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Massaker in Orlando : Mateen rühmte sich auf Facebook seiner Tat

  • -Aktualisiert am

Omar Mateen tötete am Sonntag 49 Menschen. Während der Tat postete er auf Facebook. Bild: AP

Nachrichten auf Facebook, Anrufe bei Lokalsendern: Auch vier Tage nach dem Massenmord von Orlando gibt es neue Details zum Tatablauf und zur Psyche des Täters. Und Präsident Obama trifft am heutigen Donnerstag Überlebende des Massakers.

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          „Amerika und Russland, hört auf, den Islamischen Staat zu bombardieren... Ich schwöre meine Treue Abu Bakr al-Baghdadi... Allah akzeptiere mich.“ Es sind die Worte eines 29 Jahre alten Mannes, der gerade das Feuer auf mehr als 300 tanzende Gäste des Lesben- und Schwulenclubs „Pulse“ eröffnet hat. Während der Tat noch soll er seinen Facebook-Account geöffnet und diese Zeilen verfasst haben. Das geht aus einem Brief des Vorsitzenden des Heimatschutzkomitees im amerikanischen Senat, Ron Johnson, einem Republikaner aus Wisconsin, an Facebook-Chef Mark Zuckerberg hervor. Der Sender Fox News hatte den Brief am Mittwoch veröffentlicht.

          Das Schreiben gibt weitere Details zur Psyche des Täters Omar Mateen preis, der in der Nacht zum Sonntag 49 Menschen tötete und 53 weitere verletzte. Mateen schien es nicht in erster Linie um den Treueschwur zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ gegangen zu sein, viel mehr ging es ihm um Ruhm, Anerkennung, Berühmtheit. Während der Tat soll er laut Fox News bei einem lokalen Fernsehsender in Orlando angerufen und gefragt haben, ob die Journalisten schon von den Schüssen gehört haben. Daraufhin habe er gesagt „Ich bin der Schütze, ich bin es.“

          Täter kündigte weitere Taten an

          Weiter habe er während der Tat auf Facebook überprüft, ob es schon Neuigkeiten zu dem von ihm selbst verübten Massaker gebe. „Pulse Orlando“ und „Schießerei“ soll er in die Suchleiste des sozialen Netzwerks eingegeben haben. Auch kündigte er an, dass es in den nächsten Tage weitere Attentate des „Islamischen Staats“ in den Vereinigten Staaten geben solle.

          Später in der Nacht zum Sonntag habe er weiter gepostet: „Die echten Muslime werden die dreckigen Gepflogenheiten des Westens nie akzeptieren“ und „Ihr tötet unschuldige Frauen und Kinder durch eure Luftangriffe... nun kostet von der Rache des Islamischen Staats“ schrieb er auf Facebook. Insgesamt habe Mateen wohl fünf Accounts bei dem sozialen Netzwerk gehabt, heißt es in dem Brief von Johnson an Zuckerberg.

          Auch in den Monaten vor der Tat nutzte Mateen Facebook immer wieder. Im Mai soll er sich über den Dienst zu den Attentätern von San Bernardino informiert haben, wenige Tage vor dem Massaker habe er nach einem Video des Anführers der Terrormiliz, al-Baghdadi, gesucht. Die Treue zu ihm hatte Mateen auch während der Tat in einem Notruf an die Polizei verkündet. Das Telefonat soll einer von insgesamt 16 Anrufen gewesen sein, die Mateen in der Nacht des Massakers absetzte.

          Facebook soll bei den Ermittlungen helfen

          Direkt nach der Tat wurden die Accounts Mateens auf sozialen Netzwerken aus dem Internet genommen, berichtet Fox News. Nun bittet der Heimatschutz den Facebook-Chef um Hilfe bei den Ermittlungen zur Tat. Der Konzern solle alle Daten, Accounts, Bilder, Aktivitäten und Profilinformationen Mateens bis Ende des Monats an den Heimatschutz weiterleiten.

          Erst vor wenigen Tagen ging die Facebook-Nutzung eines anderen Straftäters durch die Schlagzeilen: Der Mann, der in Paris einen Polizisten und dessen Frau ermordete und ebenfalls seine Treue dem „Islamischen Staat“ geschworen hatte, übertrug seine Greueltat per Livestream auf dem sozialen Netzwerk. Eine Sprecherin von Facebook sagte daraufhin, dass man „terroristische Inhalte“ sofort entferne, sobald sie gemeldet werden. Live Videos seien allerdings eine „besondere Herausforderung“.

          Nach dem Attentat im kalifornischen San Bernardino im Dezember vergangenen Jahres hatten sich die Ermittler ebenfalls an einen großen Tech-Konzern zur Hilfe bei den Ermittlungen gewendet. Damals verlangte das FBI von Apple, das iPhone des Attentäters zu entschlüsseln. Apple weigerte sich, letztlich konnten die Behörden den Sicherheitsschlüssel des Mobiltelefons aber selbst knacken. In den Nutzungsbedinungen von Facebook ist angegeben, dass Daten erst beim Vorliegen eines Gerichtsbeschlusses herausgegeben werden.

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