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Legalisierung von Marihuana : Im Land des Lächelns

  • -Aktualisiert am

Nach Bundesrecht weiterhin verboten

Denn nach Bundesrecht ist und bleibt Marihuana ein verbotenes Suchtmittel wie Heroin oder Kokain – und Brian Ruden ein Drogendealer. Dass die Bundesrauschgiftpolizei DEA demnächst Starbuds stürmt, muss er zwar nicht befürchten. Das Justizministerium in Washington hat Colorado versichert, es respektiere die Verfassungsänderung, solange der Jugendschutz beachtet und weitere Bedingungen eingehalten werden. Aber solange der Bund seine Gesetze nicht ändert, kann Ruden zum Beispiel seine Betriebskosten nicht von der Steuer absetzen.

Rachel Gillette von der Lobbygruppe NORML hat ihm erklärt, dass er das einem Kokainschmuggler zu verdanken hat, über den sich Amerika vor mehr als drei Jahrzehnten empörte: Der Mann wurde nach seiner Verurteilung von der Steuerbehörde zur Kasse gebeten, setzte dann aber vor Gericht durch, dass er die Kosten für seine Yachten als Betriebsausgaben geltend machen durfte, weil er sie für den Schmuggel gebraucht habe. Der Kongress erließ daraufhin ein gesetzliches Verbot. An dem rüttelt auch eine Verfassungsänderung in Colorado nicht.

Vielleicht noch schwerer wiegt, dass Ruden und seine Branchenkollegen weder einen Bankkredit beantragen noch auch nur ein Konto eröffnen dürfen. Die Geldinstitute müssten sonst fürchten, von Bundesbehörden wegen Geldwäsche belangt zu werden. Wenn demnächst also die Steuern für den Januar fällig werden, wird Ruden rund 30.000 Dollar persönlich zum Amt tragen – in kleinen Scheinen. „Streng genommen, macht sich der Staat durch die Annahme wohl selbst der Geldwäsche schuldig“, mutmaßt Gillette.

Fünf Millionen Dollar Umsatz in der ersten Woche

Auch ihre immensen Stromrechnungen müssen die Züchter bar begleichen. Weil Kunden ohne Bankkonto das im Einzelhandel tun dürfen, kommt es in letzter Zeit immer wieder vor, dass jemand an der Supermarktkasse plötzlich 20.000 Dollar auspackt. Als Chris Brown sich neulich mit einem Marihuana-Händler zum Essen traf, ließ der ihn einen Blick in seine Tragetasche werfen: „Der Mann kam mit 86.000 Dollar ins Restaurant! Aber was hätte er auch tun sollen – das Geld im Auto lassen?“ Bundesjustizminister Eric Holder hat jetzt versprochen, für das Problem eine Lösung zu suchen.

Matt Cook hofft, dass er sich beeilt. Er weiß von einer Frau aus der Branche, die zu Hause überfallen wurde. „Die Täter haben ihr die Waffe an den Kopf gehalten und sind mit drei Millionen Dollar abgehauen. Sie hatte das Geld im Keller liegen.“ Doch von einer Räuberpistole lassen sich die neuen Unternehmer in Colorado ihre Goldgräberlaune nicht vermiesen. Fünf Millionen Dollar, so wird in Denver geschätzt, haben sie allein in der ersten Woche nach der Legalisierung umgesetzt.

Stadtrat Nevitt plädiert für Geduld und Regeltreue, um die in der Gesellschaft verbleibende „Angst vor dem Unbekannten“ behutsam abzubauen. Auch Kollege Brown glaubt nicht, dass sich die Uhr wieder zurückdrehen ließe. Man stelle sich nur einmal vor, wie viel Geld die Branche in die nächsten Wahlkämpfe pumpen könne. „Ich sage voraus“, fügt Brown hinzu, „dass Denver in ein paar Jahren voller Kiffer-Cafés ist.“ Auf einem Stadtplan in seinem Büro sind alle Cannabis-Geschäfte verzeichnet. „Völlig verrückt“, sagt Charlie Brown und tippt an seinen Hut. „Starbucks ist nichts dagegen.“

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