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Polizistenmord in Dallas : Das Eingeständnis des Scheiterns

Ein Polizeiauto in Dallas wurde von den Bürgern als Zeichen der Anteilnahme mit Blumen geschmückt. Bild: dpa

Hoffnung auf Besserung in den Beziehungen zwischen schwarzen und weißen Amerikanern gibt es höchstens zaghaft. Bis heute wirkt das obszöne Erbe von Sklaverei und Rassendiskriminierung nach.

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          Die Worte über die Einheit Amerikas, die der amerikanische Präsident Obama nach den feigen Morden an fünf Polizisten im texanischen Dallas fand, klingen seltsam kraftlos. Sie muten wie die Beschwörung von etwas Abwesendem an und wirken dadurch wie das stille Eingeständnis eines Scheiterns des angeblich mächtigsten Mannes der Welt in der Abenddämmerung seiner Amtszeit.

          Natürlich ist Obama darin nicht zu widersprechen, dass die Tat eines „verrückten“ Einzeltäters wie die des schwarzen Afghanistan-Veteranen Micah Johnson, dessen Hass auf weiße Polizisten ihn zur Waffe greifen ließ, kein allgemeines Urteil über die schwarzen Bürger Amerikas erlaube. Diese Sicht dürfte von vielen Amerikanern geteilt werden, auch wenn sich der Boulevard nach der Bluttat schon in Bürgerkriegsphantasien erging. Aber was heißt das schon?

          Die Beziehungen des schwarzen zum weißen Amerika sind nach wie vor von Argwohn geprägt – wer will das den Schwarzen verdenken angesichts alltäglicher Schikanen und immer wieder tödlich endender Polizeigewalt. Wohl ist ihre Lage nicht mehr so albtraumhaft wie in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als Schwarze buchstäblich rechtlos waren und die Bürgerrechtsbewegung von Polizeikräften brutal niedergeknüppelt wurde. Bis heute wirkt aber das obszöne Erbe von Sklaverei und Rassendiskriminierung nach, die der düstere, gerne verleugnete Teil des amerikanischen Mythos’ von der leuchtenden Stadt auf dem Hügel sind.

          Dass die schändlichen Morde an den Polizisten nun zu einer Eskalation der Rassenspannungen führen werden, ist wohl nicht zu befürchten; dass diese eine kathartische Wirkung zeitigen und das Land zu der Einsicht bringen könnten, noch viel mehr in das von Obama so sehr erhoffte Miteinander zu investieren – wie dies die Polizei von Dallas ja schon getan hatte, was den Angriff umso perfider macht –, bleibt allenfalls zaghaft zu hoffen. Wenn nun nicht nur demokratische Politiker, die viele Schwarze hinter sich wissen, sondern auch Republikaner Verständnis für die ungleich schwereren Lebensbedingungen der Schwarzen erkennen lassen, ist das nicht mehr als ein kleiner Schritt. Und ob Donald Trump, der sein aufwieglerisches Talent in einem auch ideologisch aufgeheizten Land gerne an Minderheiten erprobt, sich lange so zahm gibt wie nach der jüngsten Gewalttat, ist kaum zu glauben.

          Richard Wagner
          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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