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Militäroffensive : Kolumbien zerstört illegale Bergwerke der Farc

Seit zweieinhalb Jahren verhandelt die kolumbianische Regierung mit den Rebellen der Farc. Die Zustimmung der Bevölkerung für den Friedensprozess nimmt ab. Präsident Sanots versucht, mit einer Militäroffensive Stärke zu zeigen.

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          Die kolumbianische Regierung versucht mit einer Demonstration militärischer Stärke und politischer Entschlossenheit die stockenden Friedensverhandlungen mit den Rebellen der marxistischen Farc wieder in Gang zu bringen. Mit einem Großeinsatz gehen die Streitkräfte des Landes seit der Nacht zum Dienstag gegen zahlreiche illegale Bergwerke der Farc in den Departamentos Guainía und Vichada im Osten des Landes vor. Die Offensive, an der rund 600 Soldaten beteiligt sind, sei der größte Militäreinsatz gegen den illegalen Bergbau im Grenzgebiet zu Venezuela und Brasilien seit mehr als zehn Jahren, sagte Verteidigungsminister Juan Carlos Pinzón am Dienstag in Bogotá. Der illegale Abbau von Gold, Wolfram und Coltan hat sich in den vergangenen Jahren neben dem Drogenhandel und der Schutzgelderpressung zur wichtigsten Einnahmequelle der Farc entwickelt. Nach Schätzungen der kolumbianischen Regierung erlösen die Farc durch den illegalen Bergbau monatlich umgerechnet etwa 7,4 Millionen Euro.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die an dem Einsatz beteiligten Soldaten wurden mit Hubschraubern und Landungsbooten in das unzugängliche Gebiet im Amazonas-Regenwald gebracht. 59 Verdächtige seien festgenommen worden, darunter mehrere mutmaßliche Rebellen der Farc, teilte das Verteidigungsministerium mit. Ihnen werde unter anderem Diebstahl von Bodenschätzen, Menschenhandel und Erpressung sowie die Zwangsrekrutierung von Minderjährigen für die Farc vorgeworfen.

          Unterdessen bekräftigte der kolumbianische Hochkommissar für Frieden, Sergio Jaramillo, dass es eine Generalamnestie für die Kämpfer und zumal die Anführer der Farc-Rebellen nicht geben werde. Der Streit um eine mögliche Straffreiheit für die Führer der Farc und anderer linker Rebellengruppen gehört zu den schwierigsten Fragen bei den Friedensverhandlungen, die seit November 2012 in Havanna unter maßgeblicher Vermittlung Kubas geführt werden.

          Zuletzt haben in Meinungsumfragen immer weniger Kolumbianer ihre Unterstützung für den von Präsident Juan Manuel Santos vorangetriebenen Friedensprozess geäußert. Ungeachtet eines von den Farc ausgerufenen unbefristeten Waffenstillstands wurden am 15. April in einem Hinterhalt der Rebellen im Departamento Cauca im Südwesten des Landes elf Soldaten getötet und weitere 25 verletzt. Bei einem weiteren Zwischenfall Anfang Mai wurden einem Soldaten, der auf eine von den Farc gelegte Landmine trat, beide Beine abgetrennt; auf einem im Internet veröffentlichten Video präsentierten später Farc-Kämpfer eines der abgetrennten Beine des Soldaten wie eine Trophäe. Das löste in Kolumbien einen Sturm der Entrüstung aus. Präsident Santos sieht sich wachsendem innenpolitischem Druck ausgesetzt, bei den Verhandlungen mit den Farc keine weiteren Zugeständnisse zu machen, zumal der frühere Präsident und jetzige oppositionelle Senator Álvaro Uribe Santos für dessen Versöhnungspolitik gegenüber den Farc scharf kritisiert. „Die Farc verüben Morde, und die Regierung antwortet mit der Beschleunigung der Friedensgespräche“, sagte Uribe nach dem Hinterhalt von Cauca.

          Ungeachtet der Kritik wies Präsident Santos am Wochenende die zuständigen Minister an, den Einsatz der Chemikalie Glyphosat zu beenden und bis Oktober Alternativen zur Bekämpfung illegaler Kokapflanzungen zu entwickeln. Die Farc fordern seit langem ein Ende des Glyphosat-Einsatzes. Die Entscheidung von Santos wird in Kolumbien als weiteres Zugeständnis an die Farc gewertet. Santos betonte, dass dies keinen Rückzug im Kampf gegen die Herstellung der Droge Kokain bedeute, sondern im Interesse der Gesundheit der Kolumbianer geschehe. Santos reagierte mit seiner Ankündigung auf Stellungnahmen des Verfassungsgerichts und des Gesundheitsministeriums, die das Besprühen ganzer Landstriche mit Glyphosat aus der Luft als ernste Gefahr für die Gesundheit der Einwohner bezeichnet hatten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte Glyphosat Ende März als krebserregend ein. Kolumbien setzt die Substanz seit mehr als 20 Jahren ein, um illegale Koka-Plantagen zu zerstören.

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