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Gewalt gegen Schwarze : Obama: Das ist ein amerikanisches Thema

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Schockiert von der Gewalt gegen Schwarze in Amerika: Präsident Barack Obama kurz vor dem Nato-Gipfel in Warschau. Bild: Reuters

Präsident Obama hat den Tod zweier Afro-Amerikaner durch Polizeikugeln scharf verurteilt. In einer emotionalen Rede wandte er sich an alle Amerikaner. Eine aktuelle Umfrage belegt die großen Unterschiede zwischen Schwarzen und Weißen.

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          Der Tod zweier Schwarzer durch Polizeikugeln ist nach Ansicht von Präsident Barack Obama ein Ereignis, das alle Amerikaner gleichermaßen angehen muss. „Wir erleben so etwas viel zu oft“, sagte Obama unmittelbar nach der Landung in Warschau, wo er in der Nacht zum Freitag zum Nato-Gipfel eintraf. Die beiden Männer waren binnen 48 Stunden in den Bundesstaaten Minnesota und Louisiana von Polizisten erschossen worden.

          „Das ist nicht nur ein Thema der Schwarzen“, sagte Obama. „Das ist ein amerikanisches Thema, um das wir alle uns kümmern sollten.“ Die Vereinigten Staaten hätten „Tragödien wie diese zu oft“ erlebt. Emotional zitierte Obama mehrere Statistiken, die die Benachteiligung von Afroamerikanern im Alltag belegen. „Menschen guten Willens können das besser“, sagte Obama. „Der Wandel passiert zu langsam. Wir müssen dem mehr Dringlichkeit verleihen.“

          Obama verwies darauf, dass das Weiße Haus in diesem Zusammenhang bereits im vergangenen Jahr eine Reihe von Reformen empfohlen habe. Diese sollten nun endlich landesweit umgesetzt werden. „Wenn etwas Gutes aus diesen Tragödien erwächst, ist es meine Hoffnung, dass Gemeinden im ganzen Land sich das anschauen und sagen ’wie können wir diese Empfehlungen umsetzen’“, fügte Obama hinzu.

          Der sichtbar berührte Präsident beschwor die Amerikaner, nach dem Geschehenen nicht in routinierte Reaktionsmuster zu verfallen, sondern innezuhalten. Den Angehörigen der beiden getöteten Afroamerikaner sprach er sein Mitgefühl aus.

          Der Präsident hatte sich zuvor in einem langen Beitrag auf Facebook geäußert. Ein eigenes Statement wie hier in Warschau zu einem solchen Thema ist ungewöhnlich, der Zeitpunkt ebenso.

          Minnesotas Gouverneur verurteilt Polizeieinsatz als Gewaltexzess

          Derweil hat der Gouverneur von Minnesota, Mark Dayton, den Beamten exzessive Gewaltanwendung vorgeworfen. Das gewaltsame Vorgehen der Polizisten sei „bei weitem übertrieben“ gewesen, sagte Dayton am Donnerstag. „Ich kann nicht sagen, wie schockiert ich bin und wie zutiefst, zutiefst verletzt, dass so etwas in Minnesota jemandem passiert, der wegen eines nicht funktionierenden Rücklichts angehalten wurde.“

          Zugleich legte der sichtlich bewegte Gouverneur nahe, dass das Vorgehen der Beamten rassistisch motiviert war. „Wäre das passiert, wenn diese Insassen, der Fahrer und die Passagiere, weiß gewesen wären?“, fragte der demokratische Politiker. „Ich glaube nicht, dass es passiert wäre.“ Der Vorfall zwinge ihn und alle in Minnesota, „sich damit auseinanderzusetzen, dass diese Art von Rassismus existiert“, fügte Dayton hinzu.

          Sterbenden Freund gefilmt

          Castiles Freundin Diamond Reynolds und ihre vierjährige Tochter waren bei dem Vorfall am Mittwoch in Falcon Heights ebenfalls in dem Auto gewesen. Reynolds filmte ihren sterbenden Freund, die Aufnahme wurde live im Internet übertragen. In dem Video ist Castile am Steuer zu sehen, während sich große Blutflecken auf seinem weißen Hemd ausbreiten.

          „Oh mein Gott, bitte sagt nicht, dass er tot ist, bitte sagt nicht, dass mein Freund gerade einfach so gegangen ist (...) Sie haben gerade vier Kugeln auf ihn abgefeuert, Sir“, ruft Castiles Freundin dem mutmaßlichen Polizeischützen zu. Laut Reynolds hatte ihr Freund, der in einer Schulcafeteria arbeitete, dem Polizisten gesagt, dass er legal eine Waffe dabei habe. Castile habe seinen Waffenschein und die Fahrzeugpapiere herausholen wollen, als der Polizist auf ihn geschossen habe.

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