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Obama in Alaska : Der Prophet reist zum Berg

  • -Aktualisiert am

Viel mehr als nur ein kolossaler Berg: Ohne den Denali würde Alaska ein Teil seiner Identität fehlen. Bild: AP

Obama wirbt in Alaska für den Klimaschutz, obwohl er Ölförderung in arktischen Gewässern erlaubt hat. Den Ureinwohnern macht er ein mächtiges Geschenk.

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          „Denken Sie einmal darüber nach“, forderte Barack Obama die Amerikaner auf. „Wenn ein anderes Land drohte, eine amerikanische Stadt auszulöschen, dann würden wir alles in unserer Macht tun, um uns zu schützen“, sagte der Präsident am Samstag in seiner Radioansprache. „Der Klimawandel bedroht uns genauso – jetzt.“ In diesen Tagen liefert Obama die Bilder zu seinem Appell nach. Am Montag begab er sich auf die fast zehnstündige Flugreise nach Alaska, wo er sein Land und die Welt ermahnen will, das Klima zu retten.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Noch am Montag wollte sich Obama an Vertreter aller Arktis-Anrainer wenden, die Amerika als amtierender Vorsitzender des Arktischen Rats zu einer Klimakonferenz nach Anchorage lud. An diesem Dienstag zieht sich der Präsident dann warm an und wandert auf dem abschmelzenden Exit-Gletscher. Am Mittwoch will er den Polarkreis überqueren und nach Kotzebue fliegen. Nie zuvor hat ein Präsident den amerikanischen Teil der Arktis besucht.

          Vier verknüpfte Zukunftsfragen lassen die Reise in den fernen Nordwesten geboten erscheinen – aber Obama möchte zweien ausweichen. Im Vordergrund steht für ihn der Anstieg des Meeresspiegels, der akut vier Inuit-Dörfer bedrohe, die rasch umgesiedelt werden müssten. Zweitens will der Präsident abermals mit symbolischen Gesten und konkreten Hilfen zeigen, dass er die Bedürfnisse der amerikanischen Ureinwohner ernst nehme. Ausklammern würde Obama dagegen am liebsten die dritte Frage: Inwieweit darf in Amerikas arktischen Gewässern nach Öl und Gas gebohrt werden?

          Allerdings wird der Präsident nicht umhin kommen, sich der Frage zu stellen. Denn erst vor zwei Wochen sah sich seine Regierung juristisch gezwungen, Shell die Ausbeutung von Öl- und Gasfeldern in der Tschuktschensee nördlich der Beringstraße zu erlauben. Das Genehmigungsverfahren hatte noch zur Regierungszeit des Republikaners George W. Bush begonnen. Viertens schließlich scheint Oberbefehlshaber Obama nicht vorzuhaben, eine robuste Antwort auf die teils aggressiven Ansprüche Russlands und anderer Anrainer zu geben, die große Gebiete der Arktis für sich reklamieren.

          Obama: „Weg von schmutzigen Energiequellen“

          Immerhin 72 Prozent der Amerikaner bezweifeln laut einer Umfrage des Pew Research Center nicht mehr, dass es für die Erderwärmung „solide Beweise“ gebe. Etwas weniger als die Hälfte dieser Bürger glaubt, dass der Klimawandel in erster Linie auf „menschliche Aktivitäten“ zurückgeht, während knapp ein Viertel vornehmlich die Natur am Werk sieht. Die Anhänger der Demokraten allerdings sind überwiegend vom menschengemachten Klimawandel überzeugt. Und Obama will als ein Präsident in die Geschichte eingehen, der den Kohlendioxidausstoß gedrosselt und die Welt zum Abschluss eines belastbaren Klimaschutzabkommens bewegt hat. Die Alaska-Reise soll die oft abstrakt-akademische Debatte erden. Hillary Clinton hat bereits angekündigt, als Präsidentin würde sie auf Obamas Klimaschutzdekreten aufbauen. Die Republikaner unterstellen den Demokraten einen „Krieg“ gegen fossile Brennstoffe.

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