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Obama und die Ukraine-Krise : In zweiter Reihe

  • -Aktualisiert am

Obama will auf keinen Fall tiefer in den Konflikt hineingezogen werden Bild: REUTERS

Der amerikanische Präsident Obama hofft, dass die Eskalation in der Ukraine die Europäer dazu bringt, den Ernst ihrer Lage zu begreifen. Gegenüber Putin bleibt er selbst aber zurückhaltend.

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          Barack Obama führte am Donnerstag gerade ein äußerst unerquickliches Telefonat mit Wladimir Putin über Sanktionen, als der russische Präsident plötzlich einwarf, man berichte ihm soeben vom Abschuss eines Flugzeugs in der Ukraine. Zu diesem Zeitpunkt wusste der amerikanische Präsident noch nichts vom Schicksal der Passagiere auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur, und auch sein russischer Kollege wollte oder konnte keine näheren Angaben über das Flugzeug machen. Also fuhren die Staatsoberhäupter da fort, wo sie gewesen waren: Putin klagte darüber, dass Amerika am Mittwoch russische Banken und Energieunternehmen mit Finanzsanktionen belegt hatte, und Obama forderte Russland abermals zur Umkehr auf. Selbst als wenig später am Donnerstag Klarheit herrschte, was über den Weizenfeldern der Ostukraine explodiert war, flog der amerikanische Oberbefehlshaber wie geplant nach Wilmington im Staat Delaware, um in einer Rede die Erneuerung der Verkehrsinfrastruktur anzumahnen. In den knappen, vorgeschobenen Sätzen zu der Katastrophe in Europa sagte Obama, für seine Regierung sei es nun das Allerwichtigste, rasch herauszufinden, ob unter den Opfern Amerikaner seien.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Es ist vielleicht eine zynische, jedenfalls eine müßige Frage, wie das Weiße Haus reagiert hätte, wenn sich erste Meldungen bestätigt hätten und mehr als zwanzig amerikanische Passagiere ihr Leben verloren hätten. Offenbar war nur ein Mann mit amerikanischer (und zugleich niederländischer) Staatsangehörigkeit unter den Passagieren. Die hohe Zahl niederländischer und anderer europäischer Todesopfer ließ den amerikanischen Präsidenten 24 Stunden nach dem Abschuss folgern, nun sei deutlich geworden, „wieviel für Europa auf dem Spiel steht, nicht nur für das ukrainische Volk“. Der Abschuss der malaysischen Boeing werde „sicher ein Weckruf für Europa und die Welt sein, dass ein eskalierender Konflikt in der Ukraine Folgen hat; dass er nicht örtlich begrenzt, nicht eingedämmt sein wird“. Noch während der Pressekonferenz griff Obama wieder zu der seit Monaten strapazierten Formulierung von den „mit den europäischen Partnern eng abgestimmten“ Maßnahmen. Aber noch nie hatte Obama so deutlich in der Öffentlichkeit kundgetan, dass ihm die Europäer in der Auseinandersetzung mit dem Kreml bisher zu passiv geblieben sind.

          Republikaner werfen Obama Schwäche vor

          Schon als Anfang Mai die Bundeskanzlerin in Washington war, hatte Obama ihr im Oval Office klar zu verstehen gegeben: Ihr müsst das in die Hand nehmen. Doch vor allem in der letzten Sanktionsrunde blieb die EU hinter Washingtons Erwartungen zurück. Nach dem Abschuss des Passagierflugzeugs war Hillary Clinton eine der ersten, die mit dem Finger auf Berlin und Brüssel zeigte. Wenn sich der Verdacht auf eine russische Verwicklung bestätige, sagte die frühere Außenministerin und mögliche Präsidentschaftskandidatin schon am Donnerstag, seien zunächst die Europäer gefordert, den Kreml härter zu bestrafen. „Europa muss seine Sanktionen gegen Russland verschärfen, Alternativen zu russischen Energiequellen erschließen und enger mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten, um die Ukraine gegen die russische Aggression zu unterstützen“, forderte Clinton.

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