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Lateinamerikareise : Der Papst der Armen bei seinen Brüdern

„Wir verkünden die Freude des Evangeliums“ heißt es auf diesem Papst-Plakat in der bolivianischen Stadt La Paz. Bild: AP

An diesem Sonntag bricht Papst Franziskus zu einer einwöchigen Südamerika-Reise auf. Der Argentinier besucht mit Bolivien, Ecuador und Paraguay die ärmsten Länder des Kontinents. Und wird dabei nicht um den ein oder anderen politischen Spagat herumkommen.

          Der bolivianische Präsident, Evo Morales, hat Papst Franziskus schon eingewickelt: mit regierungsamtlichen Plakaten. Die sieht man wenige Tage vor der Ankunft des Heiligen Vaters in den Zwillingsstädten La Paz und El Alto. Darauf verkündet die sozialistische Regierung des „Plurinationalen Staates Bolivien“ eigenmächtig das Leitmotiv des Pastoralbesuchs von Franziskus: „Gerechtigkeit, Gleichheit und soziale Inklusion“ steht in großen Lettern neben dem Konterfei des lächelndes Papstes. Von Protesten aus dem Vatikan gegen diese ideologische Vereinnahmung durch den sozialistischen Präsidenten Boliviens ist nichts bekannt.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Von diesem Sonntag an wird Franziskus in Lateinamerika unterwegs sein - in Ecuador, Bolivien und Paraguay. Er wird auf seiner strapaziösen Reise, die ihn von der tropischen Schwüle Guayaquils bis ins kalte Andenhochland von El Alto führen wird, fünf Messen zelebrieren. Millionen Gläubige werden zu den Großveranstaltungen unter freiem Himmel erwartet. Es ist die zweite Lateinamerika-Reise von Franziskus seit seiner Wahl zum Papst im März 2013.

          Im Juli 2013 war der Papst „vom anderen Ende der Welt“, wie sich Franziskus selbst zu bezeichnen pflegt, nach Rio de Janeiro zum Weltjugendtag gereist. Doch die Mission nach Brasilien, ins größte und bevölkerungsreichste Land Lateinamerikas, hatte noch Amtsvorgänger Benedikt XVI. geplant. Die Reise nach Ecuador, Bolivien und Paraguay ist die erste von Franziskus in die spanischsprachige Welt Südamerikas, und die Auswahl der Länder trägt unverkennbar die Handschrift des Papstes aus Argentinien.

          Dass sein Heimatland in diesem Jahr nicht auf dem Besuchsplan stehen konnte, erklärt ein Blick auf den politischen Kalender: In Argentinien werden im Oktober ein neues Staatsoberhaupt und ein neues Parlament gewählt, und ein Papstbesuch im Wahljahr hätte als politische Manifestation für die Fortdauer des linksnationalistischen „Kirchnerismus“ missdeutet werden können.

          Der Papst hat aber auch wirtschaftlich und geostrategisch wichtigere Staaten mit deutlich mehr Einwohnern wie Kolumbien oder Venezuela, Peru oder Chile bewusst nicht in sein Reiseprogramm aufgenommen. Stattdessen besucht er die eher randständigen Länder Ecuador mit knapp 16 Millionen Einwohnern, Bolivien mit gut zehn Millionen und Paraguay mit gerade einmal rund sieben Millionen Menschen. Die drei Staaten, die mit einer jährlichen Wirtschaftsleistung pro Kopf von 2500 bis kaum 5000 Euro am Ende der Rangliste aller Länder Südamerikas liegen, sind buchstäblich die „armen Brüder“ Südamerikas, mit denen sich der jesuitische „Papst der Armen“ besonders verbunden fühlt. Deshalb dürfte das von Morales dem Papstbesuch in Bolivien verordnete Motto von „Gerechtigkeit, Gleichheit und sozialer Inklusion“ nicht weit von dem entfernt liegen, was Franziskus selbst beim Besuch seines Heimatkontinents in den Vordergrund stellen will.

          In Ecuador besucht Franziskus an diesem Montag zunächst die Hafenstadt Guayaquil, die größte und wirtschaftsstärkste Stadt des Landes, in der seit Jahr und Tag ein Bürgermeister der konservativen oppositionellen Christlich-Sozialen Partei herrscht. Neben einer Großmesse unter freiem Himmel ist dort auch ein Mittagessen in einem Jesuitenkolleg geplant, in welches Franziskus während seiner Tätigkeit als Bischof von Buenos Aires oft junge Priesteranwärter zum Studium geschickt hatte. In Quito trifft er den  sozialistischen Präsidenten Rafael Correa, einen – gemäß Eigenauskunft – praktizierenden Katholiken, der wie der Papst Abtreibung und Homosexuellenehe ablehnt. In Umweltfragen dürften Correa und der Papst, der soeben in seiner Enzyklika „Laudato si’“ die rücksichtslose Ressourcenausbeutung und die Zerstörung der Schöpfung angeprangert hat, dafür nicht so viele Gemeinsamkeiten entdecken. Correa weiß, dass die derzeit schwächelnde Wirtschaft seines Landes maßgeblich auf den Export von Erdöl angewiesen ist und hat deshalb umstrittene Erkundungsbohrungen im Regenwald des Yasuní-Nationalparks genehmigt.

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