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„Prism“-Programm : Amerika nennt Beispiele für verhinderte Anschläge

  • Aktualisiert am

Die Amerikaner spähen mit dem „Prism“-Programm Internet- und Telefondaten aus Bild: REUTERS

Nach Kritik an der Überwachung von Internet- und Telefondaten nennt das amerikanische Präsidialamt Beispiele für verhinderte Anschläge. Laut einem Medienbericht sollen tausende amerikanische Firmen den Geheimdiensten zugearbeitet haben.

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          In der Affäre um das umstrittene Überwachungsprogramm der Geheimdienste geht die amerikanische Regierung in die Offensive. Das Präsidialamt verteidigte am Donnerstag das Ausspähen von Internet- und Telefon-Daten mit Erfolgen bei der Terrorabwehr.

          So habe das Programm 2009 in Chicago zur Festnahme eines Mannes geführt, der wegen der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen einen Bombenanschlag auf die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ habe verüben wollen.

          Auch hätten die gesammelten Daten dem Geheimdienst NSA im gleichen Jahr geholfen, einen Bombenanschlag auf das New Yorker U-Bahn-System zu verhindern. Das Präsidialamt kündigte an, dass bislang geheime Ermittlungsergebnisse öffentlich gemacht würden, um der Bevölkerung die Bedeutung des Überwachungsprogramms für die nationale Sicherheit zu demonstrieren.

          Stephan Mayer (CSU): Hinweise haben Anschläge in Deutschland verhindert

          Auch der innenpolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Stephan Mayer, verteidigte den amerikanischen Abhöreinsatz. „Es steht fest, dass Hinweise von amerikanischen Geheimdiensten dazu beigetragen haben, Terroranschläge in Deutschland rechtzeitig zu verhindern“, sagte er der „Bild“-Zeitung (Freitagausgabe).

          Die Sauerland-Gruppe, die 2007 beim Versuch aufflog, den Sprengstoff für Anschläge in Deutschland zusammenzumischen, habe nur durch einen Hinweis der NSA aufgespürt werden können. Die Zusammenarbeit der deutschen und der amerikanischen Geheimdienste müsse auch in Zukunft wirksam möglich sein.

          Größtes jemals bekanntgewordenes Ausspäh-Programm

          Die amerikanische Regierung ist im In- und Ausland in die Kritik geraten, nachdem bekanntwurde, dass die Sicherheitsbehörden im Rahmen eines Terrorabwehr-Programms mit dem Namen „Prism“ weltweit direkt auf unzählige Nutzerdaten von Internet-Konzernen wie Google und Facebook zugreifen.

          Es ist das wohl größte jemals bekanntgewordene Ausspäh-Programm. Massenhaft werden E-Mails, Fotos, Videos, Dokumente, Audio-Dateien kontrolliert. Außerdem werden in den Vereinigten Staaten Telefon-Daten von Millionen Amerikanern gesammelt.

          Medienbericht: Tausende amerikanische Firmen kooperieren

          Unterdessen nimmt die Daten-Affäre immer größere Ausmaße an. Laut einem neuen Medienbericht ist die Zusammenarbeit zwischen den amerikanischen Geheimdiensten und amerikanischen Unternehmen ist laut einem neuen Medienbericht noch breiter als es die jüngsten Enthüllungen vermuten ließen.

          Tausende Firmen versorgten die Geheimdienste mit Informationen und bekämen im Gegenzug Vorteile wie Zugang zu geheimen Spionage-Erkenntnissen, berichtete die Finanznachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Personen. Die Unternehmen gäben dabei Informationen wie Geräte-Spezifikationen weiter, um Kundendaten gehe es nicht. Mit solchem Wissen könnten die Geheimdienste zum Beispiel fremde Computer leichter ausspähen.

          Microsoft soll über Software-Schwachstellen berichtet haben

          An diesen Kooperationen beteiligten sich verschiedenste
          amerikanische Unternehmen wie Hersteller von Software und Geräten, Banken, Anbieter von Satelliten-Kommunikation und Spezialisten für
          Internet-Sicherheit, schrieb Bloomberg.

          So liefere der Windows-Riese Microsoft Geheimdiensten
          Informationen über Fehler in seiner Software, bevor die
          Schwachstellen mit Updates geschlossen werden. Ein Konzern-Sprecher
          sagte Bloomberg, solche Vorab-Hinweise sollten der Regierung einen
          Vorsprung für die Risiko-Einschätzung geben. Die Bloomberg-Quellen
          betonten zugleich, solche Unterstützung durch Microsoft und andere
          Unternehmen erlaube es den amerikanischen Diensten, Schwachstellen in Software auszunutzen, die an Regierungen anderer Länder verkauft werde.





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