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Nach San Bernardino : Neue Qualität des Terrors in den Vereinigten Staaten

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Der amerikanische Präsident Obama mit seinem Heimatschutzminister Jeh Johnson, der vor der neuen Strategie des IS warnt. Bild: dpa

Präsident Obama will am Sonntagabend in einer mit Spannung erwarteten Rede an die Nation seine Strategie gegen terroristische Bedrohungen darlegen. Andere amerikanische Politiker haben sich dazu schon geäußert. Sie sagen, der IS habe seine Taktik geändert – und sei jetzt noch schwerer zu fassen als zuvor.

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          „Wir sind in eine völlig neue Phase eingetreten“, sagt Heimatschutzminister Jeh Johnson. Terroristen hätten ihre „Versuche ausgegliedert, uns zu Hause anzugreifen“, erläuterte er in der „New York Times“. Dieses „Outsourcing“ des Terrors, wie Amerika es in San Bernardino erlebte, „verlangt einen völlig neuen Ansatz“.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Johnsons Vorschläge aber klingen nicht so neu. Er will mehr amerikanische Beamte an ausländischen Flughäfen einsetzen und die Einreisebestimmungen etwa für Europäer verschärfen. Außerdem fordert er engere Beziehungen zu Muslimen in Amerika, um Bedrohungen früh zu identifizieren.

          Auch Lisa Monaco stieß in ein bekanntes Horn. Man müsse der Propaganda des „Islamischen Staats“ eine andere Botschaft entgegensetzen, sagte die Heimatschutzberaterin im Weißen Haus. Dazu solle die Regierung verstärkt mit „dem Privatsektor“ zusammenarbeiten.

          Der IS hat seine Taktik geändert

          Vor kurzem hatten externe Berater unter anderem aus dem Silicon Valley in einem Bericht für das State Department Zweifel an der Strategie der Regierung geäußert, der Öffentlichkeitsarbeit des IS selbst auf allen Kanälen entgegenzutreten. Washington hat demnach nicht genug Glaubwürdigkeit, als dass seine offiziellen Facebook-Einträge und Tweets Möchtegern-Dschihadisten vom IS entfremden könnten.

          Das FBI verwies schon vor dem Massaker vom Mittwoch darauf, dass der IS seine Taktik geändert habe: Statt amerikanische Islamisten zur Reise ins „Kalifat“ zu motivieren und sie dort zu Dschihad-Soldaten auszubilden, fordert die Terrormiliz ihre Anhänger allgemein auf, den Feind zu Hause anzugreifen. FBI-Chef James Comey sagt, dass der IS sehr geschickt „in seine giftige Botschaft investiert“. Comey spricht vom „Crowdsourcing“ des Terrors.

          Für die Ermittler ist das höchst problematisch. „Wir hatten einmal viel Zeit zwischen Blitz und Donner, weil Al Qaida Jahre mit Planung verbracht hat“, sagte ein Abteilungsleiter im Justizministerium. Zwar sei wohl auch der IS darauf aus, in Amerika einen Großanschlag zu verüben. Doch zugleich probiere die Gruppe die Taktik aus, ihre Sympathisanten zu kleineren Anschlägen zu inspirieren, „die zwar scheitern können, aber trotzdem Angst einflößen“.

          „Soldaten“ oder bloß „Unterstützer“ des IS?

          Ein vom IS kontrollierter Radiosender hatte die beiden Attentäter aus Kalifornien als „Unterstützer des Kalifats“, in der englischen Fassung sogar wie die Pariser Terroristen als „Soldaten des Kalifats“ bezeichnet. Die 29 Jahre alte Pakistanerin Tashfeen Malik hatte offenbar Minuten nach der Tat auf Facebook dem IS-Anführer Abu Bakr al Bagdadi Gefolgschaft geschworen. Inzwischen ist etwas mehr bekannt über die Frau, die an der Seite ihres amerikanischen Ehemanns Syed Rizwan Farook 14 Personen erschoss.

          Vielleicht in noch stärkerem Maße als Farook hatte sie vor rund sechs Jahren begonnen, den Koran immer strenger auszulegen. Sie war als Tochter einer gutsituierten Familie in Dschidda in Saudi-Arabien aufgewachsen. Doch zum Pharmaziestudium kehrte sie 2007 nach Pakistan zurück. Zwei Jahre später soll sie begonnen haben, eine Koranschule zu besuchen, ihr Gesicht zu verhüllen und alle Fotos von ihr zu vernichten.

          Anscheinend lernten sich Malik und Farook voriges Jahr im Internet kennen. Sie heirateten im Juli 2014 in Saudi-Arabien, kamen nach Kalifornien, zeugten ein Baby, sammelten Waffen und bauten Bomben. Wenn Farook in der Moschee betete, blieb Malik im Auto. Keiner von Farooks Freunden soll das Gesicht seiner Frau je gesehen haben.

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