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Kandidatendebatte in Amerika : Schlacht ums Weiße Haus

  • -Aktualisiert am

Begehrter Wohnsitz und Arbeitsplatz für 17 Republikaner: das Weiße Haus in Washington Bild: Picture-Alliance

Der amerikanische Vorwahlkampf wird brutal: 17 Republikaner wollen ins Weiße Haus. In der Nacht zu Freitag haben sich die Kandidaten in einer Fernsehdebatte erstmals vor den Augen der Nation gestritten. Ein Außenseiter bestimmt dabei die schrille Tonlage.

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          Der amerikanische Präsidentenwahlkampf tritt in eine neue Phase. Die Anwärter auf die republikanische Nominierung stellten sich am Donnerstagabend ihrer ersten Fernsehdebatte. Das Kandidatenfeld ist endlich abgesteckt: Vier amtierende und fünf ehemalige Gouverneure, vier amtierende Senatoren und ein ehemaliger Senator, ein Neurologe, eine Managerin und ein Immobilienmogul möchten 2017 ins Weiße Haus einziehen.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Vielen Konservativen ist dieses große „Interesse“ nicht geheuer. Der Aufruhr darüber, dass „nur“ die zehn demoskopisch führenden Anwärter an der Debatte teilnehmen dürfen, spricht Bände. Die Bewerber selbst preisen ihren Vielfrontenkampf notgedrungen als Fest der Demokratie. So schärfen sie den Kontrast zur Demokratischen Partei, die eine „Krönung“ zelebriere.

          Denn auf der Linken traut sich niemand, der viel zu verlieren hat, Hillary Clinton herauszufordern, obwohl deren Umfragewerte sinken. Die Dominanz der früheren Außenministerin hat Leute vom Kaliber des Vizepräsidenten Joe Biden bisher davon abgehalten, sich in die Schlacht zu stürzen. Allzu groß ist das Talentreservoir der Demokraten ohnehin nicht, und die vielfach gestählte Clinton ist auf der Hut. Die gedemütigte Verliererin von 2008 führt ihre Kampagne risikoscheu wie eine Amtsinhaberin. Die Massen begeistert sie so nicht. Aber das muss sie auch noch nicht.

          Bei den Republikanern könnte die neue Phase des Wahlkampfs länger dauern als jemals zuvor. Bisher lautete die Faustregel, dass ein Bewerber aufgibt, wenn er nicht mindestens eine der drei ersten Abstimmungen gewinnt. Wer weder in Iowa noch in New Hampshire oder South Carolina siegte, mochte sich zwar immer noch einbilden, dass er in wichtigeren Staaten das Blatt wenden könne; aber vorher ging ihm meist das Geld aus. Das dürfte in dieser Saison anders sein.

          Denn jetzt dürfen sogenannte Super-Pacs politische Kandidaten unterstützen, für die keine Spendengrenzen gelten. Ein Möchtegernpräsident, der im Februar 2016 noch nicht den Nerv der Mehrheit trifft, wird danach also nicht Hunderte Spender anbetteln müssen, ihm noch eine Weile die Stange zu halten. Es genügt, wenn er den einen oder anderen Multimillionär an seiner Seite weiß.

          Der Senator Ted Cruz etwa hat drei Mäzene gefunden, die jeweils schon zweistellige Millionenbeträge in seinen Super-Pac gepumpt haben. Der scharfzüngige Texaner ist zwar in der Tea Party beliebt, hat aber keine reale Chance, Präsident zu werden. Die Milliardäre, die seinen Ehrgeiz alimentieren, leisten sich dennoch den Luxus, dem kompromisslosen Konservativen möglichst lange einen Platz auf den Debattenpodien zu sichern.

          Jeb Bush wiederum, unangefochtener Spitzenreiter beim Geldsammeln, hat seine Spender ermahnen lassen, fürs Erste nicht mehr als eine Million Dollar zu geben. Der Präsidentensohn und -bruder wird wissen, an wen er sich im Bedarfsfall wenden kann. Bush hat angekündigt, dass er wegen seiner im Vergleich zur Konkurrenz teils moderaten Vorstellungen Vorwahlen verlieren werde: Er wolle sich in Iowa oder New Hampshire zu keinem Rechtsruck hinreißen lassen, der später die Wechselwähler verprelle.

