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Jeb Bush : Oberster Handwerker der Nation

Wahlkampfauftakt in Amerika : Jeb Bush schweigt sich über Vater und Bruder aus

Bei Gläubigen punktet der Präsidentschaftskandidat

In Iowa und anderswo wird sich Bush gegen Vorwürfe anderer Republikaner wehren müssen, er sei nicht konservativ genug. In Florida haben eher die Demokraten Angst, dass das in ihren Augen irreführende Etikett des „Moderaten“ auch in ihrem Staat verfangen könnte, den Obama 2012 deutlich gegen Romney gewonnen hatte. Sie erinnern nicht nur an Jeb Bushs Loyalität zu George W. Bush, sondern auch daran, wie sich der zum Katholizismus konvertierte frühere Gouverneur in die ideologisch motivierte Schlacht um das Schicksal von Terri Schiavo gestürzt habe. Schiavo lag in einem nach ärztlicher Meinung irreversiblen Wachkoma, und ihr Mann hatte die Ärzte aufgefordert, ihre künstliche Ernährung einzustellen, damit sie sterben könne. Nachdem sich der Ehemann in einem jahrelangen Rechtsstreit gegen Schiavos Eltern durchgesetzt hatte, schaltete sich der Gouverneur ein. Über viele weitere Jahre hinweg versuchte Bush, Terri Schiavos Tod zu verhindern. Am Ende unterlag er. Wissenschaftler untersuchen die Episode heute als Beispiel für die Überdehnung exekutiver Macht. Doch viele religiöse Amerikaner haben es Bush nicht vergessen, dass er den Lebensschutz wichtiger nahm als die Unabhängigkeit der Justiz.

Mit einer aus seinem Glauben entlehnten Wendung hatte Bush sich in der Einwanderungspolitik allerdings vom Rest des Kandidatenfelds abgesetzt. Der Versuch, für ein besseres Leben illegal über die Grenze zu kommen, sei eher ein „Akt der Liebe“ als ein Verbrechen, hatte Bush vor gut einem Jahr gesagt. Sein Redemanuskript in Miami sieht zwar ein paar Sätze auf Spanisch vor, das der seit 41 Jahren mit einer Mexikanerin verheiratete Republikaner fließend spricht. Zu seinem besonders großen und „haarigen“ Ziel einer Einwanderungsreform wollte Bush aber eigentlich nichts sagen. Doch ausgerechnet in dem Moment, als der Kandidat auf seine Mutter Barbara zu sprechen kommt, stehen einige Aktivisten auf, die sich in die Halle geschmuggelt haben. Sie halten ein Plakat hoch, auf dem die von Obama erlassenen und von den Republikanern bekämpften Dekrete zum Abschiebeschutz für Millionen von illegalen Einwanderern als „Akt der Liebe“ bezeichnet werden. Jeb Bush ruft den Demonstranten, die sofort von Polizisten aus der Halle geleitet werden, spontan zwei Sätze hinterher: „Der nächste Präsident der Vereinigten Staaten wird eine echte Einwanderungsreform verabschieden. Und zwar nicht per Dekret.“

Viele im Publikum sind überzeugt davon, dass Bush den verfahrenen Streit lösen könnte. Ein Veteran der gescheiterten Kuba-Invasion über die Schweinebucht, der 18 Jahre in einem Gefängnis auf der Insel verbrachte und nach seiner Ausreise 1979 für die amerikanische Einwanderungsbehörde gearbeitet hat, hält Bush auch deshalb für den besten Kandidaten. Neben ihm sitzt ein Nachkomme deutscher Einwanderer, der bis zur Rente in der Telekommunikationsbranche gearbeitet hat und Bush für seinen Hang zu technischen Lösungen rühmt. Ein afroamerikanischer Handelsvertreter ist überzeugt, Bush werde die nötigen Kompromisse mit dem Kongress eingehen, um den Stillstand zu beenden.

In seiner Rede wettert der Präsidentensohn und Präsidentenbruder über die „verhätschelten Eliten“ in Washington. Dort werde nie ausgemistet, verkündet er, „wenn wir die Leute wählen, die das Chaos mitverursacht haben oder ihre Unfähigkeit bewiesen haben, es zu bereinigen“. An der Stelle klingt Bush dann doch wie alle seine Mitbewerber. Amerika brauche einen Präsidenten, der „die ganze Kultur in unserer Hauptstadt“ umkremple. „Ich werde dieser Präsident sein“, ruft Bush, „weil ich ein Reform-Gouverneur war und nicht einfach ein Mitglied des Klubs.“

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