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Kanadas Premierminister Harper : Mit ruhiger Hand gegen den Terror

Nach dem Anschlag von Ottawa: Kanadas Premierminister Stephen Harper spricht im Fernsehen zu seinen Landsleuten Bild: Reuters

Als der Attentäter in das Parlamentsgebäude in Ottawa eindrang, wurde Kanadas Premierminister Stephen Harper schnell in Sicherheit gebracht. Wer ist der konservative Politiker, der in einer Fernsehansprache Terroristen ein härteres Vorgehen ankündigte?

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          Die Botschaft kam prompt und ist glaubwürdig: „Kanada lässt sich nicht einschüchtern“, sagte der kanadische Premierminister Stephen Harper in einer Fernsehansprache nach dem Terroranschlag auf das Parlament in Ottawa. Anschläge auf kanadische Einrichtungen seien auch „Angriffe auf unser Land, auf unsere Werte, auf unsere Gesellschaft, auf uns Kanadier als freies und demokratisches Volk, das Menschenwürde für alle verkörpert“.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Seine Regierung werde künftig noch entschlossener handeln, um Gefahren für die Bürger abzuwehren und die Sicherheit im Land zu gewährleisten. Zudem kündigte Harper an, dass sich sein Land als Reaktion auf die beiden Mordanschläge vom Montag und vom Mittwoch noch stärker am Kampf der Staatengemeinschaft gegen den internationalen Terrorismus beteiligen werde.

          Der Einsatz gegen den „Islamischen Staat“ (IS) im Nahen Osten ist für Kanada – wie für alle westlichen Staaten – auch ein Kampf an der Heimatfront. Nun ist der Terror buchstäblich bis vor die Tür der Amtsräume des Regierungschefs vorgedrungen.

          Dieses Amt bekleidet Harper, der vor gut zehn Jahren den Vorsitz der 2004 erneuerten Konservativen Partei übernahm, seit Februar 2006. Harper wurde am 30. April 1959 in Toronto in der Ostprovinz Ontario geboren, ging aber zum Studium der Volkswirtschaftslehre in den Westen und lebt noch heute in Calgary.

          In seiner politischen Laufbahn wurde Harper schon vieles gescholten: kalter rechter Ideologe, neokonservative Marionette Washingtons, Freund des Großkapitals und Feind des kanadischen Sozialstaats.

          Wäre er aber nicht in Wahrheit eine Gestalt der politischen Mitte und ein überzeugter Brückenbauer, hätte er in Ottawa niemals über so viele Jahre hinweg Regierungen führen können, die nur selten über eine eigene Parlamentsmehrheit verfügten.

          Anders als manche seiner Amtsvorgänger von den sozialdemokratisch orientierten Liberalen, die sich gern in ihrer Gegnerschaft zum großen Nachbarn Vereinigte Staaten und zumal zu dessen Kriegen im Nahen Osten außenpolitisch profiliert haben, hat Harper niemals einen Zweifel an der Freundschaft Ottawas mit Washington und an der unerschütterlichen Bündnistreue in der Nato gelassen.

          Die kanadischen Streitkräfte haben einen hohen Blutzoll im Kampf gegen die Taliban in Afghanistan entrichtet. Die letzten kanadischen Soldaten holte Harper erst vom Hindukusch zurück, als auch die Führungsmacht Vereinigte Staaten den Abzug vorbereitete.

          Die von manchen Kanadiern gehegte Illusion, man könne sich als notorisch tolerantes, weltoffenes und multikulturelles Gemeinwesen sozusagen aus der Schusslinie des internationalen Terrorismus stehlen, hat Harper stets als das gebrandmarkt, was sie ist: eine Illusion.

          Mit ruhiger Hand hat Harper in den gut acht Jahren seiner Regierungszeit Kanada im Innern geführt. Mit ruhiger und entschlossener Hand will er Kanada gegen die terroristische Bedrohung verteidigen.

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