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Brasilien : Massenproteste gegen Präsidentin Rousseff

  • Aktualisiert am

Bild: AP

Nach dem Korruptionsskandal um den brasilianischen Ölkonzern Petrobras demonstrieren in ganz Brasilien über eine Million Menschen gegen die Regierung. Sie fordern die Ablösung von Präsidentin Dilma Rousseff.

          Hunderttausende Menschen sind in ganz Brasilien auf die Straße gegangen, um gegen die Regierung von Präsidentin Dilma Rousseff zu protestieren. Die größte Menschenansammlung gab es in São Paulo. Dort sprach die Polizei am Sonntag auf ihrem offiziellen Twitter-Account zunächst von 580.000 Teilnehmern, wenig später sogar von einer Million Teilnehmern.

          In der Hauptstadt Brasília versammelten sich 45.000 Menschen, in Belo Horizonte, Goiás und anderen Städten waren es jeweils etwa 10.000 und in Rio 15.000 Demonstranten. In São Paulo, wo Rousseff und ihre linksorientierte Arbeiterpartei PT bei den Wahlen 2014 eine herbe Schlappe erlitten, zogen die Demonstranten über die zentrale Bankenmeile Avenida Paulista. Von größeren Zwischenfällen wurde zunächst nichts bekannt. Allein in Rio de Janeiro kam es am Rande der Proteste zu kleinen Rangeleien, als Regierungsgegner Anhänger der Präsidentin aus dem Demonstrationszug vertrieben.

          „Korruption – wie lange noch?“

          Die Erwartungen der Organisatoren, die in der größten Stadt Brasiliens mit etwa 200.000 Menschen gerechnet hatten, wurden bei weitem übertroffen. Viele Demonstranten kamen in gelb-grünen Nationaltrikots und hatten Nationalflaggen, Trillerpfeifen und Plakate dabei. Auf Schildern war zu lesen: „Dilma, Raus!“, „Korruption - wie lange noch?“, „Amtsenthebung für Rousseff!“.

          Die Oppositionspartei PSDB stützte die Proteste, aber nicht die Forderung nach einem Amtsenthebungsverfahren. Auch aus Salvador, Recife, Ribeirão Preto, und Manaus wurden Demos gemeldet. Selbst in New York, London und Sydney versammelten sich Hunderte Brasilianer, um zu protestieren.

          Viele Demonstranten kritisierten den massiven Korruptionsskandal beim staatlich kontrollierten Ölkonzern Petrobras. Das Unternehmen soll auch Schmiergelder an Politiker und Parteien, darunter auch Rousseffs Regierungspartei, gezahlt haben. Nach einem Beschluss des Obersten Gerichts wird nun gegen Dutzende Abgeordnete und Senatoren sowie ehemalige Minister aus der Regierungszeit von PT ermittelt.

          Erst am Freitag waren Tausende Gewerkschafter und Unterstützer der Regierung in mehreren Bundesstaaten auf die Straße gegangen, um Rousseff und dem Petrobras-Konzern den Rücken zu stärken. Die Regierung hatte die Gegenproteste vom Sonntag als legitim bezeichnet, aber vor Ausschreitungen gewarnt.

          Bei den Protesten 2013 war es zu nächtelangen Straßenschlachten zwischen Randalierern und der Polizei gekommen. Damals waren zwischenzeitlich landesweit eine Million Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Korruption, die hohen Kosten für die Fußball-WM 2014 sowie Missstände im Bildungs-, Gesundheits- und Transportwesen zu protestieren.

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