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Franziskus in Amerika : Wie der Papst, so der Präsident

  • Aktualisiert am

Bestens gelaunt: Papst Franziskus und Präsident Obama Bild: AP

Ob Klimawandel, Flüchtlinge oder Menschenrechte – bei seinem ersten Besuch in den Vereinigten Staaten sind sich Franziskus und Barack Obama in fast allem einig. Deutlicher wird der Papst gegenüber anderen.

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          Der Papst und Amerikas Präsident Barack Obama haben die Welt bei Franziskus’ erstem Besuch in den Vereinigten Staaten zum gemeinsamen Kampf gegen den Klimawandel aufgerufen. „Angesichts der Dringlichkeit bin ich der Überzeugung, dass der Klimawandel ein Problem ist, das nicht länger einer kommenden Generation überlassen werden darf“, sagte der Pontifex in seiner Ansprache bei der großen Willkommenszeremonie vor dem Weißen Haus am Mittwoch. Obama dankte dem Argentinier für seinen Einsatz und sagte, der Schutz der Erde sei eine „heilige Pflicht“.

          Allein 15.000 Menschen versammelten sich auf der Südseite des Weißen Hauses, um den Papst bei seinem ersten Besuch in Amerika willkommen zu heißen. In einer großen Zeremonie mit Militärparade und Musik wurde das Oberhaupt der katholischen Kirche empfangen. Danach winkten Obama und Franziskus der Menge gemeinsam mit First Lady Michelle Obama vom Balkon des Weißen Hauses zu, bevor sich die beiden Männer zu einem längeren privaten Gespräch ins Oval Office zurückzogen.

          „Moralische Verantwortung“

          Ein Thema war dort die „moralische Verantwortung“, Flüchtlinge aufzunehmen, wie das Weiße Haus mitteilte. Zudem ging es um die „historische Chance, extreme Armut zu beenden“, Versöhnung zwischen den Völkern, Menschenrechte und Religionsfreiheit - vor allem Themen, bei denen Obama und Franziskus eine gemeinsame Linie verfolgen.

          Der Pontifex sprach auch das Thema Einwanderung an, das ihm besonders am Herzen liegt. „Als Sohn einer Einwandererfamilie freut es mich, Gast zu sein in diesem Land, das großenteils von solchen Familien aufgebaut wurde“, sagte er. Der Papst erinnere die Menschen daran, dass Flüchtlingen aus Kriegsgebieten geholfen werden müsse, sagte Obama, und dankte Franziskus auch für seine „unbezahlbare Unterstützung“ beim diplomatischen Neuanfang mit Kuba.

          Das Treffen mit Obama bildete den Auftakt zum ersten vollen Besuchstag des Papstes in den Vereinigten Staaten. Anschließend fuhr er im offenen Wagen an der Parkpromenade National Mall entlang. Hunderttausende Menschen jubelten dem Papst zu und begrüßten ihn.

          Danach traf sich Franziskus mit den etwa 400 amerikanischen Bischöfen. Er lobte sie für ihren Einsatz gegen sexuellen Missbrauch und rief die Kirche auf, alles zu tun, „um sicherzustellen, dass sich solche Verbrechen niemals wiederholen“. Der jahrelange Missbrauch von Kindern hatte die katholische Kirche in Amerika schwer erschüttert.

          Rede vor dem Kongress

          Zum Abschluss des Tages feierte der 78-Jährige seine erste Messe in Nordamerika - und die erste Heiligsprechung überhaupt in dem Land. Der Papst sprach in der Basilika der unbefleckten Empfängnis den umstrittenen Franziskanerpater Junípero Serra heilig, der im 18. Jahrhundert das Christentum in Kalifornien verbreitet hatte.

          Seinen Besuch setzt der Papst am Donnerstag mit einer historischen Rede vor dem amerikanischen Kongress fort. Danach reist er zu den Vereinten Nationen nach New York und zum Weltfamilientag nach Philadelphia weiter. Am Sonntag fliegt der Papst zurück nach Rom.

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