          So beunruhigend der wachsende Einfluss der Superreichen ist, so willkommen wäre diese Nebenwirkung. Denn das traditionelle Vorrecht der überwiegend weißen Landbevölkerung von Iowa und New Hampshire, für ganz Amerika eine Vorauswahl fürs Weiße Haus zu treffen, wirkt umso unangemessener, je bunter das Land wird. Dank schier unerschöpflicher Geldquellen könnte tatsächlich erst am Schluss der Vorwahlen im nächsten Sommer feststehen, wer im November für die Republikaner antritt.

          Die Lust an Klamauk und Krawall

          Donald Trump wird das nicht sein. Der Höhenflug des Milliardärs ist zwar zum einen von der Verachtung getrieben, die viele Amerikaner „Washington“ entgegenbringen. Er beruht aber auch auf der Lust des Sommerpublikums an Klamauk und Krawall. Ein ernstzunehmender Faktor für den Wahlkampf bleibt Trump dennoch.

          Seine schamlose Rhetorik macht es vor allem Leuten wie Ted Cruz oder dem Gewerkschaftsschreck Scott Walker schwer, mit ihren eigenen Parolen durchzudringen. Die sind auch zugespitzt, klingen im Vergleich zu Trumps Polemik aber fast zahm. Die Herausforderung hat ein Kampagnenberater auf den Punkt gebracht: Bei der Vorbereitung auf die Debatte mit Trump fühlten sich die anderen wie ein Nascar-Fahrer vor einem Rennen, bei dem ein Konkurrent betrunken antrete.

          Bei einigen chancenlos scheinenden Bewerbern ist schwer zu ergründen, warum sie sich die Tortur antun. Bei Trump ist die Sache klar: Für ihn ist jeder Tag ein guter Tag, an dem die Welt um ihn kreist. Da ist es fast tragisch, dass verbitterte Wähler, die der politischen Klasse nicht ohne Anlass Selbstbezogenheit unterstellen, ausgerechnet ihm zujubeln.

          Bald werden auch bei den Republikanern wieder diejenigen die Oberhand gewinnen, die zumindest ansatzweise über politische Lösungen für politische Probleme reden. Doch Trump hat noch einen Trumpf. Er könnte als Unabhängiger antreten, so dass sich 1992 wiederholen könnte, als der Milliardär Ross Perot den Republikanern Wähler wegnahm. Damals standen die Namen Bush und Clinton auch auf dem Stimmzettel. Der Demokrat gewann.



          Amerikanische Präsidentschaftskandidaten

            Das Rennen um die Kandidatenplätze für die Wahl zum amerikanischen Präsidenten ist sehr unübersichtlich. Mehr als 15 Kandidaten treten an. Doch wer sind sie und wie sind ihre Chancen?

            Von Andreas Ross, Washington

            Demokraten

            Hillary Rodham Clinton

            „Normale Amerikaner brauchen einen Vorstreiter und ich möchte dieser Vorstreiter sein.“
            AP

            Abgesehen von Amtsinhabern, die sich zur Wiederwahl stellten, dürfte nie ein Präsidentschaftskandidat von Anbeginn so berühmt gewesen sein wie Hillary Clinton (68). Alle kennen die frühere First Lady, Senatorin und Außenministerin. Das ist ein Vorteil, der sich in einem uneinholbar scheinenden Vorsprung niederschlägt, aber auch eine Bürde. Denn Clintons Berater können wenig tun, um das Image der Kandidatin zu beeinflussen, auch wenn diese sich etwas nahbarer zeigt als beim ersten Versuch 2008. Sie muss aufpassen, als Kandidatin Demut zu demonstrieren, schließlich lästern die Republikaner schon lange über die bevorstehende „Krönung“ bei der Konkurrenz. Im Wesentlichen will Clinton an Obamas Politik festhalten, die linksliberalen Konzepte aber geschickter in die Tat umsetzen. Wenn ihr der Einzug in Weiße Haus gelingen sollte, dann wird sie das nicht zuletzt Frauen zu verdanken haben, die Clinton auffordert, Amerikas höchste „gläserne Decke“ zu zertrümmern.


