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Nach Ultimatum an Assad : Sechs mal zehn Minuten Hoffnung

Im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit: Das Kapitol in Washington, Sitz des amerikanischen Kongresses Bild: AP

Hat ein Patzer seines Außenministers Obama einen Weg aus der Syrien-Falle eröffnet? Die russische Initiative, die Kerry ins Spiel brachte, entlastet den Präsidenten. Dabei kann sich kaum jemand vorstellen, dass Assad wirklich seine Giftgas-Depots leert.

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          Susan Rice erscheint zwanzig Minuten zu spät. Hat die Nationale Sicherheitsberaterin gerade noch erfahren, was der Präsident wenige Stunden später in sechs Fernsehinterviews sagen wird? Oder ahnt sie lediglich, dass Barack Obama im Begriff ist, mit einer weiteren einsamen Entscheidung seinen Syrien-Kurs zu ändern? Susan Rice jedenfalls hält sich am Montagnachmittag strikt ans Drehbuch vom Wochenende. Ihr Auftritt vor der linken Forschungs- und Lobbyeinrichtung „New America Foundation“ ist eine Front im breiten „PR-Blitzkrieg“, mit dem die Regierung nach dem Ende der Kongressferien die großenteils skeptischen Abgeordneten und Senatoren für einen Militärschlag gegen das Assad-Regime einnehmen will.

          Andreas Ross
          Verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.
          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Also schildert Rice, wie sie die grausigen Videos aus Syrien nicht ansehen könne, ohne dabei an ihre eigenen Kinder zu denken. Sie beschreibt, wie das geruchlose und unsichtbare Sarin ins Nervensystem der Menschen gelangt und sie qualvoll sterben lässt. Sie resümiert die Erkenntnisse der Geheimdienste, nach denen hohe Offiziere der syrischen Streitkräfte den Sarin-Angriff sorgfältig geplant und später Spuren beseitigt haben. Sie warnt, dass ein Nichteingreifen den Tag näher rücken ließe, an dem Amerika oder Amerikaner im Ausland selbst Opfer von Giftgas würden. Und sie lässt keinen Zweifel daran, dass alle nichtmilitärischen Lösungsversuche gescheitert seien.

          „If it’s real, it’s possible“

          Natürlich wünschte sich Obama Rückendeckung der Vereinten Nationen, beteuert die Botschafterin, die bis vor kurzem selbst Amerikas Interessen in New York zu vertreten hatte. „Aber seien wir realistisch: Es wird einfach nicht dazu kommen. Glauben Sie mir, ich weiß das. Ich war bei allen UN-Debatten und -Verhandlungen über Syrien dabei. Ich habe das erlebt. Und es war beschämend.“

          Mit keinem Wort geht Obamas Beraterin auf die Nachricht ein, die knapp anderthalb Stunden vor Beginn ihrer Rede über den Ticker lief: Moskau hat Syrien aufgefordert, seine Chemiewaffen unter internationale Beobachtung zu stellen, und der syrische Außenminister Walid Muallim hat die Idee gutgeheißen. Fragen beantwortet Rice nicht, fast flieht sie nach ihrem Schlusssatz vor den Kameras. Während Obama sich sodann anschickt, in sechs Zehn-Minuten-Interviews mit den wichtigsten amerikanischen Fernsehsendern die Hoffnung auf einen „erheblichen Durchbruch“ der Diplomatie zu nähren, kann Rice schon ihren alten russischen Gegenspieler im Fernsehen säuseln hören: „Wenn wir mit den Vereinigten Staaten und den Vereinten Nationen zusammenarbeiten“, sagt Moskaus UN-Botschafter Witalij Tschurkin im Sender PBS ganz zahm, „dann können wir eine heftige Eskalation der Syrien-Krise verhindern.“

          UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat zu diesem Zeitpunkt schon angeboten, dem Sicherheitsrat Optionen für ein Kontrollregime vorzulegen. Und gleich wird Obama verkünden: „If it’s real, it’s possible“ - Wenn die Sache ernst gemeint ist, sei ein Erfolg möglich. Allerdings, so fügt der Präsident mit Bezug auf Ronald Reagans Abrüstungsverhandlungen mit der Sowjetunion hinzu, gehe es nicht nur um Vertrauen, sondern auch um Kontrolle.

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