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Legalisierung von Marihuana : Im Land des Lächelns

  • -Aktualisiert am

So warm die Lampen im Obergeschoss des einstigen Wohnhauses nahe der Stadtautobahn auch auf den Hanf scheinen – es dauert, bis der Nachschub fertig ist. Ruden hat im Gewerbegebiet eine alte Werkstatt gemietet, in der er noch viel mehr Marihuana-Pflanzen anbaut, und er hat einen weiteren Laden in Colorado Springs. Groß ist die Verlockung zu expandieren. Als Erstes will er eine Million Dollar in ein drittes Gewächshaus stecken.

Noble Marihuana-Läden in weißem Design

Andere denken in noch größeren Dimensionen. Rudens Mitbewerber von Medicine Man planen bereits eine Kette nobler Marihuana-Läden, die im Design den weißen Apple Stores ähneln sollen. Die Firma Dixie Elixirs gibt gerade mehrere Millionen Dollar für den Bau einer neuen Produktionsanlage aus, in der sie ihre Limonaden, Trüffel, Hautcremes oder Tinkturen mit Cannabinoiden künftig herstellen will. Marketingdirektor Joe Hodas schwärmt von der etwa zweieinhalbtausend Quadratmeter großen Fabrik, die Platz für modernste Labore bieten werde.

Das Start-up-Unternehmen wächst rapide, schon sind rund 30 Vollzeitkräfte an Bord. Hodas ist selbst erst seit wenigen Wochen dabei, „und dass wir jetzt einen Vollzeit-Marketingdirektor haben, spricht ja für sich“. Zum zweiten Mal binnen einer Woche schaut er heute bei Lodo Wellness vorbei, einem angesagten Cannabis-Laden mit alternativem Flair in bester Innenstadtlage. Leider hat er keine neue Ware dabei, denn der Kühlschrank mit den Dixie-Produkten, den er vor dem Wochenende randvoll zurückließ, ist komplett leergekauft.

Beim Dealer im Park war es billiger

Es ist Montagmittag, in der Stadt ist wenig los, aber mehrmals pro Minute signalisiert ein schepperndes Tonsignal die Ankunft neuer Kunden. Die halbe Stunde Schlangestehen scheint vor allem einen Anzugträger zu stören, der in seiner Lunchpause wohl nicht mehr zum Essen kommen wird. Ein vielleicht sechzig Jahre alter Mann, den sein Sohn mitgeschleppt hat, kann sich dagegen gar nicht lange genug umsehen. „Hier wächst das Gras vor aller Leute Augen! Ich hätte nicht gedacht, dass ich das noch erlebe.“

Ein paar junge Leute gucken missmutig auf den Preisaushang. Beim Dealer im Park war es billiger. Doch auch sie machen nicht kehrt, bevor sie eine jener kleinen braunen Papiertüten in der Hand halten, in denen andernorts Ansichtskarten verkauft werden. „Wir müssen abwarten“, mahnt Hodas, „was von dieser Aufregung übrig bleibt.“ Doch selbst wenn in Colorado bald die Begeisterung abflacht, die Konkurrenz wächst und die Preise purzeln – viel spricht dafür, dass sich die Investoren von heute spätestens übermorgen einen ungleich größeren Markt erschließen können. Denn überall in Amerika schwinden die Vorbehalte.

Fürs Erste ziehen alle an einem Strang

Selbst Barack Obama, der aus Jugenderfahrung spricht, hat Marihuana kürzlich in einem Interview für „nicht gefährlicher als Alkohol“ erklärt. Viel Empörung verursachte der Präsident nicht damit. In zwanzig Bundesstaaten ist der medizinische Gebrauch von Marihuana bereits erlaubt. 58 Prozent der Amerikaner heißen den unverkrampften Umgang mit Cannabis gut. „Wir haben in den letzten fünf Jahren größere Fortschritte gemacht als in den vier Jahrzehnten davor“, bestätigt Rachel Gillette, die örtliche Chefin der „Nationalen Organisation für die Reform der Marihuana-Gesetze“ (NORML). Zu lange habe man am „Modell Tomate“ festgehalten.

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