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Marco Rubio : Die Antwort als Grußwort

  • -Aktualisiert am

Republikanischer Hoffnungsträger: Senator Marco Rubio aus Florida Bild: dapd

Marco Rubio ist einer, von dem sich die Republikaner noch viel erwarten. Er darf auf Obamas Rede zur Lage der Nation antworten - auf Englisch und auf Spanisch.

          Marco Rubio, Senator aus Florida und einer der wichtigsten Hoffnungsträger der Republikaner, wird als Erwiderung auf Präsident Barack Obamas „State of the Union“ am Dienstag nicht nur eine Rede halten, sondern zwei. Die Version auf Englisch wird er direkt nach der Ansprache des Präsidenten zur „Lage der Nation“ live vor der Kamera sprechen. Denn inzwischen ist es Tradition, dass die maßgeblichen Fernsehsender nicht nur die jährliche Ansprache des Präsidenten vor beiden Kammern des Kongresses direkt übertragen, sondern im Anschluss auch die Erwiderung eines Politikers der Opposition. Eine spanische Version seiner Rede wird Rubio zuvor aufzeichnen. Die spanischsprachigen Radio- und Fernsehsender, von denen es in den Vereinigten Staaten immer mehr gibt, werden sie dann anstelle der Live-Übertragung aus dem Kapitol ausstrahlen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Dass Rubio, erst seit zwei Jahren im Senat, überhaupt im Namen der Opposition auf die Grundsatzrede des Präsidenten antworten darf, hat für sich genommen schon Signalcharakter. Der republikanische „Sprecher“ des Repräsentantenhauses, John Boehner, und der republikanische Minderheitsführer im Senat, Mitch McConnell, hatten sich nach kurzer Beratung auf den 41 Jahre alten Politiker geeinigt, der stets eloquent und telegen auftritt. Dass Rubio seine Rede selbst in tadellosem Spanisch vortragen wird, ist dabei mehr als nur ein Randaspekt: Die Republikaner lassen sich möglichst keine Gelegenheit mehr entgehen, sich den Latinos als der am schnellsten wachsenden Wählergruppe des Landes zu empfehlen. Die hatten bei den Präsidentenwahlen im November nur zu 29 Prozent dem republikanischen Kandidaten Mitt Romney ihre Stimme gegeben, Obama aber mit ihrer 71-Prozent-Unterstützung ins Weiße Haus getragen. Gerade in besonders hart umkämpften Bundesstaaten wie Florida, Colorado und Virginia waren die Latino-Stimmen maßgeblich für den Sieg des Demokraten.

          Der erste kubanischstämmige Parlamentspräsident

          Rubios Eltern kamen 1956 aus Kuba nach Florida, also rund drei Jahre vor der Machtergreifung der Kommunisten unter Fidel Castro auf der Karibikinsel. Der am 28. Mai 1971 in Miami geborene Politiker wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Marco Rubios Eltern Mario und Oria wurden erst 1975 zu amerikanischen Staatsbürgern. Noch vor dem Abschluss des Jurastudiums an der University of Florida mit einem Doktorgrad 1993 fand Rubio den Weg in die Politik. Er war zunächst im Stadtrat von Miami tätig, mit 28 Jahren wurde er ins Repräsentantenhaus von Florida in Tallahassee gewählt. Dort stieg er 2006 zum „Sprecher“, also zum Parlamentspräsidenten auf. Er war der erste kubanischstämmige Amerikaner in diesem Amt.

          Ermuntert und unterstützt von der rechtskonservativen Graswurzelbewegung „Tea Party“, trat Rubio bei den Senatswahlen 2010 an. Als Favorit unter den republikanischen Kandidaten galt freilich lange Zeit der damals noch recht populäre Gouverneur von Florida Charlie Crist. Als Crist jedoch erkannte, dass er in den innerparteilichen Vorwahlen der Republikaner keine Chance gegen Rubio haben würde, verließ er die Partei und bewarb sich als unabhängiger Kandidat um den Senatsposten. Rubio gewann die Wahl im Jahr 2010 gegen Crist und gegen den demokratischen Kongressabgeordneten Kendrick Meek.

          Amnestie für illegale Einwanderer

          In Washington stieg er rasch zu einem der wichtigsten Nachwuchspolitiker der Republikaner auf, die Präsidentenwahl 2016 schon im Blick. Im Januar gehörte Rubio zu der Gruppe von jeweils vier republikanischen und demokratischen Senatoren, die eine umfassende Reform der Einwanderungspolitik vorschlugen und dabei auch forderten, den etwa elf Millionen illegalen Immigranten im Land einen Pfad zur Staatsbürgerschaft zu ebnen. Das hat Rubio manche Kritik von seiner Freunden bei der „Tea Party“ eingetragen, weil er faktisch einer Amnestie für illegale Einwanderer zustimme. Dem hält Rubio entgegen, dass schon die derzeitige Lage faktisch eine Amnestie darstelle und dass kein Mensch ernsthaft die Deportation oder auch die „Selbst-Deportation“ (so Mitt Romney im Wahlkampf 2012) von elf Millionen Menschen fordern könne.

          In seiner Entgegnung auf Präsident Obamas „State of the Union“ wolle er zeigen, wie „begrenztes Eingreifen der Regierung und freies Unternehmertum dabei geholfen haben, die Träume meiner Familie in Amerika zu verwirklichen“, teilte das Büro Rubios im Senat mit. Geträumt wird in Amerika eben auch en español.

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