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Jeb Bush : Die meisten Dollars für die besten Gene

  • -Aktualisiert am

„Die Bushs haben einfach Klasse“: Mel Sembler (rechts) mit George H.W. Bush. Bild: ASSOCIATED PRESS

Mel Sembler ist mit Einkaufszentren reich geworden. Jeb Bush half er, die Wahlkampfkasse mit den ersten hundert Millionen Dollar zu füllen. Für den Millionär aus Florida steht fest: Das Land braucht diese Familie.

          Im Januar bekam Mel Sembler einen Anruf aus Texas. Der 85 Jahre alte Shopping-Mall-Mogul von Florida hatte sich gerade einen Herzschrittmacher einsetzen lassen, und nun erkundigte sich der Sohn eines alten Freundes nach seinem Befinden. Die beiden Männer tauschten Krankenhausgeschichten aus. Dann wechselte der Anrufer das Thema. „Sag mal ehrlich, Mel“, bat er: „Wird Jeb antreten?“ Sembler war Fragen nach Bushs Plänen gewohnt. Der Unternehmer hatte bereits angefangen, in Floridas guter Gesellschaft Spenden einzutreiben, um dem früheren Gouverneur ins Weiße Haus zu verhelfen. Doch diesmal kam die Frage vom Bruder des Kandidaten. „Moment mal, Präsi“, rief Sembler in sein Handy, „du fragst mich?“ George W. Bush kicherte. Mel Sembler donnerte: „Und ob er antreten wird!“

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Inzwischen muss niemand mehr spekulieren. Im Juni hat Jeb Bush bestätigt, dass er Präsident werden will. Für Sembler geht es um nachholende Gerechtigkeit. Mit George Bush senior ist er sich darin einig, dass Jeb Bush längst Präsident hätte sein müssen: „Schon in den Achtzigern waren wir alle überzeugt, dass er der prädestinierte Politiker in der Familie ist.“ Jeb Bush sei „extrem brillant“ und gehe den Dingen bis ins letzte Detail auf den Grund. Nicht nur seinen Bruder, sogar den Vater stelle er in den Schatten. Der 41. Präsident der Vereinigten Staaten sei zwar ein „tadelloser Manager und Problemlöser“ mit einem „unfassbaren Lebenslauf“ gewesen – aber kein Überflieger wie sein zweitgeborener Sohn, der schon sein Studium der Lateinamerika-Wissenschaften in gut zwei Jahren statt der üblichen vier abgeschlossen habe.

          George W. Bush zieht Sembler gern auf, indem er ihn an ein Wochenende in Kennebunkport erinnert. Es war Anfang der Neunziger, Bill Clinton hatte Vater Bush gerade aus dem Weißen Haus vertrieben. Sembler besuchte die Familie Bush auf ihrem neuenglischen Sommersitz. George W. versuchte, ihn als Spendensammler zu rekrutieren, denn er wollte Gouverneur von Texas werden. „Ich habe versucht, ihm das auszureden“, erzählt Sembler. Er glaubte nicht, dass der älteste Spross von George und Barbara das Zeug hatte, die konservative Konkurrenz in Texas auszustechen. „Jebs großer Bruder war ja nicht ganz so strebsam gewesen“, sagt Sembler. „Er hatte in seinen jungen Jahren sicher mehr Spaß als Jeb. Er hat mehr getrunken, mehr Party gemacht und sich überhaupt mehr für die – sagen wir: außerschulischen Aktivitäten begeistert.“

          Laura Bush habe ihren Mann zwar gründlich eingenordet. Trotzdem fürchtete Sembler, dass eine texanische Kampagne des wilden Bruders „seinem“ Bush in Florida schaden könnte. Sembler wollte unbedingt, dass Jeb Bush Gouverneur im bis dahin von Demokraten dominierten Florida werde. So sollte er sich der Nation beweisen, um im nächsten Schritt das Weiße Haus für die Bushs zurückzuerobern. „Aber George W. hat nur gelacht“, erzählt Sembler. Zu Recht: Am Ende gewann er in Texas, während sein Bruder in Florida scheiterte. Als Jeb es 1997 dann doch noch zum Gouverneur von Florida gebracht hatte, heckte George W. bereits seine Präsidentschaftskampagne aus.

          Sembler sitzt im Vorstand des sogenannten Super-Pac

          Mel Sembler ist reich. Als er 1968 nach Florida zog, lebten dort rund sechs Millionen Leute. Jetzt sind es zwanzig Millionen. Jeden Tag ziehen etwa 800 Personen in den „Sunshine State“. Für Semblers Unternehmen in St. Petersburg an der Golfküste bedeutet das: Es müssen immer neue Läden und Einkaufszentren gebaut werden. Der Senior-Chef verrät nicht, mit wie viel Geld er Jeb Bush bereits unter die Arme gegriffen hat. Sembler sitzt im Vorstand des sogenannten Super-Pac namens „The Right to Rise“ – „Das Recht aufzustehen“ oder auch: „Die Rechte wird aufstehen“.

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