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Kampf gegen IS : Arabische Zuschauer

Die arabischen Außenminister freuen sich über die neue amerikanische Aufmerksamkeit Bild: AP

Die Expansion der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ bedroht zwar auch die Golfmonarchien, doch den Kampf gegen die Islamisten überlassen sie anderen.

          Präsident Barack Obama sollte nicht zu viel von seinen arabischen Verbündeten erwarten, mit denen er den „Islamischen Staat“ zerstören will. Die Zusagen der wichtigsten arabischen Regierungen sind mit Vorbehalten versehen, mit Taten werden sie sich nicht brüsten. Kein Staat will eigene Soldaten schicken, nicht einmal die modernen Kampfflugzeuge sollen Angriffe gegen den „Islamischen Staat“ fliegen. Markige Worte und ein paar Ausbildungslager sollen es richten. Dabei bedroht der „Islamische Staat“ zunächst den Mittleren Osten. Die Dschihadisten wüten auf arabischem Boden, die Terrormiliz beruft sich auf den Islam. Zudem hat Abu Bakr al Bagdadi einen neuen „Staat“ gegründet, der expandiert und wie ein Magnet neue Krieger anzieht, während andere Staaten in der Region versagt haben und nun zerfallen.

          Umso mehr erstaunt die Zuschauerrolle der Regierungen in der sunnitisch-arabischen Welt. Noch immer verstecken sie sich hinter dem Argument, der Zerfall der Levante im Jahr 2003 habe mit der Invasion im Irak eingesetzt. Die Suppe, die die Vereinigten Staaten der Region eingebrockt hätten, sollten sie gefälligst selbst auslöffeln. Das ist kurzsichtig. Denn mit der militärischen Feuerkraft Amerikas allein ist der „Islamische Staat“ nicht zu zerstören.

          Obama wird nicht wiederholen können, was 1990 Präsident George H.W. Bush zur Befreiung Kuweits gelungen war: Eine breite Koalition einschließlich arabischer Bodentruppen zu bilden. Saudi-Arabien sah im „Islamischen Staat“ zunächst einen Hebel, um die proiranischen Regierungen in Bagdad und Damaskus zu schwächen. Diese Rechnung ist nicht aufgegangen.

          Eher erinnert Obamas Initiative an das Jahr 2003. Damals verweigerte die Türkei den amerikanischen Truppen die Passage in den Irak. Auch heute hält sich die Türkei zurück, nicht zuletzt aus Furcht um das Leben der türkischen Geiseln in der Hand des „Islamischen Staats“. Bisher hat lediglich Iran reagiert, für das der „Islamische Staat“ eine existentielle Bedrohung ist. Teheran ließ den irakischen Ministerpräsidenten Maliki fallen, um in Bagdad eine Regierung bilden zu können, in der sich die Sunniten wiederfinden, so dass sie sich von dem „Islamischen Staat“ abwenden. Derweil genießen es die autokratischen arabischen Regierungen, dass sich Amerika wieder auf sie stützt und sie nicht in Frage stellt.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

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