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Obamas Kuba-Besuch : „Amerika glaubt an die Demokratie“

Barack Obama (links) und Raúl Castro: „Amerika glaubt an die Demokratie.“ Bild: AFP

Als Barack Obama zu seinem historischen Besuch in Kuba eintrifft, empfängt ihn zunächst nur der Außenminister. Bei der gemeinsamen Pressekonferenz ermuntert Obama Kubas Staatschef Castro zu mehr politischen Reformen.

          7 Min.

          Es regnet. Bald schüttet es, bald nieselt es, der Himmel bleibt wolkenverhangen. Den ganzen Montag über ist in Havanna kaum ein Sonnenstrahl zu sehen. Schon nach der Ankunft Barack Obamas und seiner Delegation mit dem Präsidentenflugzeug „Air Force One“ kamen auf dem José-Martí-Flughafen am Sonntagabend große schwarze Schirme zum Einsatz. Auch der kurze Spaziergang durch die pittoreske Altstadt und der Besuch der barocken Kathedrale, begleitet von Kardinal Jaime Ortega, waren verregnet. Am Montag, dem ersten vollen Tag der historischen Visite eines amerikanischen Präsidenten im kommunistischen Kuba, kam noch ein garstiger Wind dazu.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Also kein Kaiserwetter für den Präsidenten. Die Gastgeber hätten es nicht besser planen können: Man werde Obama „mit Respekt“ empfangen, hatten ranghohe Vertreter des kubanischen Regimes in der vergangenen Woche immer wieder bekräftigt. Von Enthusiasmus war keine Rede, von Sonnenschein auch nicht. Jubelnde Menschenmengen an den Straßen von Havanna, die Obama begeistert die Aufwartung machen? Fehlanzeige.

          Geschichte wird gemacht, auch im Regen: Barack Obama mit Frau Michelle bei der Besichtigung von Havannas Altstadt am Sonntag
          Geschichte wird gemacht, auch im Regen: Barack Obama mit Frau Michelle bei der Besichtigung von Havannas Altstadt am Sonntag : Bild: Reuters

          Bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Raúl Castro am Montag dann ermuntert Barack Obama Kubas Staatschef zu mehr politischen Reformen in dem sozialistischen Karibikstaat. „Amerika glaubt an die Demokratie“, so Obama. Dazu gehöre auch die Meinungsfreiheit.

          Auf spanisch sagte Obama angesichts des ersten Besuchs eines amerikanischen Präsidenten in Kuba seit 88 Jahren: „Es un nuveo día“ („Das ist ein neuer Tag“). Es werde nun ein neues Kapitel in den gemeinsamen Beziehungen aufgeschlagen. „Wir bewegen uns nach vorn und schauen nicht zurück.“ Er kündigte weitere Schritte für eine Annäherung der langjährigen Feinde an: So werde American Airlines noch in diesem Jahr Direktflüge von den Vereinigten Staaten nach Kuba aufnehmen. Castro setzt auf mehr Touristen – und damit eine Steigerung der Staatseinnahmen.

          Ansturm von Touristen

          Das Mangelwirtschaftsland Kuba, wo das offizielle Durchschnittseinkommen bei umgerechnet 18 Euro monatlich liegt, ist ein Land für elf Millionen Improvisationskünstler. Weil Ersatzteile für Gerätschaften, Materialien fürs Bauen, Lebensmittel in gleichbleibender Qualität für die Gastronomie und vieles andere fehlen, müssen zumal jene Kubaner improvisieren, die nur einen schlecht bezahlten

          Job als Staatsangestellte haben oder die das Wagnis eingegangen sind, sich als private Kleinunternehmer durchzuschlagen. Überhaupt erscheint Kuba mit seinem gemächlichen Alltagstempo, wo immer Zeit für einen Schwatz und eine Zigarre, für Musik und Tanz ist, wie ein sympathisch-chaotisches Paradies für Lebenskünstler. Und es ist genau dieses Image, dem Kuba seit dem Beginn der Annäherung zwischen Havanna und Washington vom Dezember 2014 den Ansturm von Touristen verdankt.

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