            Martin O'Malley

            „Wir müssen unser eigenes Land retten. Und wir werden das tun, indem wir den Traum wiederbeleben.“
            AP

            Martin O’Malley ist mit 52 Jahren der mit Abstand jüngste Demokraten-Kandidat, spielt Gitarre in einer Band, sieht gut aus, hat ein gewinnendes Wesen und bietet damit vieles, was die Amerikaner von ihren Politikern erwarten. Dennoch bekommt der frühere Gouverneur von Maryland kein Bein auf den Boden. Ein bisschen mag das daran liegen, dass er mit seiner Bilanz als vorheriger Bürgermeister von Baltimore nicht mehr punkten kann, seit dort Rassenkrawalle eskalierten. Vor allem aber fällt es O’Malley schwer, sich von Clinton zu distanzieren, die er früher unterstützt hat. Er positioniert sich ein Stückchen weiter links – aber nicht genug, um die Clinton-Skeptiker an der Parteibasis zu beeindrucken.


            Bernie Sanders

            „Ich denke, die Leute sollten mich nicht unterschätzen.“
            AFP

            Bernie Sanders (74) ist der Überraschungsstar im linken Lager. Als Senator gehört der selbst erklärte „demokratische Sozialist“ der Partei gar nicht an, in deren Namen er nun das Weiße Haus erobern will. Seit 25 Jahren vertritt Sanders im Kongress seinen progressiven Heimatstaat Vermont; 2007 wechselte er vom Repräsentantenhaus in den Senat. Viele Strategen im linken Lager hatten nicht kommen sehen, dass der kämpferisch gegen die „Wall Street“ und für einen starken Sozialstaat skandinavischen Zuschnitts werbende Sanders auch in anderen Landesteilen großes Publikum zu begeistern vermag – und Hunderttausende Kleinspender. Wenig spricht dafür, dass Sanders die 20-Prozent-Marke deutlich überschreiten könnte, an der er kratzt. Aber er zwingt Clinton, die Parteilinken nicht aus dem Blick zu verlieren.



            Republikaner

            Jeb Bush

            „Ich nehme nichts und niemanden als gegeben an. Ich werde mit Herz kämpfen. Ich trete an, um zu gewinnen.“
            REUTERS

            Jeb Bush (62) ist einer der Favoriten auf den Kandidaten-Platz der Republikaner. Der Präsidentensohn, Präsidentenbruder und frühere Gouverneur des in jedem Wahljahr hart umkämpften Staats Florida verfügt über viel mehr Geld als seine Konkurrenz – mehr als 100 Millionen Dollar hatte ein Bush unterstützendes „Aktionskomitee“ bis Ende Juni schon gesammelt. Andererseits hat es der belesenste und vermutlich nachdenklichste der Bushs bisher nicht vermocht, sich einen soliden Vorsprung zu sichern. So sehr ihn Teile des Republikaner-Establishments im Rennen sehen wollen, so skeptisch ist die Basis, die von einer Neuauflage des Klassikers „Bush gegen Clinton“ nichts wissen will. Jeb Bush spricht perfekt Spanisch, er ist mit einer Mexikanerin verheiratet. Dass er die meisten illegalen Einwanderer nicht abschieben will, irritiert viele Republikaner.


            Ben Carson

            „Ich werde wahrscheinlich nie politisch korrekt sein, denn ich bin kein Politiker.“
            REUTERS

            Ben Carson (64) wurde berühmt, weil er ausgerechnet beim „Nationalen Gebetsfrühstück“, einem Washingtoner Ritual politischer Versöhnlichkeit, Barack Obamas Gesundheitspolitik angriff und die „politische Korrektheit“ zu einem Grundübel der Gesellschaft erklärte. Eigentlich ist der einzige Afroamerikaner unter den Präsidentschaftskandidaten ein in Fachkreisen berühmter Neurochirurg. Da er in Detroit in armen Verhältnissen aufwuchs und zu einem der besten Mediziner Amerikas avancierte, begeistert seine Geschichte viele Amerikaner. Doch seit er seine Präsidentschaftskandidatur erklärte, scheint sich der Arzt Carson in den Fallstricken politscher Kampagnen verheddert zu haben. Zugleich hat er mit seinen erzkonservativen Ansichten viele Afroamerikaner verprellt, die in ihm früher ein großes Vorbild sahen.


