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Kampf um Obama-Nachfolge : Hillary, Donald oder Mr. X

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Hillary Clinton neben Bernie Sanders und einigen weiteren, chancenlosen Kandidaten auf Seiten der Demokraten Bild: AP

Noch scheint das Feld der Präsidentschaftskandidaten in Amerika unüberschaubar - vor allem bei den Republikanern, wo niemand wirklich mit Donald Trump rechnet, er aber auch nicht verschwindet. Wer könnte auf beiden Seiten das Rennen machen? Ein Überblick.

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          Auf den ersten Blick läuft der Politbetrieb in Washington auf Normaltouren. Hillary Clinton trotzt einem Libyen-Ausschuss, jede Menge Hickhack in der republikanischen Partei, Außenminister John Kerry kümmert sich um Lösungen für die großen Krisen der Welt, Präsident Barack Obama repräsentiert. Doch aus allen Ecken dringt schon der Geruch von Wahlkampf - mehr als ein Jahr vor der Wahl eines neuen Präsidenten am 8. November 2016.

          Die Vorwahlen der Parteien haben Washington bereits im Griff, kaum ein Thema wird nicht zumindest auch unter dem Gesichtspunkt „2016“ abgewogen. Überraschend dabei: In dem polierten Politgetriebe rund ums Weiße Haus kommt wie aus dem Nichts auch eine menschliche Komponente zum Vorschein. Vizepräsident Joe Biden verzichtet aus familiären Gründen auf eine Kandidatur: Der Krebstod seines Sohnes hat ihn trauern lassen und ihm die Zeit zur Vorbereitung einer konkurrenzfähigen Kampagne genommen.

          Dazu passt, dass der designierte neue Präsident des Repräsentantenhauses, der republikanische Abgeordnete Paul Ryan, sich ausdrücklich erbeten hat, auch im künftigen Amt noch genug Zeit für seine Familie zu haben. Dass Ryan anderseits gegen die demokratische Forderung wettert, in den Vereinigten Staaten endlich als letztem entwickeltem Land des Westens Elternzeiten einzuführen, steht auf einem anderen Blatt.

          Bei den Demokraten ist Clinton Favoritin

          Doch wer wird der Nachfolger Obamas, wenn der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten im Januar 2017 aus dem Amt scheidet? Zumindest in der demokratischen Partei des Amtsinhabers lichtet sich das Feld der Bewerber. Alles läuft auf die frühere Außenministerin Hillary Clinton zu. Die Frau, die als First Lady das Weiße Haus bereits kennengelernt hat, ist wegen ihres Machtbewusstseins und als autoritär beschriebenen Führungsstils nicht überall beliebt.

          Mit Bernie Sanders (74) hat die 67 Jahre alte Clinton bei den Demokraten nur noch einen ernstzunehmenden Kontrahenten. Der parteilose Senator aus dem kleinen Staat Vermont war lange Zeit unterschätzt worden. Der selbst ernannte „demokratische Sozialist“ hat aber seine Rolle als Anwalt der kleinen Leute gefunden und punktet mit Tiraden gegen das Establishment. Dass dies für einen Sieg gegen die mit allen Wassern im Politzirkus gewaschene Hillary Clinton reichen könnte, glaubt jedoch kaum ein Meinungsforscher. Zumal Clinton ihre beiden größten Lasten nahezu abgeschüttelt hat.

          Ihre Vorladung vor den Bengasi-Ausschuss, der ihr Versagen in der Libyen-Krise vorgeworfen hatte, nutzte Clinton geschickt zu einem fast präsidialen Auftritt. Und in ihrer E-Mail-Affäre hielt ihr ausgerechnet Sanders die Steigbügel. „Das amerikanische Volk hat die Diskussion über Ihre verdammten E-Mails satt“, sagte er in einer Fernsehdebatte weniger an sie, als an den politischen Gegner gerichtet.

          Wie lange hält Trump durch?

          Und bei den Republikanern? Dort warten alle darauf, wann sich Donald Trump aus dem Rennen verabschiedet und echten Politikern das Feld überlasst. Doch der Stern des Baulöwen will und will nicht sinken. Vielen Parteigängern ist der exzentrische und bisweilen skurril auftretende New Yorker eher peinlich. „Ich kann den Wahnsinn gar nicht beschreiben, den seine Nominierung für uns bedeuten würde“, sagte ein Republikaner aus Iowa dem Magazin „politico“. Mindestens ebenso richtig lag aber ein Parteifreund aus New Hampshire: „Die Vorhersagen, dass er verschwindet, haben sich nicht bewahrheitet.“

          Mittlerweile rechnen Polit-Strategen nicht nur mehr nur vor, wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer Trumpschen Kandidatur ist. Sie trauen sich auch bereits Schätzungen zu, welche Chancen er auf die tatsächliche Präsidentschaft hat - und zwar keine schlechten.

          Das liegt auch an Trumps innerparteilicher Konkurrenz. Erfahrene Politiker, wie der frühere Gouverneur von Florida Jeb Bush, sind rar und machen derzeit keine gute Figur. Von der Stimmung im Land profitieren derzeit eher Rebellen und Seiteneinsteiger. Meinungsforscher Pat Murray von der Universität Monmouth glaubt sogar, die Parteibasis der Republikaner sei regelrecht angewidert von ihren etatmäßigen Politikern.

          Drei für die Republikaner: Ben Carson, Donald Trump, Jeb Bush

          Der Bruder des früheren Präsidenten George W. Bush musste zuletzt sogar den Mitarbeitern seines Wahlkampfteams die Gehälter kürzen, weil die Spenden nicht wie erhofft fließen. Am Mittwoch steigen die Bewerber der Republikaner zur nächsten Fernsehdebatte in den Ring. Schon danach könnte sich das bisher noch sehr unübersichtliche Bewerberfeld deutlich lichten.

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