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Trumps größter Verteidiger : Donald hat immer recht

  • -Aktualisiert am

Unverhoffte Prominenz: Jeffrey Lord an seinem Schreibtisch zu Hause in Camp Hill Bild: Andreas Ross

Jeffrey Lord verteidigt alles, was Trump sagt. Für ihn ist der Ku-Klux-Klan links, das Verbreiten von Gerüchten ein menschlicher Zug und der Kandidat der nächste Ronald Reagan. Die Argumente sind nicht immer nachvollziehbar.

          7 Min.

          Jeffrey Lord hat eine Mission. Er verteidigt alles, was Donald Trump sagt. Lord wird dafür bezahlt, es ist sein einträglichster Job seit langem, Trump hat ihn persönlich auserkoren. Das Geld bekommt Lord allerdings von CNN. Mehr als sechshundert Mal ist er in dem Sender schon als „Politischer Kommentator“ aufgetreten, seit Trump seine Kandidatur für das Weiße Haus angekündigt hat. Vom Frühstücksfernsehen bis zum Mitternachts-Talk hat Lord gut zu tun. Das Ganze geht darauf zurück, dass sich Trump voriges Jahr im Juli bei Anderson Cooper beschwert habe, dem Starmoderator des Senders CNN.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          „Ihr interviewt mich immer gern, aber danach kaut ihr alles mit Bush-Anhängern durch, die mich hassen“, habe der Republikaner geklagt. Offenbar wussten sie bei CNN nicht, wer sich jeden Tag schützend vor Trump stellen würde. „Fragt Jeffrey“, soll der Baulöwe gesagt haben. Er hatte den einstigen Mitarbeiter Ronald Reagans zwei Jahre zuvor kennengelernt. „Nur wusste ich von alledem noch nichts“, erzählt Lord. Er saß in der Erdgeschosswohnung vor den Toren von Pennsylvanias Hauptstadt Harrisburg, wo er seine 97 Jahre alte Mutter pflegt und Artikel für den „American Spectator“ schreibt, „als plötzlich das Telefon nicht mehr stillstand. CNN. Nochmal CNN. Schon wieder CNN.“

          Erst wurde Lord telefonisch zugeschaltet, dann mit Bild über Skype, schließlich von einem Studio aus per Satellit. Die Senderchefs waren zufrieden. Lord belebte die Streitgespräche über die Windungen und Wenden des Wahlkampfs, mit denen CNN seit gut einem Jahr die meiste Sendezeit füllt. Der freundliche Fünfundsechzigjährige ließ sich von den linken und rechten Trump-Gegnern im Studio nicht unterbuttern. Bis Ende 2016 hat CNN ihn unter Vertrag genommen.

          Im Juni erklärte Trump einen Bundesrichter wegen seines „mexikanischen Erbes“ für voreingenommen und wurde deshalb auch von Republikanern als Rassist beschimpft. Lord drehte bei CNN den Spieß um. Trump prangerte den Rassismus der Linken an, die Leute wegen ihrer Hautfarbe auf hohe Posten setze und sogar Richter ermuntere, ethnische Identitäten zu pflegen. Im Juli ging es ums Waffenrecht. Lord sagte, wer Abtreibung als Frauenrecht bezeichne, „der kann nicht im Ernst erwarten, dass die Leute draußen den Wert des Lebens erkennen und wissen, dass sie nicht töten sollen“.

          Die Karriere nach der Karriere

          Anfang August ließ Trump nicht davon ab, die muslimischen Eltern des im Irak gefallenen Hauptmanns Humayun Khan zu attackieren. Lord erklärte das zu deren Fehler: „Warum lässt sich Herr Khan von CNN, CBS und ABC interviewen? Aufhören!“ Seit Wochen unkt Trump, die Wahl im November werde manipuliert. Lord pflichtete ihm bei: „Ich bin sehr besorgt, dass die Wahl gestohlen werden könnte.“ Ominös seien nicht Trumps Andeutungen, sondern der Unwille der Linken, die Sache ernst zu nehmen.

          In manchen Werbepausen, berichtet Lord, gucke Anderson Cooper feixend in die Kommentatoren-Runde und sage: „Bleiben Sie dran! Wir haben nur noch fünf Stunden, um die Lage zu analysieren!“ Für Lord bedeuten die Dauerschleifen unverhoffte Prominenz nach einer Karriere, deren Zenit vor Jahrzehnten überschritten schien - aber auch Betreuungsnöte. Wann immer CNN ihm einen Wagen schickt, muss er erst eine Nachbarin bitten, bei seiner Mutter zu bleiben.

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