            Chris Christie

            „Ich bin jetzt bereit, für die Menschen der Vereinigten Staaten zu kämpfen.“
            AFP

            Chris Christie (53) wurde vor knapp zwei Jahren mit großer Mehrheit als Gouverneur von New Jersey wiedergewählt. Da der Ostküstenstaat eher demokratisches Terrain ist, wollte der übergewichtige Politiker mit Hang zu überklaren Botschaften darauf seine Präsidentschaftskampagne aufbauen. Hitzig stritten Republikaner im ganzen Land darüber, ob ein Politiker, der tagtäglich mit Demokraten zusammenarbeite, geeignet sei, Amerika nach acht Jahren Obama auf den rechten Kurs zu bringen. Doch das war voreilig: Heute redet kaum noch jemand über Christie. Der von Skandalen und einer durchwachsenen Bilanz in New Jersey geschwächte Gouverneur ist in den Umfragen weit nach hinten gerutscht. Manche Beobachter trauen ihm allerdings ein Comeback zu, denn der fast nie mit Manuskript sprechende Klartext-Politiker ist eine Kämpfernatur.


            Ted Cruz

            „Die Kraft von Amerikanern, die aufstehen und für Freiheit kämpfen, ist grenzenlos.“
            AP

            Je mehr es sich Ted Cruz (44) im Senat mit dem Establishment verscherzt hat, desto begeisterter feierte ihn die Tea Party. Im Herbst 2013 trieb der Juniorsenator aus Texas die Partei im Budgetstreit so schmerzlos vor sich her, dass sie sich sehenden Auges in das politische Unglück eines Verwaltungsstillstands stürzte. Kompromisslosigkeit ist das Markenzeichen des Juristen. Seit dem Aufstieg Donald Trumps hat Cruz zwar mehr Mühe als zuvor, mit seinen Parolen Gehör zu finden. Doch er hat potente Spender. Dank ihnen wird er selbst dann über lange Zeit im Rennen bleiben können, wenn er in den Umfragen weiterhin im einstelligen Prozentbereich verharrt.


            Carly Fiorina

            „Frau Clinton ist in vielen wichtigen Angelegenheiten nicht offen.“
            REUTERS

            Als einzige Frau, die für die Republikaner ins Weiße Haus einziehen will, nimmt Carly Fiorina (61) für sich in Anspruch, die beste Waffe der Konservativen gegen Hillary Clinton zu sein. Außerdem verweist sie auf ihre Erfahrungen als Managerin eines Weltkonzerns: Von 1999 bis 2005 war sie Vorstandsvorsitzende des Computerherstellers Hewlett-Packard. Allerdings ist das ein zweischneidiges Schwert, denn sie verließ das Unternehmen im Streit über seine wirtschaftliche Schieflage. Wenige Amerikaner kennen Fiorina – aber wenn sie auftritt, schlägt sie mit ihrem Spott und ihrer Zähigkeit viele Zuhörer in ihren Bann. Politische Erfahrung hat sie kaum – außer einem gescheiterten Versuch im Jahr 2010, für Kalifornien in den Senat zu ziehen.


            Jim Gilmore

            „Ich bin Kandidat, weil die jetzige Führung in Washington Amerika auf einen Pfad des Niedergangs geführt hat und ich kann diesen Niedergang umkehren.“
            AP

            Als sich Jim Gilmore (66) vor acht Jahren schon einmal zum Präsidentschaftskandidaten erklärte, währte die Sache nur kurz. Noch vor der ersten Abstimmung in Iowa hatte der Politiker aufgegeben. Das Ende seiner vier Jahre als Gouverneur von Virginia liegen am Wahltag 2016 schon 16 Jahre zurück. Bis zu seiner Ankündigung am 29. Juli war Gilmores Name in fast keiner Umfrage genannt worden.


