depeschen amerikanische Geheimdienstmitarbeiter in Lebensgefahr gebracht und amerikanischen Interessen langfristig geschadet habe. Die Verteidigung forderte Richterin Lind auf, in Manning einen idealistischen „Humanisten“ zu sehen, der gegen die amerikanische Kriegführung protestieren wollte. „Sein größtes Verbrechen war, dass ihn das Sterben, das er sah, betroffen machte“, sagte der Anwalt, „und dass er damit nicht zurechtkam.“

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