https://www.faz.net/-gq5-85t5j

Jeb Bush : Die meisten Dollars für die besten Gene

  • -Aktualisiert am

Eine robuste Außenpolitik liegt Mel Sembler am Herzen

Das gerahmte Foto daneben wirkt nur auf den ersten Blick wie ein Urlaubsschnappschuss aus einem mediterranen Lokal. „Sehen Sie, wie meine Frau und Laura hier auf George W. einreden? Die machen ihn richtig fertig“, feixt Sembler. Denn gerade habe Bush, damals noch Gouverneur von Texas, einen seiner gefürchteten Sprüche geklopft: „Wäre es nicht die Lösung aller Drogenprobleme, Marihuana zu legalisieren?“ Bush amüsierte sich, die Damen fanden die Idee weniger lustig. Erst beim zweiten Blick auf das Foto fällt auf, dass auch Benjamin und Sara Netanjahu an jenem Jerusalemer Dezemberabend des Jahres 1998 mit am Tisch saßen. Während der Rest der Gesellschaft über Drogen stritt, teilte Sembler dem Ministerpräsidenten mit, dass er soeben den künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten kennengelernt habe. „Bibi guckte mich nur mitleidig an“, erzählt Sembler. „Aber ich sagte: ,Bibi, glaub mir. Er ist es.‘“ Sembler hatte einen Deal mit Bush senior geschlossen, um den außenpolitisch unbeleckten Gouverneur auf größere Aufgaben vorzubereiten. „Sein Vati sagte zu George W.: Fahr mit Mel nach Israel, und ich zeige dir Ägypten.“ Außenminister Ariel Scharon flog mit den Gästen im Hubschrauber übers Westjordanland.

Eine robuste Außenpolitik liegt Mel Sembler am Herzen. Wie zum Beweis gibt es in seinem Büro auch Fotos einer Israel-Reise mit Dick Cheney, dem späteren Vizepräsidenten und Scharfmacher an der Seite von George W. Bush. Dessen Bruder Jeb ließ sich neulich tagelang von Reportern quälen, bis er die Frage, ob er mit dem Wissen von heute die Irak-Invasion seines Bruders ebenfalls befohlen hätte, zu verneinen wagte. Unter den republikanischen Kandidaten sind etliche, die viel drastischer als Jeb Bush geloben, Amerikas Feinde die volle Macht des amerikanischen Militärs spüren zu lassen. Tatsächlich hat Sembler auch schon einmal Geld für Wisconsins Gouverneur Scott Walker gesammelt, der große Töne spuckt.

„Niemand kennt sich so fabelhaft mit Bildung aus wie Jeb Bush“

Floridas Senator Marco Rubio, der sich vom Zögling Jeb Bushs in einen weiteren Konkurrenten verwandelt hat, saß auch schon in Semblers Büro und blätterte das Album durch. „Tolle Typen“, lobt Sembler – „aber Bush ist für mich Familie.“ Außerdem habe Jeb bewiesen, was in ihm steckt. Schon in jungen Jahren habe er sich in Florida durchgeschlagen, anstatt es sich wie der große Bruder in Texas im gemachten Nest bequem zu machen. Dass Jeb auch in Florida nicht bei null anfangen musste, weil Unternehmer wie Politiker zu gern den Sohn von Ronald Reagans Vizepräsidenten an ihrer Seite wussten, schmälert die Leistung in Semblers Augen nicht. „Meine drei Söhne haben alle bei mir in der Firma angefangen. Heute sind sie erfolgreiche Immobilienentwickler. Das läuft in der Politik wie im Geschäft.“

Spätestens als Gouverneur habe Bush letzte Zweifel an seiner Führungsstärke ausgeräumt. Durch die Schließung von Behörden und die Streichung von Stellen habe er den Haushalt ausgeglichen. Mit Steuersenkungen habe er Investoren angelockt. Seine Bildungsreform, die auf Privatisierung und Leistungsüberprüfungen für Lehrer setzte, sei zum Vorbild für ganz Amerika geworden. „Niemand kennt sich so fabelhaft mit Bildung aus wie Jeb Bush“, urteilt Sembler.

Viel länger will er sich nicht mit Bushs Bilanz aufhalten. „Ich bin ja kein Politologe.“ Sembler reicht es, dass er Jeb als fürsorglichen Familienmenschen kennt, der zu Hause mit seiner mexikanischen Ehefrau Spanisch spricht und alles für seine Kinder tue. „Jeb hat einfach die Bush-Gene in sich“, sagt Mel Sembler und strahlt verzückt. „Das ist allerbeste Qualität!“

Weitere Themen

Topmeldungen

Auf Truppenbesuch: Wolodymyr Selenskyj

Ukraine-Konflikt : Kiews West-Offensive

Angesichts des russischen Truppenaufmarsches sucht der ukrainische Präsident Selenskyj die Nähe zu EU und Nato. Kann er so das Blatt im Osten seines Landes wenden?
September 2020: Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verfolgt im Bayerischen Landtag eine Rede von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler).

Die K-Frage der Union : Söder muss nur noch zuschauen

Die Unterstützung in der CDU für die Kanzlerkandidatur von Armin Laschet bröckelt Stück für Stück. Umso entschlossener wirkt die CSU. Die christsoziale Kampfmaschine funktioniert reibungslos.
Ein Hubschrauber im Einsatz über dem Tafelberg

Brand am Tafelberg : Kapstadts Universität in Flammen

In der südafrikanischen Küstenstadt ist am Sonntag ein verheerendes Feuer ausgebrochen. Auch das Bibliotheksgebäude der Universität mit seiner historischen Sammlung steht in Flammen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.