            Lindsey Graham

            „Ich will der Präsident sein, der unsere Nation vor allen in- und ausländischen Gefahren schützt.“
            REUTERS

            Der Senator Lindsey Graham (60) war jenseits seines Heimatstaats South Carolina bis vor kurzem allenfalls Leuten bekannt, die sich im Gegensatz zum amerikanischen Durchschnittswähler besonders für Außen- und Sicherheitspolitik interessieren. Und auch diese Leute nahmen Graham oft nur als Adlatus seines Senatskollegen John McCain wahr, der Graham kürzlich scherzhaft als „meinen unehelichen Sohn“ bezeichnete. Den Außenseiteranwärter für die Wahl 2016 verbindet mit dem nominierten Kandidaten des Jahres 2008, dass beide für eine zentristische Politik und Kompromisse mit den Demokraten eintreten – außer in der Außenpolitik, wo sie zu den schärfsten Falken zählen. Etwas Bekanntheit hat Graham zuletzt durch die Debatte über das Iran-Abkommen erlangt, das er vehement ablehnt – und durch ein öffentliches Scharmützel mit Donald Trump, den der Senator als „größten Esel der Welt“ beschimpfte.


            Mike Huckabee

            „Dies ist nicht die Zeit für einen Chamberlain. Es ist die Zeit für einen Churchill. Entweder wehren wir uns gegen das Böse oder nicht.“
            AP

            Mike Huckabee (60) ist ein Evangelikaler aus dem Süden. Darauf gründet seine zweite Präsidentschaftskampagne: „God, Guns, Grits, and Gravy” („Gott, Schusswaffen, Hafergrütze und Bratensoße“) heißt eines seiner Bücher. Nachdem es der frühere Gouverneur von Arkansas bei den Republikaner-Vorwahlen 2008 auf den dritten Rang gebracht hatte, übernahm er eine Talkshow im konservativen Politsender Fox News. Dort gab und bis heute gibt er sich als Kulturkämpfer, ob er nun die Sängerin Beyoncé für ihren aufreizenden Tanz beschimpft oder Präsident Obama vorwirft, mit dem Iran-Abkommen die Israelis „an die Tür des Ofens“ zu führen. Jenseits der Südstaaten ist Huckabees Anhängerschaft klein.


            Bobby Jindal

            „Wir hatten genug Schwätzer. Wir brauchen endlich jemanden, der etwas tut.“
            AP

            Schon seit 2008 regiert der erst 44 Jahre alte Bobby Jindal den Staat Louisiana. Vor einigen Jahren sagten viele Republikaner dem Gouverneur eine große Zukunft voraus. Als Sohn indischer Einwanderer, der als Schüler vom Hinduismus zum katholischen Glauben übergetreten war, verkörperte Jindal einerseits die von vielen Parteistrategen geforderte Öffnung gegenüber ethnischen Minderheiten und vertrat andererseits streng konservative Positionen etwa in der Haushalts- und in der Gesellschaftspolitik. Doch Jindal scheint zumindest den ersten Zenit seiner Karriere überschritten zu haben. Selbst in Louisiana halten ihn die Leute für amtsmüde, und auch anderswo kommt nur noch wenig Begeisterung für ihn auf.


            John Kasich

            „Es wird Zeit, dass Amerika wieder die Führung übernimmt“
            AP

            John Kasich (63) regiert Ohio – einen der wichtigsten der sogenannten Schlachtfeldstaaten, in denen es jedes Jahr knapp wird zwischen Demokraten und Republikanern. Obwohl „Washington“ heutzutage beinahe als Schimpfwort gilt, wirbt der Gouverneur auch mit dem Argument für sich, dass er als Kongressabgeordneter Ende der neunziger Jahre einige tragfähige Budgetkompromisse mit der Clinton-Regierung ausgehandelt habe. Doch auch das Wort „Kompromiss“ ist an der Republikaner-Basis eher verpönt. Wenn man ihn nicht wolle, hat der freundlich auftretende, aber nicht sonderlich charismatische Kasich schon gesagt, dann werde er eben mehr Zeit zum Golfspielen haben.


            George Pataki

            „Ich kann dieses Land führen und diese Wahl gewinnen. Die Notwendigkeit Washington zu verändern war niemals größer.“
            dpa

            George Pataki (70) wurde dreimal zum Gouverneur des Staats New York gewählt. Er hatte das Amt bis 2006 inne, also auch während der Anschläge vom 11. September 2001. Dennoch ist seine Bekanntheit in der Nation überschaubar. Pataki ist als typischer Vertreter eines Nordost-Staats womöglich der linkeste Republikaner im Rennen. Entsprechend wenig nimmt die Basis Notiz von seiner Kandidatur. Umgekehrt ist Pataki nicht links genug, dass er versprechen könnte, der Wahl-New-Yorkerin Hillary Clinton das Leben schwer zu machen. Auch in den Washingtoner Parteizirkeln hat Pataki daher keinen nennenswerten Rückhalt.


