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Wahlkampf : Oma auf Ochsentour

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Die Marianne der Amerikaner? Das Wahlkampfbüro Hillary Clintons in Arlington im Bundesland Virginia Bild: AP

Der Kampf um das Weiße Haus beginnt. Hillary Clinton will Präsidentin werden, das hat die frühere Außenministerin in einer Videobotschaft bekanntgegeben. Nun heißt die Devise Demut – als wäre es das erste Mal.

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          Der ewige Wettbewerb um die originellste Formulierung der Frage aller Fragen ist vorbei. Ob sie damit rechne, viel Zeit für ihre kleine Enkelin zu haben, haben sich Fans wie Fernsehmoderatoren ganz unschuldig bei Hillary Clinton erkundigt. Oder, nur nebenbei, ob sie manchmal die Polstermöbel in ihrer früheren Wohnung vermisse, der Residenz im Weißen Haus?

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für politische Nachrichten und Politik Online.

          Könnte sie es sich am Ende ihres siebten Lebensjahrzehnts gar vorstellen, einmal in einem Büro ohne Ecken zu arbeiten – vielleicht einem ovalen? Die Antworten fielen so charmant wie ausweichend aus, obwohl längst alle wussten, dass die frühere First Lady, Senatorin, Präsidentschaftsanwärterin und Außenministerin die Nachfolge Barack Obamas anstrebt. Mit einer kurzen Videobotschaft schuf Clinton am Sonntag Klarheit.

          „Amerika hat sich aus harten wirtschaftlichen Zeiten zurückgekämpft“, sagt Clinton in dem gut zweiminütigen Video, „aber noch immer haben die ganz oben bessere Karten“. Die Kandidatin verspricht, dass die Mittelklasse vom Aufschwung stärker profitiert. Sie wirbt auch für die Homosexuellenehe, die Berufstätigkeit von Müttern und umwirbt lateinamerikanische Einwanderer.

          Noch lange nicht vorüber ist die Phase, in der ihre berechnenden Berater und vermeintlichen Vertrauten Informationen über die Ziele und Strategien der Demokratin preisgeben. In dem Geraune tut es gut, sich am Zitat einer echten Instanz festhalten zu können. Bill Clinton gab in einem Interview mit der Zeitschrift „Town & Country“ Auskunft: „Ich halte es für wichtig, und Hillary tut das auch, dass sie die Sache so angeht, als hätte sie sich niemals zuvor um ein Amt beworben, und dass sie eine Verbindung zu den Wählern herstellt.“

          Also reist Hillary Clinton diese Woche zuerst nach Iowa, dem Agrarstaat im Mittleren Westen, dessen Bürger im Vorwahlkampf das erste Wort haben – und 2008 einem unbekannten Juniorsenator mit dem bizarren Namen Barack Obama den Vorzug gegenüber dem Weltstar Hillary Clinton gegeben hatten. Von diesem Schock hatte sich die Kandidatin damals nicht mehr erholt.

          „Wir sind demütig. Wir halten nichts für selbstverständlich“

          Anders als die Republikaner Ted Cruz und Rand Paul, die ihre Bewerbungen auf pompös inszenierten Großkundgebungen verkündeten und in Pressemitteilungen darauf hinzuweisen pflegen, dass zu ihren Auftritten mehr Anhänger kämen als in die Säle passten, plant Clinton Begegnungen mit Aktivisten in kleinerem Kreise. Die Frau, die sich bis vor kurzem für etwa eine Viertelmillion Dollar als Rednerin buchen ließ und voriges Jahr in den Hallen der Nation vor Tausenden zahlenden Gästen ihre Memoiren vermarktete, muss nicht mehr beweisen, dass sie die Massen anzuziehen vermag. Im Gegenteil.

          In einem internen Merkblatt für die Mitarbeiter der Kampagne hielt deren designierter Direktor Robby Mook fest: „Wir sind demütig. Wir halten nichts für selbstverständlich ... und kämpfen um jede Stimme. Wir wissen, dass diese Kampagne am Boden gewonnen wird, in den Staaten.“ Das ist die Lehre aus dem Jahr 2008. Damals kam Clinton mit dem „Hill-A-Copter“ angeflogen, überwältigte Freund und Feind mit einer von Anbeginn auf Übermacht gebürsteten Wahlkampftruppe – und hinterließ bei vielen Wählern den Eindruck, sie beanspruche das höchste Amt im Staate mehr, als dass sie sich darum bewürbe.

          Da dieses Mal ernsthafte Konkurrenz im eigenen Lager zu fehlen scheint, braucht Clintons Team viel Disziplin, um auf der Ochsentour den Anschein der Unausweichlichkeit zu vermeiden. Zumindest diejenigen republikanischen Konkurrenten, die nicht wie Jeb Bush mit zwei früheren Präsidenten verwandt sind, trichtern den Amerikanern täglich ein, Clinton sei eine alte, abgehobene Multimillionärin aus Manhattan, die ins Weiße Haus befördert werden wolle, weil sie glaube, an der Reihe zu sein.

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