https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/amerika/nsa-infiltrierte-nordkorea-lange-vor-sony-hackerangriff-13378640.html

Cyber-Angriffe : NSA infiltrierte Nordkorea lange vor dem Sony-Hack

  • Aktualisiert am

„Krieg der Hacker“: Barack Obama und Kim Jong-un auf dem Titelblatt eines Magazins, das Anfang Januar nach einer Cyber-Attacke auf den Unterhaltungskonzern Sony in Seoul erschienen ist Bild: AP

Nach einem Zeitungsbericht war der amerikanische Geheimdienst schon Jahre vor der Cyber-Attacke auf Sony in nordkoreanischen Computernetzen unterwegs. Den drohenden Angriff erkannte die NSA trotzdem nicht.

          1 Min.

          Der amerikanische Militärgeheimdienst NSA hat schon vor Jahren die Computer-Netzwerke Nordkoreas infiltriert und den bevorstehenden Cyber-Angriff auf Sony dennoch nicht erkannt. Das berichtet die „New York Times“ unter Berufung auf frühere amerikanische und ausländische Regierungsmitarbeiter, Computerfachleute und ein NSA-Dokument.

          Nordkoreas Computernetz gilt das unzugänglichste der Welt. Geschätzte 6000 Hacker arbeiten für das Regime in Pjöngjang. Gleichwohl ist es der National Security Agency laut dem Bericht der „New York Times“ schon im Jahr 2010 gelungen, in das Netz einzudringen. NSA-Mitarbeiter plazierten dort Schadsoftware und Schnüffelprogramme, die Aufschluss über den internen Datenverkehr gaben.

          Die Bedrohung nicht erkannt

          Zunächst soll es der NSA darum gegangen sein, Informationen über das Nuklearprogramm und die nordkoreanische Regierung zu gewinnen sowie Bedrohungen für amerikanische Truppen in Südkorea zu erkennen. Erst nach einem Hacker-Angriff auf südkoreanische Banken im Jahr 2013 lernten die Amerikaner, dass die Bedrohung aus Nordkorea größer war als bislang angenommen. Die Hacker aus dem Norden legten damals fast 50.000 Computer in Südkorea für mehrere Tage lahm. Dennoch entging der NSA später, dass die Nordkoreaner einen Angriff großen Maßstabs auf Sony vorbereiteten.

          Er begann mit sogenannten Phishing-E-Mails an Sony-Mitarbeiter, mit denen Schadsoftware auf die Rechner aufgespielt werden sollte. Weil solche Angriffsversuche immer wieder vorkommen, erschienen sie den Amerikanern damals nicht als ungewöhnlich. Erst im Nachhinein, so die „New York Times“, sei ihnen klar geworden, dass die Angreifer die Zugangsdaten eines Systemadministrators erbeutet hatten, die es ihnen erlaubten, sich frei im Firmennetzwerk zu bewegen. Die Angreifer waren umsichtig vorgegangen und hatten ihre wahre Identität verhüllt. Allerdings hielten sie das nicht immer konsequent durch, ihre zeitweilige „Schlampigkeit“ wurde ihnen zum Verhängnis.

          Den Urheber einer Cyber-Attacke ausfindig zu machen, ist für gewöhnlich ein kompliziertes und langwieriges Unterfangen. Deshalb zweifelten Fachleute, als sich die amerikanischen Behörden recht schnell auf die These festlegten, dass Nordkorea hinter dem Sony-Hack steckt. Aber die Amerikaner waren sich so sicher, dass Präsident Barack Obama öffentlich das Regime in Pjöngjang anklagte. Die NSA hatte den Angriff auf Sony zwar nicht vorhergesehen. Aber weil sie das nordkoreanische Netz seit langem infiltriert hatte, konnte sie zumindest schnell die Urheber finden.

          The Interview : Amerika verhängt Sanktionen gegen Nordkorea

          Weitere Themen

          Fährmann am großen Strom

          Niedrigwasser : Fährmann am großen Strom

          Seit den sechziger Jahren betreibt Familie Maul das Fährgeschäft am Rhein. Doch inzwischen ist am Fluss nichts mehr, wie es war. Niedrigwasserphasen wie gerade werden immer häufiger – und sie sind eine Bedrohung.

          Taliban lösen Demonstration für Frauenrechte auf

          Afghanistan : Taliban lösen Demonstration für Frauenrechte auf

          Kurz vor dem Jahrestag ihrer Machtübernahme haben die Taliban in Kabul eine Demonstration für Frauenrechte mit Schüssen in die Luft aufgelöst. Unicef teilt mit, dass über eine Million Kinder lebensgefährlich mangelernährt seien.

          Topmeldungen

          Videokonferenz zwischen Joe Biden und Xi Jinping im November 2021.

          China und Amerika : Ist ein Krieg noch zu vermeiden?

          Ob und wie sich der Wettkampf der Systeme kontrollieren lässt, wird öffentlich bislang kaum debattiert. Der Weckruf des ehemaligen australischen Premierministers Kevin Rudd ist angesichts der Taiwankrise aktuell wie nie.
          Anshu Jan in seiner aktiven Zeit bei Deutschlands führendem Kreditinstitut

          Früherer Deutsche-Bank-Chef : Anshu Jain mit 59 Jahren gestorben

          Nach fast fünf Jahren verliert Anshu Jain den Kampf gegen den Krebs, wie seine Familie berichtet. In seiner Zeit in der Deutschen Bank hat der zwischenzeitliche Co-Vorstandsvorsitzende die Kultur des Instituts stark geprägt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.