            Rand Paul

            „Es ist Zeit für einen neuen Weg. Ein Weg der auf Gerechtigkeit, Chancen und Freiheit beruht.“
            AFP

            Rand Paul (52) war für die Zeitschrift „Time“ im vorigen Herbst noch „der interessanteste Mann in der amerikanischen Politik“. Der Vater des Juniorsenators aus Kentucky, Ron Paul, war für die Libertäre Partei bei Präsidentenwahlen angetreten. Dessen Fans versucht der jüngere Paul bei der Stange zu halten, und gleichzeitig andere Wähler für sich zu gewinnen. Im NSA-Streit machte er sich für das Recht auf Privatsphäre stark. Obamas Drohnenkrieg lehnt er ab. Beides gefällt vielen jungen Leuten. Doch mit außenpolitischem Lavieren hat Paul viele in der Partei verprellt.


            Marco Rubio

            „Es die Zeit gekommen, dass unsere Generation auf dem Weg in ein neues amerikanisches Jahrhundert voranschreitet.“
            REUTERS

            Ein bisschen ist Marco Rubio (44) der Barack Obama der Republikanischen Partei. Der Sohn zweier Exilkubaner, die aus einfachen Verhältnissen stammen, hat es in einer politischen Blitzkarriere schon 2010 zum Senator von Florida geschafft. Obwohl er dort mit seinem Mentor Jeb Bush um Spender wetteifern muss, schlägt er sich bisher gut: Sein Strahlen, seine Bilderbuchfamilie und seine Lebensgeschichte kommen gut an, und auch seine scharfe Falken-Linie in der Außenpolitik entspricht den Erwartungen eines großen Teils der Parteibasis. So fließend Rubio Spanisch spricht, so gering scheint aber die Anziehungskraft des „Kubaners“ auf Latinos aus anderen Ländern zu sein – zumal sich der Senator heute dafür entschuldigt, dass er vor Jahren in Washington einen Einwanderungskompromiss schmieden half.


            Rick Santorum

            „Arbeiterfamilien brauchen keinen Präsidenten mit Verbindungen zu großen Konzernen oder zu den Wohlhabenden.“
            AP

            Rick Santorum (57) bekam in den Vorwahlen des Jahres 2012 die zweitmeisten Stimmen. Mit seinen Plädoyers etwa gegen die Homosexuellenehe oder künstliche Mittel zur Empfängnisverhütung zog er die sogenannten Sozialkonservativen an, die sich vom moderaten Mormonen Mitt Romney nicht vertreten fühlten. Diesen Erfolg hatte dem vormaligen Senator des Staats Pennsylvania vorher kaum jemand zugetraut. Das ist der einzige Trost, der Santorum beim Betrachten der aktuellen Umfragen bleibt. Diesmal buhlen deutlich mehr Kandidaten um die Herzen der gesellschaftspolitisch konservativsten Wähler.


            Donald J. Trump

            „Trump wird Amerika wieder groß machen.“
            AP

            Noch vor wenigen Wochen erwartete kaum jemand, dass Donald Trump (69) seinen großen Worten diesmal Taten folgen lassen und die Formalitäten zur Anmeldung einer Präsidentschaftskandidatur erledigen würde. Doch „The Donald“, den viele Amerikaner aus dem Reality-TV kennen, hat sich im Juli an die Spitze vieler Umfragen katapultiert. Noch derber als die Konkurrenz beschimpft der Immobilienentwickler und Multimilliardär Einwanderer aus Mexiko. Genüsslich und grob legt sich der Mann, der lauter als alle anderen Barack Obamas amerikanische Staatsangehörigkeit in Zweifel zog, jetzt öffentlich mit anderen Republikanern an. Damit setzt er fürs erste den Ton. Und seine Drohung, er könnte auch als Unabhängiger antreten, wenn die Partei ihn nicht nominiere, bereitet manchen Republikaner-Strategen schlaflose Nächte.



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