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Strategie gegen „Islamischen Staat“ : Obama: Wir bringen die Terroristen zur Strecke

  • -Aktualisiert am

Amerikas Präsident Barack Obama Bild: dpa

Barack Obama will die amerikanischen Luftangriffe gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ auf Syrien ausdehnen. Zudem kündigte er in seiner Fernsehansprache an, weitere Soldaten in den Irak zu schicken.

          5 Min.

          Der amerikanische Präsident Barack Obama hat entschieden, Stellungen des „Islamischen Staats“ auf beiden Seiten der syrisch-irakischen Grenze aus der Luft angreifen zu lassen. Das gehört nach Angaben hoher Regierungsvertreter zu seiner neuen Strategie. Obama gab in einer Fernsehansprache am Mittwochabend das Ziel aus, die Terrororganisation „zu schwächen und letztendlich zu zerstören“. Nach der von Washington seit langem geforderten Bildung einer alle Volksgruppen vertretenden Regierung in Bagdad könne er „verkünden, dass Amerika eine breite Koalition anführen wird, um diese terroristische Bedrohung zurückzudrängen“.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Obama führte aus: „Wir werden Terroristen, die unser Land bedrohen, zur Strecke bringen, wo auch immer sie sind. Das bedeutet, ich werde nicht zögern, gegen (den ,Islamischen Staat‘) in Syrien ebenso vorzugehen wie im Irak.“ Berater des Präsidenten ließen aber erkennen, dass Luftangriffe auf Ziele in Syrien nicht unmittelbar bevorstehen. Mit dem Pentagon werde an Optionen für Luftschläge gearbeitet. Weder zur Aufklärung und Identifizierung von Zielen noch zur Unterstützung von Kämpfern der syrischen Opposition sollen amerikanische Soldaten auf syrischem Boden eingesetzt werden.

          Weitere Soldaten in den Irak

          Doch schickt Obama weitere 475 Soldaten als Militärberater in den Irak, wo die Angriffe gegen den „Islamischen Staat“ von sofort an ausgeweitet werden. Damit sind bald wieder rund anderthalbtausend amerikanische Soldaten im Irak stationiert. Etwa die Hälfte von ihnen ist für den Schutz der amerikanischen Einrichtungen in Bagdad abgestellt. Die anderen knapp 750 Soldaten verteilen sich auf die im Juni eingerichteten Gemeinsamen Einsatzzentralen in Bagdad und der nordirakischen Stadt Arbil, beraten irakische Einheiten oder sind mit Aufklärungsaufgaben betraut.

          Obama hob hervor, dass die Amerikaner keinen Kampfauftrag hätten. Sein Plan sehe nicht vor, „dass amerikanische Kampftruppen auf ausländischem Boden kämpfen“. Vielmehr unterstütze Amerika „Kräfte unserer Partner am Boden“. Damit sei klar, dass sich „diese Bemühungen von den Kriegen im Irak und in Afghanistan unterscheiden“. Obama erinnerte die Amerikaner daran, dass er „140.000 amerikanische Soldaten aus dem Irak nach Hause geholt“ habe.

          Doch soll sich der Kampf gegen die Dschihadisten nicht mehr auf die beiden Ziele beschränken, die Obama am 7. August ausgegeben hatte: den Schutz amerikanischen Personals und die Verhinderung von Massenmorden etwa an religiösen Minderheiten. Von den 154 Luftangriffen, die Amerika nach Pentagon-Angaben seither geflogen hat, galten 108 dem Schutz der Staudämme von Mossul und Haditha. Bisher hatte Washington das damit gerechtfertigt, dass eine Sprengung der beiden Anlagen durch Terroristen Leib und Leben amerikanischer Militärberater und Diplomaten gefährden würde. Nun geht Obama ausdrücklich „in die Offensive“. Ein hoher Regierungsmitarbeiter sagte: „Wenn es ein lohnendes Ziel im Irak gibt, werden wir es treffen.“

          Unterstützung der syrischen Opposition

          Erstmals scheint das Weiße Haus nun große Energie in sein altes Vorhaben zu stecken, die sogenannte moderate syrische Opposition für ihren Kampf gegen die Dschihadisten und gegen das Regime von Präsident Baschar al Assad zu ertüchtigen. Der Präsident erhöhte am Mittwoch den Druck auf den Kongress, möglichst umgehend das Pentagon mit einer Ausbildungsmission für die Kämpfer zu betrauen. Vertreter beider Parteien zeigten sich aufgeschlossen. Im Mai hatte Obama verlangt, der Kongress solle dafür 500 Millionen Dollar freigeben.

          Zum Ärger vor allem einiger Republikaner hatte sich Obama bisher aber nicht stark für eine breitflächige Bewaffnung der „Freien Syrischen Armee“ eingesetzt, die seit mehr als einem Jahr verdeckt und in kleinem Maßstab von der CIA betrieben wird. Nun hat Washington aber Saudi-Arabien dazu gebracht, das Vorhaben zu unterstützen. Riad gibt nicht nur Geld, sondern erlaubt auch die Ausbildung der Kämpfer auf seinem Staatsgebiet. Zuletzt hatte das saudische Königshaus vor allem die in der „Islamischen Front“ zusammengeschlossenen islamistischen Rivalen des „Islamischen Staats“ in Syrien unterstützt. Berater Obamas zeigten sich zuversichtlich, dass die nun mit mehreren sunnitisch dominierten Staaten der Region vereinbarte Zusammenarbeit eine Gewähr dafür biete, dass nicht die falschen Kämpfer ausgebildet und ausgerüstet würden. Vertreter der meisten wichtigen Länder der Region treffen sich noch in dieser Woche in der saudischen Stadt Dschidda mit dem amerikanischen Außenminister John Kerry.

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