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Nach Bostoner-Anschlag : Putin für Schulterschluss mit Amerika

  • Aktualisiert am

Wladimir Putin am Donnerstag im russischen Fernsehen Bild: AP

Neue Details aus den Ermittlungen zum Bombenanschlag auf den Boston-Marathon werfen nach amerikanischen Medienberichten kein gutes Licht auf die amerikanischen Geheimdienste.

          2 Min.

          Russlands Präsident Wladimir Putin hat nach dem Bombenanschlag von Boston eine engere Zusammenarbeit seines Landes bei der Extremismusabwehr mit den Vereinigten Staaten gefordert. In einer Frage-Antwort-Runde des russischen Fernsehens sagte Putin am Donnerstag, Taten und ihre Folge ließen sich verhindern, wenn beide Länder ihre Kräfte bündelten.

          Zuvor hatten die Ermittlungen zum Bombenanschlag auf den Boston-Marathon neue Fragen über die Zusammenarbeit der amerikanischen Sicherheitsdienste aufgeworfen. Wie am Mittwoch aus amerikanischen Kreisen bekannt geworden war, wurde 2011 neben der Bundespolizei FBI auch der Geheimdienst CIA von russischen Behörden über eine mögliche Radikalisierung des mutmaßlichen Täters Tamerlan Zarnajew informiert.

          Das Logo der Central Intelligence Agency im Hauptquartier des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes in Langley, Virginia

          Kongressabgeordnete kündigten eine Untersuchung an, ob die Dienste trotz der Reformen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wieder Informationen für sich behalten haben.verlautete, wurde 2011 neben der Bundespolizei FBI auch der Geheimdienst CIA von russischen Behörden über eine mögliche Radikalisierung des mutmaßlichen Täters Tamerlan Zarnajew informiert. Kongressabgeordnete kündigten eine Untersuchung an, ob die Dienste trotz der Reformen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wieder Informationen für sich behalten haben. Die Baupläne für die Bomben stammten den Ermittlungen zufolge offenbar aus einem Islamisten-Magazin im Internet.

          Die tschetschenisch-stämmigen Brüder Tamerlan und Dschochar Zarnajew werden für den Anschlag am 15. April verantwortlich gemacht, bei dem drei Menschen starben und 264 verletzt wurden. Tamerlan kam bei einer Schießerei mit der Polizei ums Leben, der jüngere Bruder Dschochar liegt verletzt im Krankenhaus und wird vernommen.

          Russische Warnung schon Anfang 2011

          Die russischen Behörden hatten Anfang 2011 das FBI gewarnt, dass Tamerlan Zarnajew ein radikaler Islamist sein könnte. Die Bundespolizei befragte ihn daher im Anschluss an eine Reise nach Süd-Russland, fand aber offenbar keine Verdachtsmomente. Mehrere amerikanische Vertreter, die namentlich nicht genannt werden wollten, erklärten nun, Ende September 2011 hätten die Russen eine identische Warnung an die CIA geschickt. Ob und wenn ja wie der Dienst auf diese Informationen reagiert habe, war unklar. Der republikanische Senator Dan Coats vom Geheimdienstausschuss erklärte, man habe gelernt, dass jede Warnung an alle relevanten Stellen gehen müsse. „Wir werden uns das anschauen müssen“, sagte Coats zu der Kommunikation vor den Boston-Anschlägen.

          Coats’ demokratischer Kollege Adam Schiff aus dem Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses erklärte dagegen, offenbar sei den Hinweisen aus Russland korrekt nachgegangen worden. Er wies darauf hin, dass Abertausende ähnliche Hinweise eingingen. Bei einigen handele es sich jedoch um Versuche ausländischer Regierungen, politische Dissidenten zu verfolgen. Schiff beschrieb die Angriffe der Brüder als eine neue Form der Bedrohung für die Vereinigten Staaten.  „Wir erleben jetzt etwas, das Europa schon erlebt hat - die Entfremdung einiger Einwanderer und deren selbstständige Radikalisierung.“ Dies sei eine andere Art von Herausforderung als Angriffe aus dem Ausland. „Wir werden deswegen wohl einige Dinge anders machen müssen“, sagte Schiff.

          Andere Abgeordnete berichteten nach einer Anhörung des FBI und des Heimatschutzministeriums, die Radikalisierung der Brüder gehe offenbar auf anti-amerikanisches Material im Internet zurück. Der Demokrat Dutch Ruppersberger sagte, die Bomben seien wohl nach einer Anleitung im Internet-Magazin „Inspire“ gebaut worden, das von der Islamisten-Gruppe Al Qaida im Jemen verbreitet wird. Den Angaben zufolge wurden die Explosionen mit Hilfe einer Fernbedienung ausgelöst, die in Spielzeugautos verwendet wird.

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